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Eine Maske führt noch nicht zu einem vielschichtigen Drama.
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Eine Maske führt noch nicht zu einem vielschichtigen Drama.

"Der gute Bulle", ZDF

Der eindeutige Fall

Das ZDF zeigt Lars Beckers übersichtlichen Film "Der gute Bulle".

Die Umstände können verwickelt, die Menschen aber von verblüffender Geradlinigkeit sein und sogar auch eindeutig uneindeutig. In Kriminalgeschichten ist das zuweilen das Mittel der Wahl, so jetzt in Lars Beckers rustikalem Film „Der gute Bulle“, der den Schauspieler Armin Rohde liebevoll, aber auch schnörkellos in Szene setzt. Schulz ist sein Name, und am Anfang sieht man ihn, wie er zum wiederholten Male versucht, sich unter Zuhilfenahme von Alkohol im Meer zu ertränken. Das klappt nicht.

Tragisches liegt hinter ihm, und während man noch denkt, das sei alles doch etwas unwahrscheinlich, begibt sich Schulz schon wieder an die Arbeit und verschwindet der Charaktertyp Rohde hinter einem Mann, der weit mehr zielgerichtet als mit sich selbst beschäftigt ist. Das mag grobkörnig sein, wirkt aber doch verlockend. Die Komplexität menschlicher Psyche wird manchmal womöglich überschätzt.

Bereits zum dritten Mal ist vor einer Berliner Eisdiele, betrieben von einem beliebten und extrem vertrauenswürdigen Nebendarsteller, ein Kind verschwunden. Die bisherige Erfolglosigkeit, die u. a. zu Schulzes Suspendierung führte, hindert Schulz nicht daran, der dritten verzweifelten Mutter (Melika Foroutan, mehr entschlossen als verzweifelt) zu versprechen, ihre Tochter wiederzufinden. Im Gedenken an große Kriminalgeschichten kann man hier noch zusammenzucken. „Der gute Bulle“ nimmt dann aber doch eine andere Richtung. 

Symbolisch für den bodenständigen Umgang miteinander ist das bald grassierende Duzen zwischen Freund und Feind. Symbolisch für die Schattenseiten der Geradlinigkeit sind völlig verschenkte Nebenrollen wie die der Mutter des möglichen Täters, von Gaby Dohm gewissermaßen neutral dargeboten. Darin eine Charakterstudie der Verdrängung zu sehen, wäre zwar zweckdienlich, fällt aber im konkreten Fall schwer. 

Überhaupt tritt, während Becker uns schon einen entscheidenden Tipp gibt, welches Spiel hier gespielt wird, die Freude des Autors und Regisseurs am direkten Vorgehen immer deutlicher zutage. Umso interessanter, als sich Becker wenig für die Umgebung interessiert. Seine Inszenierung wirft alles auf das Personal. 

Der an sich schön schräg in die Handlung verwickelte Thomas Heinze ist wie immer eine Sphinx, aber selbst eine Sphinx kann eine eindeutige Rolle sein, wie hier zu sehen ist. Der mögliche Täter, ein Pädophiler namens Bischoff (!), ist Axel Prahl und genießt sein Bösesein derart fundamental, dass dem Zuschauer nichts anderes übrig bleibt, als misstrauisch zu werden. Dazu ist dann aber kein Grund. 

Von der polizeilichen Seite verhält es sich ähnlich mit Schulzens abscheulichem Kollegen, der von Thomas Lawinky auch ganz abscheulich gespielt wird. Lawinky ist ein Schauspieler, dem sich all jene, die 2006 in der Frankfurter Schmidtstraße die so genannte „Spiralblock-Affäre“ erlebten, auf gewisse Weise verbunden fühlen werden. Die unglaublich peinliche Authentizität der damaligen zwei Minuten wird in dieser bald herzlich schablonenhaften Unsympathen-Rolle natürlich nicht erreicht. 

Die Dinge sind aber, wie sie aussehen. Als Krimi bewegt sich „Der gute Bulle“ zwischen der Übersichtlichkeit einer Vorabendserie und einem herben Action-Drama. Das Finale, das seinesgleichen nicht sucht, aber andauernd findet, sagt dann der immer noch möglichen Abgründigkeit Ade und schlägt sich komplett auf die erstere Seite, die der totalen Übersichtlichkeit.

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