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Auch Moderatorin Hadnet Tesfai hielt Abstand.
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Auch Moderatorin Hadnet Tesfai hielt Abstand.

Berlinale

Einfach wieder spielen

  • Harry Nutt
    VonHarry Nutt
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Auf der Museumsinsel wird die sogenannte Sommer-Berlinale eröffnet.

Die Freude über laue Sommerabende ist schon ein paar Tage alt, aber die Menschen tun sich noch schwer, sie handzuhaben. Es ist, als tapse man sich nach draußen vor, um nachzuschauen, ob es noch da ist, das alte Leben. Jetzt also die Berlinale-Eröffnung als „Summer Special“?

Als die Honoratioren einmarschieren, hat sich die Sonne hinter den Kolonnaden an der Alten Nationalgalerie und dem Neuen Museum verzogen. Die heraufziehende Dämmerung ist derart schön, dass man gar nicht anders kann, als ein paar Gedanken an die legere Kleiderordnung zu verlieren. Heiter bunt ist Hortensia Völckers gekommen, die Chefin der Bundeskulturstiftung, wahlkampfgrün Claudia Roth, die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages. Das dezente Taubenblau des Kleides von Bundesagrarministerin Julia Klöckner korrespondiert mit ihrem melierten Blond, während Kulturstaatsministerin Monika Grütters ärmellos lila gewandet ist.

Kino lügt. War es nicht das, was man so lange hat vermissen müssen? Die Sommer-Berlinale ist trotz der demonstrativen Begeisterung, die Moderatorin Hadnet Tesfai zuvor vom Publikum mit einem Augenzwinkern eingefordert hatte, in vielfacher Hinsicht eine Notlösung, eine Belohnung für das Durchhaltevermögen, das alle Beteiligten aufgebracht haben, allen voran die Berlinale-Leiter Mariette Rissenbeek und Carlo Chatrian. Das Board der Sponsoren ist merklich ausgedünnt, die Hausherrin versäumt deshalb nicht, die Kulturstaatsministerin zu belobigen für die zusätzlichen zehn Millionen Euro aus dem Bundesprogramm Neustart Kultur. Während allerorten beklagt wird, dass die Politik womöglich nicht genug getan hat für die Künstlerinnen und Künstler, und einige ihren Unmut in Form kruder Videobotschaften kundgetan hatten, findet sich hier ein warmer Applaus für die Segnungen aus dem Hause Grütters.

Es wurden einige Gemeinplätze über den Film und das Kino in die Premierengesellschaft entlassen, nichts davon konnte man wirklich übelnehmen, auch nicht, dass Monika Grütters den „Himmel über Berlin“ ansprach und Volker Schlöndorff mit Wim Wenders verwechselte.

Vorteile des Campings

Die Camping-Version der Eröffnungsveranstaltung der 71. Berlinale hatte zweifellos ihre Vorzüge. Die Reden waren kürzer, der Jahrmarkt der Eitelkeiten überschaubar, die Prominenz bodenständig-lokal. Was nicht despektierlich klingen soll gegenüber der Anwesenheit von Iris Berben, Maria Schrader sowie Ulrich Matthes und Peter Kurth.

Fast gelöst bemerkte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller, dass dies seine letzte Berlinale-Eröffnung in Amtswürden sei, wie schon einige Male zuvor beschwor er die politische Bedeutung des Festivals, das neben dem Bemühen um Glamour stets auch Filme mit Haltung und Botschaft anzubieten habe. Fast pathetisch klang seine Bitte, die Nöte derer nicht zu vergessen, die unter rücksichtsloser Machtpolitik leiden. Allzu oft waren gerade während der Berlinale Regisseure und Schauspieler betroffen, stellvertretend verwies Müller auf den türkischen Publizisten Can Dündar in seinem Berliner Exil.

Die Zeit war reif für den Hauptfilm des Abends, „The Mauritanian“ von Kevin Macdonald, mit einer großartigen Jodie Foster sowie Benedict Cumberbatch. Das Dokudrama erzählt die Geschichte des in Deutschland aufgewachsenen Mohamedou Ould Slahi, der nach dem 11. September verschleppt wurde und über Stationen in Jordanien und Afghanistan im US-Gefangenenlager Guantanamo landete. Folter, Intrigen, Rechtsbeugung. Der Film erzählt die Geschichte eines Unschuldigen, dem das Leben gestohlen wurde und der noch immer nicht frei reisen darf, auch nicht zur Berlinale, wo der Film über seine Leidensgeschichte das Festival als Sommerevent eröffnet. Mehr als 120 Filme aus 56 Ländern folgen als Open Airs bis zum 20. Juni.

Beim Verlassen der Kolonnaden erklang vor dem Bode-Museum eine sorgsam gespielte Jazztrompete. Einfach wieder spielen, der Sommer fängt doch gerade erst an.

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