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Moritz Bleibtreu sucht den Mond an ungewöhnlicher Stelle.
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Moritz Bleibtreu sucht den Mond an ungewöhnlicher Stelle.

„Die dunkle Seite des Mondes“

Mit eisigem Blick

Neu im Kino: Der Psychothriller „Die dunkle Seite des Mondes“ mit Moritz Bleibtreu und Nora von Waldstätten führt in den Wald und zu menschlichen Abgründen.

Von Cornelia Geissler

Der Wirtschaftsanwalt Urs Blank verdankt sein Ansehen nicht nur seinem Intellekt, sondern auch seiner Skrupellosigkeit. Das zeigt bereits die erste Gesprächsszene, in der Moritz Bleibtreu den Mann so präzise fies spielt. Blanks Frau, eine Galeristin, passt zu ihm, ihre Vernissagen sind Treffpunkte der Gesellschaft. Sie bewegen sich an Plätzen in Frankfurt, wo die Fassaden glänzen und das Glas verspiegelt ist. Als sich der Unterlegene aus dem jüngsten Deal vor Blanks Augen erschießt, dröhnt der Knall unwirklich laut, weil ihm eine Pause folgt. Das Blut spritzt überall hin.

Der Schweizer Autor Martin Suter schreibt so plastisch, dass sich seine Romane für Verfilmungen aufzudrängen scheinen. Die Übersetzung ins andere Medium gelingt dabei oft nicht. Regisseur Stephan Rick jedoch entwickelt für „Die dunkle Seite des Mondes“ starke Bilder und macht das so elegant Geschriebene überdeutlich sichtbar.

Eine große Wucht, eine Erschütterung

Die Schauspieler sprechen die von Suter geschriebenen und von Rick sowie Catharina Junk ins Drehbuch aufgenommenen Texte, während sie sich in einem eigens erschaffenen Raum bewegen. So entwickelt der Film eine große Wucht, eine Erschütterung, die den Zuschauer lange nicht loslässt.

In Blanks Welt gibt es Gewinner und Verlierer; doch der Selbstmord verstört ihn. Davon spricht er nicht, das spielt Bleibtreu. Dann erscheint der Geschäftsmann Pius Ott, der Blank für den nächsten Deal ködert. Er soll die Fusion zweier Pharma-Unternehmen zu einem Megakonzern durchsetzen. Blank hat Skrupel, zumal er Dokumente fand, die der Konkurrent versteckt hatte. Den Wirtschaftsboss verkörpert Jürgen Prochnow. Er spielt zunächst sehr sparsam, mit Augen und Stimme, als würde er seine Macht und seine Kraft im Zaum halten müssen.

Eine besondere Schwierigkeit in der Verfilmbarkeit von „Die dunkle Seite des Mondes“, dieses zweiten Suter-Romans (aus dem Jahr 2000, sein erster, „Small World“, erschien 1997), liegt in den Visionen und psychischen Veränderungen der Hauptfigur. Nach der Beerdigung des Konkurrenten verläuft Blank sich in einem Wald hinter dem Friedhof.

Blank landet bei einem Flohmarkt, wo er der schönen Lucille begegnet (Nora von Waldstätten), die er nach dem Weg fragt. Diese unkomplizierte Frau wird ihn später zu einem Treffen mit Alt-Hippies führen, die einen Trip mit halluzinogenen Pilzen organisieren. Urs Blank reagiert extrem stark auf den Stoff, und das zeigt der Film in wilden Bildern, die seine entrückten Sinne glaubhaft machen, suggestiv begleitet von Pink Floyds Song „The Dark Side of the Moon“.

Ein Riss geht durch Blanks Leben. Der Film wandelt sich vom Gesellschaftsdrama, das die Geldgier der Hedgefonds-Manager in Frage stellt und mit Schaudern auf die blanken Fassaden blicken lässt, zu einem Psychothriller.

Bleibtreu spielt nun praktisch zwei Menschen: Er funktioniert noch als harter Verhandler im Job, doch seine dunkle Seite, sein Wolfsgesicht, kehrt sich immer wieder hervor. Die Kamera zeigt durch seine Augen, wie sein altes und sein verändertes Ich miteinander ringen. Erst muss eine Katze dran glauben, bald ein Mensch. Und Mephisto, nein: Pius Ott sitzt ihm im Nacken. Es ist Prochnow mit eisigem Blick.

Waren es die magic mushrooms? Oder kehren die nur hervor, was in einem steckt, wie Lucille sagt? Entlarvt sich so der Kern seiner Rolle in der Wirtschaft? Urs Blank glaubt, dass nur der Trip an seiner Wandlung schuld ist, macht sich auf die Suche nach einem bestimmten Pilz, streift mit Rucksack und Wanderschuhen wie besessen durch den leinwandfüllenden Wald.

Geheimnisvoll wie in den deutschen Märchen lockt und warnt der Wald mit seinen knarrenden Bäumen, flüsternden Blättern, rauschenden Quellen, seinem knackenden Unterholz. Urs Blank jagt nach dem Pilz, die Polizei und Pius Ott jagen ihn. Im Wald schließlich entscheidet sich Blanks Schicksal.

Die dunkle Seite des Mondes: Dtl./Luxemburg 2015. Regie: Stephan Rick. 98 Min.

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