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Mit Marilyn (Michelle Williams) in der Badewanne.
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Mit Marilyn (Michelle Williams) in der Badewanne.

Filmkritik „My Week With Marilyn“

Eine Woche mit Marilyn Monroe

  • Daniel Kothenschulte
    VonDaniel Kothenschulte
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Nach ihrem Tod vor fünfzig Jahren, am 5. August 1962, erscheint mit „My Week With Marilyn“ endlich ein kluger Spielfilm über die Monroe: Besonders Darstellerin Michelle Williams überzeugt mit ihrer Interpretation der Diva.

Nach ihrem Tod vor fünfzig Jahren, am 5. August 1962, erscheint mit „My Week With Marilyn“ endlich ein kluger Spielfilm über die Monroe: Besonders Darstellerin Michelle Williams überzeugt mit ihrer Interpretation der Diva.

Auch im fünfzigsten Jahr seit ihrem Tod am 5. August 1962 will der Mythos um Marilyn Monroe einfach nicht verblassen. Unzählige Nachfolgerinnen wurden auserkoren und wieder vergessen. Und selbst wenn es noch einmal eine Schauspielerin mit ihrer Ausstrahlung gäbe, eine, die mit einem Augenaufschlag Natürlichkeit in Glamour verwandeln könnte, würde das wohl wenig ändern. Denn die mediale Geburt dieser Venus ist untrennbar von den Glücksversprechen der Fünfzigerjahre verbunden, als die Sehnsucht nach sexueller Befreiung bereits in allen Köpfen loderte.

Was die meisten Männerköpfe anbelangt, war Marilyn wohl dabei das Streichholz. Und wem später Zweifel kamen an all der Sorglosigkeit der gewonnenen Freiheit, der blickte zurück zu ihrem traurigen Tod und all den enttäuschten Glücksversprechen ihres kurzen Lebens. Da war sie dann nicht mehr das Streichholz. Sondern die Kerze im Wind.

Die Kunst der Michelle Williams

„My Week with Marilyn“ ist die Verfilmung des Tagebuchs eines damals 23-jährigen Engländers, der das Glück hatte, sich 1956 persönlich von der Diva entflammen zu lassen. Zu wenig, um daran zu verbrennen, gerade genug für eine warme Erinnerung. Als zusätzlicher Regieassistent des großen Laurence Olivier war er Teil des Filmteams von „Der Prinz und die Tänzerin“. Clarks gedruckte Erinnerungen schmücken nichts aus, sie sind von anrührender Ehrlichkeit (Colin Clark: Meine Woche mit Marilyn.Schirmer/Mosel, 223 S., 17,80 Euro).

Überraschenderweise folgt ihnen Simon Curtis’ kleiner BBC-Film, der es bis ins vorderste Oscar-Rennen schaffte, darin in bewundernswerter Weise. Weniger spekulativ könnte man den 50. Todestag der Monroe kaum begehen, was vor allem an ihrer Darstellerin Michelle Williams liegt. Es ist einfach, den Vamp zu imitieren, doch die entscheidende Frage ist: Wie kam diese Erscheinung überhaupt zustande? Wie hart wurde an ihr gearbeitet?

Marilyn Monroe konnte in jeder Wochenschau unwiderstehlich wirken, dazu brauchte sie keinen Regisseur. Hier aber geht es um jenen Teil ihrer Wirkung, den man noch heute gerne vernachlässigt, wenn vom angeblichen Wunder Marilyn die Rede ist: Ihre Kunst, die Schauspielerei.

Nächste Seite: Monroe mal nicht als Opfer

Wie viele modern eingestellte Schauspieler ihrer Generation war sie dem Beispiel Marlon Brandos und James Deans gefolgt und belegte Kurse am Actor’s Studio, der berühmten Lee-Strasberg-Schule. Paula Strasberg, die Ehefrau des Leiters, begleitete Marilyn als Privatlehrerin zeitweilig rund um die Uhr. Auch Laurence Olivier, der der modernen Methode kritisch gegenüber stand, musste ihre Gegenwart auf seinem Filmset ertragen. Das schmälerte seine Autorität, und nach gängiger Lesart der Marylin-Saga gebührte ihm hier die Schurkenrolle. Seine Verkörperung durch Kenneth Branagh jedoch begegnet der Rolle auch mit Sympathie. Branagh besitzt das nötige Einfühlungsvermögen, um zu zeigen, wie verletzlich gerade die Allergrößten in diesem Beruf werden, wenn sie einen Kontrollverlust befürchten.

Auch andere Männer verloren ihre Kontrolle in Marilyns Gegenwart. Colin Clark, aus dessen Augen wir diese Geschichte sehen, erlebt den Augenblick der Verführung mit offenen Augen. Er ist abenteuerlustig genug, zu genießen, wie sich Marilyn entschließt, ihn zu ihrem Liebling zu küren – wenigstens während der Abwesenheit ihres Ehemanns Arthur Miller. Und doch auch ehrlich genug, nicht zu prahlen mit der kostbaren Privatheit an wenigen romantischen Nachmittagen. Anders als andere spätere Marilyn-Biographen vermeidet er jeden Anstrich von heroischem Verführertum.

Monroe nicht in der Opferrolle

Ebenso wenig legen er und der Regisseur Curtis Marilyn Monroe auf die übliche Opferrolle fest. Sie zeigen eine Frau, die hart an sich arbeitet, von Unsicherheit in ihrem Beruf fast zerfressen wird, aber eine Sache spielerisch versteht: Sich Männer nutzbar zu machen. Keine Frage, dieser jüngere Mann ist ihr überaus sympathisch. Doch mit der Nebenfigur eines anderen willigen Helfers zeigt die Geschichte auch die Kurzlebigkeit solcher Gunstbezeugungen: Milton H. Greene, der Fotograf einiger der berühmtesten Monroe-Portraits, war damals ihr Geschäftspartner bei einer glücklosen Produktionsgesellschaft. Auf dem Filmset von „Der Prinz und die Tänzerin“ gebärdet sich der gefallene Günstling in dieser Geschichte als hilfloser Aufpasser – und Marilyn macht es sichtlich Freude, ihre männliche Gouvernante bei jeder Gelegenheit auszutricksen.

Man hat schon viele weit aufwändigere Filmbiografien scheitern sehen, aber die wenigen, die gelingen, machen es meist wie dieser liebenswerte Film: Sie beschränken sich auf eine überschaubare Episode, die sie mit aller Genauigkeit ausloten. So gelangen Filme wie das Schriftstellerporträt „Capote“ oder „I Walk the Line“ über Johnny Cash. Der Trick ist eine gewisse Demut, und gerade Michelle Williams hat ihn raus: Es ist unmöglich, die Monroe mit den eigenen Waffen zu schlagen. Wäre es möglich, der Mythos Marilyn wäre lange verblasst.

My Week with Marilyn GB/USA 2011. Regie: Simon Curtis. Mit Michelle Williams, Kenneth Branagh, Eddie Redmayne, Julia Ormond. 99 Min.

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