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Die Wiedervereinigung wird jedes Jahr gefeiert, aus gutem Grund, wie hier in Bremen vor fünf Jahren mit einer Nachbildung des Brandenburger Tores.

Deutsche Einheit

Einmalig und nicht selbstverständlich

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Die Bundesregierung widmet im 25. Jahr nach der Wiedervereinigung der deutschen Einheit einen Werbespot fürs Kino. Wenig Novembergrau, dafür viel warmes Sommerlicht.

Die deutsche Einheit spricht zu uns mit der Stimme einer jungen Frau. Sie ist eine Mittzwanzigerin, versteht sich, die deutsche Einheit wird am 3. Oktober 25 Jahre alt. Deshalb widmet die Bundesregierung ihr nun einen Kinospot und lässt sie aus dem Off sprechen. 59 Sekunden Deutschland sind in dem Kurzfilm zu sehen und zu hören; sie ziehen schnell vorbei. Nico Hofmann, der alte Geschichtslehrer des deutschen Kinos, hat den Spot produziert. Regie führte der 26-jährige Nico Kreis, ein ehemaliger Student von Hofmann.

Kreis verpasst dem kleinen Werk einen sehr poetischen Beginn und der deutschen Einheit eine Stimme wie Langnese: „Like ice in the sunshine“. Aber das ist ja auch Werbung hier, was sonst? Werbung für Deutschland und die Bundesregierung, für eine friedliche Republik in den schönsten Jahren. Die Kamera fliegt über München, Köln und Berlin, über Felder, Wege, Küsten und Straßen. Sie fliegt über Skateboarder und Tänzer, Junge und Alte, die Klänge der Streicher wehen den Bildern hinterher. Kein schöner Land in dieser Zeit. Und dann sagt diese Stimme der deutschen Einheit ganz zart, dass sie ein lang ersehnter Traum sei, ein Kind der Freiheit. Mehr noch: ein Geschenk.

Ein Geschenk „an jeden von euch“. Die Freiheit, die Einheit, ein Geschenk? Sicher, das war sie am Ende auch. „Ihr habt an mich geglaubt, für mich gekämpft, habt mich möglich gemacht.“ Das klingt nach Grönemeyer, ist aber der Sound der Bundesregierung. Und das Licht ist natürlich das Licht der Werbefilmer, Deutschland in der leicht dunstigen Sonne. In der Berliner Mitte küsst sich ein Paar; schwarze, rote, goldene Ballons fliegen in den Himmel über der Stadt, am Ende weht die Flagge Europas über dem Reichstag, ganz korrekt.

„25 Jahre sind vergangen, seitdem ich das Licht der Welt erblickte“, haucht die Stimme. Und fast scheint es, als sei die deutsche Einheit in diesen Jahren immer jünger geworden, sorgloser und schöner. Kein grauer Novembertag ist zu sehen, kein Panzer, kein Politiker, keine Geschichte ohne Geschenke. Nichts dagegen zu sagen. Doch: „Der kurze Film richtet sich gerade auch an jüngere Menschen, die die Wiedervereinigung nicht bewusst miterlebt haben.“ Das sagt die Bundesregierung. Egal, am Ende sagt die deutsche Einheit einen viel schöneren Satz: „Für viele von euch bin ich selbstverständlich, und doch bleibe ich einmalig.“ Einmalig, die deutsche Einheit. Ab heute auch in Ihrem Kino.

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