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„Einsatz für Henning Baum“ auf RTL: Wie steht es um die Bundeswehr?

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Von: Harald Keller

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Henning Baum beim Dreh der RTL-Reportage in einem Eurofighter.
In „Einsatz für Henning Baum - Was es jetzt heißt Bundeswehrsoldat zu sein“ schaut sich der Schauspieler für RTL die deutsche Truppe an. © Thorsten Weber/dpa

Im Selbstexperiment besucht Henning Baum für RTL die deutsche Armee. In „Was es jetzt heißt Bundeswehrsoldat zu sein“ gibt es viel Action – und Reflexion.

Frankfurt – Seit einigen Jahren wird Henning Baum immer mal wieder ohne Drehbuch aktiv. 2020 lernte der Schauspieler, der mehrfach TV-Kommissare verkörperte und dem Sender Sat.1 mit der Serie „Der letzte Bulle“ einen Quoten- und internationalen Verkaufserfolg bescherte, die Arbeit der echten Polizei kennen. In diesem Jahr wurde Baum, wiederum für RTL, sozusagen Zeitsoldat. Nicht ganz so lang wie die meisten Rekruten, die den Freiwilligendienst absolvieren, aber doch ausreichend, um intensivere Einblicke zu gewinnen.

Baum und das ihn begleitende Team, insgesamt kamen dreizehn Kameraleute zum Einsatz, nehmen die Aufgabe ernst. In der Grundausbildung gibt es keine Privilegien für den prominenten Gast. Er bezieht eine Drei-Mann-Stube, lernt „Betten bauen“, wird um 5:30 Uhr durch Gebrüll geweckt, marschiert in die Mannschaftsdusche.

Im Dienst wahrt er Disziplin, meldet sich wie alle anderen brav mit „jawoll“. Aber, das hat er den Kameraden voraus, wenn die Kamera anwesend ist, spricht er Missstände offen an. Manchmal gänzlich unverbrämt: „Wer dafür verantwortlich ist, dem gehört der Arsch versohlt.“ Baums Tirade gilt dem Fresspäckchen, das den Rekruten am Tag ihrer Ankunft mitgegeben wird. Es enthält Weißbrot, ungesund, wie, so Baum, jedes Kindergartenkind weiß. Er macht der Redakteurin klar: „Das mit dem Weißbrot, das kommt in die Sendung rein, das sage ich dir.“

„Einsatz für Henning Baum“ auf RTL: Authentische Erfahrungen bei der Bundeswehr

Nach der Uniformanprobe und Übernahme der Ausrüstung wird Baum nachdenklich: „Ich bin hier nicht in irgendeiner Hurra-Stimmung.“ Eine kennzeichnende Aussage. Baum begreift seine Stippvisite bei der Bundeswehr nicht als Abenteuerausflug. Er sucht authentische Erfahrungen, spricht mit neuen und mit erfahrenen Soldaten, reflektiert das Gehörte. Mehr noch: Er erörtert seine Wahrnehmungen und Informationen mit der derzeitigen Verteidigungsministerin Christine Lambrecht, die allerdings erst seit September 2021 im Amt und damit für ältere Versäumnisse nicht verantwortlich ist. Ausschnitte aus dem von Baum geführten Interview werden an den thematisch passenden Stellen eingeschnitten.

Natürlich geht es bei einer netto 85 Minuten langen Produktion wie dieser auch um starke Bilder. Und was gäbe es Attraktiveres als einen Flug mit dem Eurofighter? 74.000 PS, schneller als der Schall. Aber in die Kampfmaschine kann man nicht mal eben so einsteigen und losfliegen. Henning Baum durchläuft ein medizinisches Programm und muss in der Zentrifuge den Druck von 5g überstehen, den der Proband mit dem Gewicht eines Pferdes vergleicht, das auf jeder einzelnen Körperzelle laste. „Das ist kein Spaß“, so sein Resümee, und er bekennt hinterher freimütig, dass ihm unwohl sei. Und es wird noch schlimmer kommen.

Ehe es aber so weit ist, besucht Baum noch ein Gelöbnis bei der Marine und spricht mit Justin (21), Sophie (22) und Can (20) über ihre Motivation und Zukunftspläne.

Henning Baum besucht für RTL die Bundeswehr: Erinnerungen an Afghanistan

Es folgt eine Geländeübung, ein Treffen mit Afghanistan-Veteranen. Hier wird es endgültig ernst. Die Drei haben Kameraden sterben sehen, psychische Leiden davongetragen, mussten erleben, dass Menschen aus ihrem Umfeld nach dem Kampfeinsatz den Freitod wählten. Nochmals wird klar, was Baum schon vorher auf den Punkt brachte: „Es ist kein Abenteuerspielplatz.“

Eingebettet ist ein Bericht aus dem Camp Castor in Mali, dem derzeitigen, hochgefährlichen Auslandseinsatz der deutschen Bundeswehr. Zurück in Deutschland, folgt ein Überlebenstraining, dann die Feuerprobe: ein steiler, atemraubender Aufstieg und ein strategisches Manöver mit dem Eurofighter. Und das wird kein frohgemutes Promi-Top-Gun, auch wenn Musik aus dem Kassenerfolg im Hintergrund leise anklingt.

„Einsatz für Henning Baum – Was es jetzt heißt Bundeswehrsoldat zu sein“

Donnerstag, 11. August 2022, 20.15 Uhr, RTL

„Einsatz für Henning Baum“: Bundeswehr-Reportage auf RTL

Auch ohne Drehbuch erweist sich der stämmige virile Mime als unterhaltsamer Zeitgenosse und uneitler Reporter, der sich wacker dem Militärdienst stellt, aber kein Hehl aus seinen nicht geringen Selbstzweifeln und Schwächen macht. Baum zeigt Selbstironie und sogar veritable journalistische Qualitäten. „Einsatz für Henning Baum“, eine Produktion der RTL News GmbH, geht über oberflächliches Infotainment hinaus. Der Protagonist und das Autorenteam Carolin Sedlak, Carmen Strieder, Christopher Grass und Ann Malo haben wirklich etwas zu berichten. Und entsprechende Aufmerksamkeit verdient. (Harald Keller)

Das Zweite Deutsche Fernsehen widmet sich währenddessen einem anderen spannenden Thema: Die ZDF-Reportage „Weniger Work, mehr Life - Geht das?“ widmet sich der Frage, wie Arbeitnehmerwünsche und Bedürfnisse des Arbeitsmarktes in Einklang gebracht werden können.

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