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Nach dem Match ist vor dem Match, Hauptsache, man sieht immer gut aus.
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Nach dem Match ist vor dem Match, Hauptsache, man sieht immer gut aus.

Football-Film

Eine rechte Gerade für die Freundschaft

George Clooney feiert in seiner eleganten Sportkomödie "Ein verlockendes Spiel" erneut die gute alte Zeit des Films. Von Michael Kohler

Von xxmk

So ändern sich die Zeiten: Nach einem triumphalen Sieg seiner College-Mannschaft wird der studentische Football-Held zu seinen Zukunftsplänen befragt. Ein Reporter schlägt vor, er könne doch jetzt in die Profiliga wechseln, und sorgt damit nach einem Moment ungläubigen Staunens für schallendes Gelächter.

Im Gegenschnitt macht uns George Clooney mit der ganzen Absurdität dieses Vorschlags vertraut: Mitte der 1920er Jahre mögen die Massen einem als Kriegsheld heimgekehrten Studenten zujubeln, den Berufsathleten der Duluth Bulldogs schauen gerade einmal eine Handvoll trauriger Gestalten zu.

Das Spielfeld ähnelt einem Rübenacker, die Tribünen sind ein besserer Bretterverschlag, und zu allem Überfluss passen die beiden Mannschaften mit ihren Leistungen nahtlos in diese triste Umgebung. Schließlich wird die Begegnung vorzeitig, aber standesgemäß entschieden: Ein Junge nimmt mit dem einzigen Ball Reißaus und führt die Disqualifikation der Heim-Mannschaft herbei.

In den ersten Minuten spricht Clooneys elegante Sportkomödie ihrem deutschen Titel mit besonderem Vergnügen Hohn: "Ein verlockendes Spiel" ist in dieser Schlammschlacht schwerlich zu erkennen, doch wird der Regisseur und Hauptdarsteller am Ende gerade das Ungehobelte und Anarchistische als guten Kern des American Football beschwören.

Mit dem Profisport von heute haben die Duluth Bulldogs lediglich das Spielgerät gemein. Regeln gibt es zwar, aber nur, um auf dem Spielfeld zum eigenen Vorteil ausgelegt zu werden. Mit fairen Mitteln zu gewinnen, bedeutet in dieser Welt ehrlicher Gauner, seinen Gegner nicht für voll zu nehmen.

Das größte Schlitzohr spielt natürlich Clooney selbst. Nach jedem Match diktiert sein Dodge Connelly einem loyalen Sportreporter heroische Spielberichte in die Feder, er hütet die schmutzigen Tricks wie einen Schatz und hat auch eine Lösung, als den Mannschaften das Geld ausgeht.

Was das Spiel braucht, sind echte Helden, und so überredet Connelly den College-Star Carter Rutherford, sich seiner Mannschaft anzuschließen. Der Erfolg dieser Verpflichtung ist so durchschlagend, dass Rutherfords tatsächliche oder erfundene Weltkriegs-Heldentaten auch eine rasende Reporterin (Renée Zellweger)aus der Großstadt interessieren.

Der Schauspieler George Clooney wird gerne als letzter Filmstar der alten Schule bezeichnet. Allmählich lässt sich dasselbe auch über den Regisseur gleichen Namens sagen. Wie in "Confessions of a Dangerous Mind" und "Good Night and Good Luck" thematisiert Clooney erneut die Mechanismen der medialen Scheinwelt - und zwar aus der Perspektive der guten alten Zeit des Films.

Die Dialoge sind im Tempo einer Howard Hawks-Komödie geschrieben, die Liebesszenen bestürzend züchtig, und das geliehene Heldentum des Kriegs-Heimkehrers Rutherford erinnert sicher nicht zufällig an Preston Sturges' Screwball-Comedy "Hail the Conquering Hero".

In seiner Begeisterung fürs klassische Hollywood-Kino lässt Clooney kaum ein Komödien-Klischee früherer Tage aus und verpflichtet seinen großartigen Kameramann Thomas Sigel sogar darauf, nicht allzu sehr über die technischen Möglichkeiten seiner Vorbilder hinauszuschießen.

Wer also Freude daran hat, dass sich alte Kriegskumpane während einer Barprügelei nach Jahren wieder treffen und einander zwischen zwei rechten Geraden selig in die Arme fallen, kommt hier allemal auf seine Kosten.

Auf den bewährten Clooney-Charme ist ohnehin Verlass, ebenso auf Clooneys Mischung aus politischen Untertönen und scheinbar unbeschwerter Unterhaltung. In nostalgischen Erinnerungen zu schwelgen, ist bei ihm stets auch ein stiller Vorwurf an die Gegenwart.

Ein verlockendes Spiel, Regie: George Clooney, USA 2008, 114 Minuten.

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