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Zwei ungleiche Freunde und clevere Verkäufer: Jonah Hill (l.) und Miles Teller in „War Dogs“.

„War Dogs“

Eine aberwitzige Kriegssatire

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„Hangover“-Regisseur Todd Phillips ist eine aberwitzige Kriegssatire über das Amerika George W. Bushs gelungen: „War Dogs“ erzählt davon, wie grauenhaft einfach es sein kann, mit Waffen zu handeln.

Der Weg von der Schenkelklopf-Komödie zur bissigen Politsatire ist manchmal nicht weiter als der von „Hangover“ zu „War Dogs“. Nach seiner dritten, wirklich nicht mehr sehr komischen, männerbündischen Absturzorgie muss den Filmemacher Todd Phillips selbst eine Art Katerstimmung befallen haben. Drei Jahre Pause reichten aus, um die klamottige Routine mit jenem Quäntchen Wahrheit aufzufrischen, mit dem Hollywood, wenn es denn einmal politisch sein will, immer wieder überraschen kann. Und siehe da, sehr viel zu ändern braucht man eigentlich gar nicht, um von einer durchzechten Nacht in den ausgedehnten Wahnsinn von Dick Cheneys Kriegsführung überzublenden.

Zwei nicht ganz coole und auch nicht mehr ganz junge Männer reichen diesmal aus, um die Komödienformel zu bedienen. Miles Teller und Jonah Hill spielen diese ungleichen Freunde und Verkäufertypen, die ihrer Regierung das verkaufen, wofür sie am liebsten Geld ausgibt: Kriegswaffen. Um die Gunst der Stunde richtig einzuschätzen und zu Kriegsgewinnlern zu werden, brauchen die beiden „Mutter Courage“ nicht gelesen zu haben. Nicht einmal die Gebrauchsanweisungen ihrer Ware dürften sie eigentlich kennen. Und niemand wird sie danach fragen: Um zu einem der größten Waffenhändler der US-Regierung aufzusteigen, braucht es offensichtlich keinen Waffenschein.

In einer Vorgeschichte, die so konfektioniert ist, dass sie nicht mehr erzählt zu werden braucht, müssen die beiden wohl in der Highschool unzertrennlich gewesen sein. Interessant zu wissen, dass es die Typen wirklich gibt, bekannt genug kommen sie einem ja vor. Auch wenn vieles dazugedichtet wurde, um sie in die Form zweier kinotypischer Glücksritter zu gießen.

Der von Teller gespielte David Packouz ist der rechtschaffene, aber viel zu schüchterne Typ, sein Kumpel Efraim Diveroli, gespielt vom wuchtigen Hill, das genaue Gegenteil: ein Großmaul, das die Kundschaft überfährt, wenn sie nicht bei drei auf den Bäumen ist. Und willigere Kundschaft als das Pentagon kann es im Jahr 2005 kaum gegeben haben.

In einer historischen Verzahnung von rechtsfreier Kriegsführung und enthemmter Ressourcenverschwendung entstand der perfekte Nährboden für Korruption. Die Privatisierung weiter Teile des Militärs machte es möglich, dass die Regierung Waffen von jedem kaufte, der sie liefern konnte. Der also das bisschen Logistik beherrschte, das nötig ist, um veraltete Waffen aus Südostasien oder Osteuropa im Internet zu kaufen und anschließend die Angebote der Mitbewerber zu unterbieten. Packouz und Diveroli scheffelten so Millionen, auch wenn es wohl sehr viel mehr hätte sein können mit etwas mehr Grips im Kopf: In einer schönen Szene offenbart ihnen ein sichtlich beglückter Regierungsbeamter, dass er auch fünfzig Millionen mehr für einen Deal ausgegeben hätte. Doch wie das Sprichwort lautet: erst mal haben ein Gewehr.

Es reicht nicht, in China das Gewünschte zu bekommen, wenn von dort nichts importiert werden darf; ganze Lagerhallen müssen angemietet werden, zahllose Arbeiter beschäftigt, um Kalaschnikow-Munition von einer chinesisch bedruckten Kiste in eine neutrale umzupacken.

Die Geschichte ist verbürgt: Für ihren 300-Millionen-Dollar-Auftrag nahmen die Vorbilder dieser Geschichte, die durch eine Reportage im „Rolling Stone“ bekannt wurden, diese Mühen in Kauf. Ob sie darüber hinaus, wie der Film durchaus glaubwürdig ausspinnt, eine Lastwagenladung Handfeuerwaffen von Jordanien höchstpersönlich in den Irak beförderten, ist nicht bekannt. Verändert wurde unter anderem die Identität ihres Finanziers: Aus einem mormonischen Geschäftsmann in Utah machte Phillips einen jüdischen Staubsaugervertreter; ein Klischee, das in den USA übrigens kaum als antisemitisch kritisiert wird.

Der moralische Konsens dieses Films ist doppelbödig: Einerseits lebt die Geschichte von der „Tellerwäscher-zum-Millionär“-Formel und lässt das Publikum Anteil nehmen am Erfolg der Helden. Dass er sie mit Mordwaffen aus dubiosen Kreisen ihre Millionen scheffeln lässt, erscheint als legitime Konsequenz einer zutiefst unmoralischen Staatsdoktrin.

„Ich hasse den Krieg ja auch“, lässt Phillips den Drahtzieher der Geschäfte, den windigen Diveroli, einmal sagen. Der Geschäftssinn, den Phillips’ Film hier in sarkastischer Überzeichnung feiert, ist untrennbar vom noch immer enthemmten, amoralischen Wall-Street-Kapitalismus. Getragen auf dieser ewigen, systemimmanenten Emphase kann Phillips seine unmoralischen Helden auch ohne große Blessuren davonkommen lassen. Denn was er anklagt, ist nicht ihr Geschäftssinn, sondern eine als historisch empfundene Epoche politischer Verirrung – die zweite Amtszeit von George W. Bush.

Dass dieser Film also auf dem Höhepunkt des Präsidentschaftswahlkampfs in die Kinos kommt, ist kaum ein Zufall. Schon wieder scheint der Irrsinn zum Greifen nah. Wenn Jonah Hill als Diveroli ausruft. „Gott schütze Dick Cheneys Amerika!“, könnte es bald heißen: „Gott schütze Donald Trump!“ Soll heißen: Gott bewahre …

War Dogs. USA 2016. Regie: Todd Phillips. 114 Min.

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