+
Wandernde Zausel: Redford (l.) und Nick Nolte.

„Picknick mit Bären“

Einfach alles über Dreijahreszeiten-Zelte

Es muss ihm ein Herzensanliegen gewesen sein: Robert Redford als Amateurwanderer auf den Spuren Bill Brysons auf dem Appalachian Trail.

Von Anke Westphal

Der Kostümdesigner des neuen Films mit Robert Redford musste keine fantastischen Vorstellungswelten entwickeln. Als Leigh Leverett daran ging, „Picknick mit Bären“ auszustatten, hatte er sich vor allem mit Rucksäcken, Wanderstiefeln, Funktionsjacken, Cargohosen und karierten Hemden zu befassen. Seinem Kollegen von der Abteilung Produktionsdesign erging es ähnlich: Gae Buckley studierte alle möglichen Typen von Zelten und richtete spartanische Waldhütten ein. Das konnte gar nicht anders sein, denn wer die äußerst amüsante Reiseliteratur des US-amerikanischen Autors Bill Bryson schätzt, kennt auch dessen Buch „Picknick mit Bären“. Der Regisseur Ken Kwapis hat es nun verfilmt.

Puh, das waren jetzt eine Menge Namen! Es soll indes auch niemand unerwähnt bleiben, der Anteil hatte am freundlichen Gelingen des Films über zwei Männer, die sich auf den Weg machen, um den Appalachian Trail zu bewältigen. Das ist ein 3500 Kilometer langer, legendärer Wanderweg, der vom Springer Mountain in Georgia bis zum Mount Katahdin in Maine führt, durch sage und schreibe 14 US-Bundesstaaten. Verglichen mit dem Appalachian Trail ist der Jacobsweg ein netter Spaziergang. Aufregende Geschichten, teils wahre Begebenheiten, teils Horror-Mythen, werden mit ihm verbunden: Auf dem Appalachian Trail muss man nämlich nicht nur den Kontakt mit wilden Tieren, giftigen Pflanzen und teils harschen Witterungsbedingungen überleben – hier wurden auch immer wieder Leute ermordet. Man kann aber auch anders leicht zu Tode kommen, etwa indem man auf einem Felsvorsprung abrutscht. Letzteres widerfährt irgendwann auch Bill Bryson (Robert Redford) und seinem alten Kumpel Stephen Katz (Nick Nolte), doch die beiden Männer haben Glück, denn sie werden von anderen Wanderern gefunden und gerettet.

Mehr als zehn Jahre hat Redford als Produzent die Verfilmung des 1998 erschienenen Reiseberichts von Bill Bryson betrieben. Die Sache muss ihm eine Herzensangelegenheit gewesen sein, denn der nunmehr 78-jährige Redford hat aus den beiden Mittvierzigern der Buchvorlage zwei Mittsiebziger gemacht, wohl um selbst eine der maßgeblichen Rollen spielen zu können. Der 74 Jahre alte Nick Nolte gibt Brysons alten, dick gewordenen Jugendfreund Katz, der Probleme mit den Knien und dem Alkohol hat und gelegentlich unter Anfällen leidet. Der Windhund Katz ist also noch ungeeigneter für eine solche Wandertour als Bryson selbst, doch niemand außer Katz wollte den Autor begleiten.

Die Komik, die aus dem Aufeinandertreffen zweier grundverschiedener Menschen entsteht, die es mit der Natur und kompetenten, jüngeren Wanderern zu tun bekommen, macht „Picknick mit Bären“ zum leicht betulichen, aber hübschen Kinospaß vor allem für Zuschauer der Generation 50plus. Wenn sich die zwei Hollywood-Stars als betagte und seit Jahrzehnten physisch inaktive Zausel allein schon motorisch ständig überfordern, möchte man am liebsten den Notarzt rufen. Als Buddy-Movie mit grandiosen Landschaftsaufnahmen benötigt Kwapis’ Regiearbeit die tiefgründelnde Metaphorik eigentlich nicht, die den Appalachian Trail mit dem Leben an sich vergleicht: Ersterer sei wie Letzteres, beide haben ihre Aufs und Abs. Geschenkt!

Umso komischer sind all jene Szenen, in denen das Wandern als Lifestyle aufs Korn genommen wird, etwa wenn die beiden Antihelden eine penetrant schlaumeiernde Frau namens Mary Ellen loswerden wollen. Man lacht Tränen. Deswegen sei hier noch ein Name genannt: Kristen Schaal spielt den Wander-Profi, der alles und mehr weiß über Drei-Jahreszeiten-Zelte.

Picknick mit Bären. USA 2015. Regie: Ken Kwapis. 104 Min.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion