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Alessandro Tiberi als Antonio und Penelope Cruz als Anna.
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Alessandro Tiberi als Antonio und Penelope Cruz als Anna.

Woody Allen "To Rome With Love"

Aus einem Furz wird ein Ereignisgewitter

Alles wie immer: Der neue Film „To Rome with Love“ von Woody Allen kommt wie ein alter Bekannter daher und hat die Abenteuer des wohlsituierten, eigentlich ängstlichen weißen Intellektuellen im Blick.

Von Anke Westphal

Alles wie immer: Der neue Film „To Rome with Love“ von Woody Allen kommt wie ein alter Bekannter daher und hat die Abenteuer des wohlsituierten, eigentlich ängstlichen weißen Intellektuellen im Blick.

Woody Allens neuen Film zu sehen ist ein Ritual, dem man sich ebenso stellt wie dem Schmücken des Weihnachtsbaums zur entsprechenden Zeit. Es geht schon lange nicht mehr darum, hier etwas Neues oder gar Überraschendes zu erleben. Nein, man wiederholt einfach immer wieder eine bestimmte Erfahrung, nur dass die sie begleitenden Umstände und Gefühle variieren. Und so warten wir ungeachtet früherer Enttäuschungen ebenso obsessiv auf Woody Allens neuen Film, wie dieser Regisseur für seine Filmtitel und Credits dieselbe Schrifttype benutzt, seit Ewigkeiten, nämlich EF Windsor Light Condensed.

Gleichermaßen besessen arbeitet sich Allen in seinen Filmen am eigentlich immer gleichen Stereotyp ab: dem wohlsituierten, eigentlich ängstlichen, aber mitunter Abenteuern zugeneigten weißen Intellektuellen in verschiedenen Ausformungen. In Woody Allens neuem Film „To Rome with Love“ gibt es gleich mehrere davon. Nun war das schon in Allens Kinohit „Midnight in Paris“ so, doch abgesehen vom Metropolenschauplatz im alten Europa hören damit die Vergleichsmöglichkeiten auf. Wer sich von Rom ein zweites Paris erhofft, wird keines errichtet finden. Während die so erfolgreiche Geschichte um einen amerikanischen Möchtegerndichter auf nächtlicher Zeitreise in der Stadt der Lichter in seiner Hauptfigur einen klaren Focus hatte, fehlt ein solcher in „To Rome with Love“.

Glänzen unter der Dusche

Immer neue Figuren machen hier immer neue Handlungsstränge auf, und dass der Film so ausgezeichnet besetzt ist, macht es absurderweise nur noch trauriger. Was für eine Verschwendung, denkt man als Zuschauer, wenn etwa Alec Baldwin oder Jesse Eisenberg, ganz zu schweigen von Greta Gerwig nicht recht zum Zuge kommen in der Zeichnung ihrer Rollen. Aber sie haben immer nur Miniauftritte und keine wirkliche Geschichte in diesem Ensemblefilm, der mehr oder weniger von einem alten wohlhabenden amerikanischen Paar handelt, das in der ewigen Stadt seine Tochter besucht. Hayley (Alison Pill) ist mit einem jungen Italiener liiert, dessen Vater Giancarlo wiederum Bestattungsunternehmer ist, aber auch gesanglich begabt. Als Opernregisseur erkennt der Kunstneurotiker Jerry (Woody Allen) da schnell ein Pfund, mit dem er noch mal wuchern könnte. Leider verhält es sich nun aber so, dass der Schwiegervater seiner Tochter nur unter der Dusche so wunderschön singt, im Konzertsaal aber versagt.

Oh ja, „To Rome with Love“ ist ein lustiger Film! Und das nicht allein, weil der pragmatische Jerry das Naheliegende tut und flugs in jede seiner neuen Inszenierungen eine Duschszene einbaut. Warum auch nicht?! Schließlich hat Jerry schon „Tosca“ für eine Telefonzelle eingerichtet und „Rigoletto“ mit weißen Mäusen inszeniert. Große Arien werden nun auch auf der Bühne unterm Wasserstrahl oder mit Badetuch um die Hüften vorgetragen und zwar vom berühmten Tenor Fabio Armiliato als Giancarlo – das ist so toll wie Woody Allens Sentenzen als Jerry. Mit verächtlichem Blick auf seinen mediterranen Schwiegersohn – „Euro-Trash!“ – bemerkt er: „Ich hätte nie Kommunist sein können – ich wollte das Bad nicht teilen.“ Die holprigen Begegnungen des versnobten Jerry mit den Italienern – seine Frau (Judy Davis) ist kaum geschmeidiger – und die Geschichte der Tochter und ihres Liebsten hätten allein schon den Film getragen. Aber es gibt in „To Rome with Love“ viele Paare, ältere und junge, und über all den Verwirrungen und gegenseitigen Spiegelungen ermüdet man als Zuschauer dann doch ein wenig.

Ewiges Alter Ego

Aber Penelope Cruz und Roberto Benigni rütteln einen wach. Dem italienischen Star insbesondere gehört der heimliche böse Höhepunkt dieser Komödie: eine tolle Mediensatire, die nicht nur angerissen, sondern in kurzen Szenen klar ausgeführt wird. Leopoldo (Benigni) ist nur ein kleiner Wicht, aus völlig willkürlichen Gründen wird er jedoch für kurze Zeit aus heiterem Himmel berühmt. Wie nun jeder Furz dieses Mannes vor der Kamera zum Ereignisgewitter aufgeblasen wird – das verleiht dem Film plötzlich eine Konzentration und Prägnanz, die man anderswo vermisst. Macht aber nichts. Es ist immer noch ein echter Woody Allen, und das sogar mit Woody Allen als Schauspieler. Wie toll der doch immer noch ist in der Verkörperung seiner ewigen Alter Egos! Und mit EF Windsor Light Condensed im Vorspann.

To Rome with Love USA 2012. Drehbuch & Regie: Woody Allen, Kamera: Darius Khondji, Darsteller: Woody Allen, Alec Baldwin, Roberto Benigni, Penélope Cruz, Judy Davis u.a.; 110 Minuten, Farbe. FSK o.A.

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