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1971: Festspielleiter Alfred Bauer empfängt Shirley MacLaine auf dem Flughafen Tempelhof.

Ex-Berlinale-Leiter

„Ein eifriger SA-Mann“

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Warum ist dem nie jemand nachgegangen? Die Berlinale steht vor einem Skandal um den langjährigen Festival-Chef Alfred Bauer.

Ein Foto aus den 70er Jahren zeigt vier der bis dahin maßgeblichen Berlinale-Granden in trauter Runde vereint. Der langjährige Festival-Chef Moritz de Hadeln steht neben seinem Vorgänger Wolf Donner, der die Filmfestspiele wegen der Konkurrenz mit Cannes und Venedig vom Sommer in den Winter verlegte. Mit dabei ist auch Ulrich Gregor, der Gründer des zunächst als eine Art Gegenfestival ins Leben gerufenen Internationalen Forums. Sie alle lachen gemeinsam mit Alfred Bauer (1911–1986), der dem Festival zwischen 1951 und 1976 seinen Stempel aufgedrückt hat.

Das Foto erschien 2001 im Berliner Nicolai-Verlag in einer von dem Filmhistoriker Wolfgang Jacobsen herausgegebenen Chronik anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Berlinale. Darin enthalten sind auch Hinweise auf Alfred Bauers beruflichen Werdegang. Demnach gehörte der 1911 geborene Filmhistoriker und Jurist nach einer Promotion über Filmrecht im Jahre 1938 der Reichsfilmkammer an und war dort zuständig für den Einsatz von Regisseuren, Schauspielern und Kameraleuten in Filmproduktionen und hatte auch Einfluss darauf, wer vom Kriegseinsatz freigestellt wurde oder an die Front musste.

Dass er ganz unmittelbar der Reichsfilmintendanz angehörte und dabei wohl eng an Propagandaminister Joseph Goebbels angebunden war, geht nun aus Dokumenten hervor, die die Wochenzeitung „Die Zeit“ für einen Beitrag in ihrer aktuellen Ausgabe auf Hinweise eines Privatforschers zusammengetragen hat. Demnach sei es Bauer in der Nachkriegszeit gelungen, seine Biografie zu schönen und seine tiefe Verstrickung mit dem NS-Apparat herunterzuspielen. Vielmehr sei Bauer, so legt der Beitrag in der „Zeit“ nahe, „ein eifriger SA-Mann“ gewesen.

Wie es aussieht, steht der neuen Berlinale-Leitung unter Carlo Chatrian und Marietta Rissenbeek, die soeben der Presse ihr erstes Programm vorgestellt haben, kurz vor Beginn des Festivals ein handfester historischer Skandal ins Haus. Zumindest stellt sich die Frage, warum die Biografie Bauers trotz der keineswegs verborgenen Nähe zum NS-Regime nicht genauer untersucht worden ist. Seit 1987 wird in seinem Namen ein Silberner Bär für neue Perspektiven der Filmkunst verliehen. In diesem Jahr, teilte eine Berlinale-Sprecherin nun mit, werde der Alfred-Bauer-Preis nicht vergeben. Eine herausgehobene Position Bauers im Nationalsozialismus sei dem Festival bislang nicht bekannt gewesen.

Erste Konsequenzen im Fall Bauer haben am Mittwochabend auch die Deutsche Kinemathek, der Bebra-Verlag und die Ernst-Reuter-Stiftung gezogen. Sie haben vorerst eine geplante gemeinsame Veröffentlichung über Alfred Bauer im Rahmen der Ernst-Reuter-Hefte verschoben. Der „Zeit“-Artikel, heißt es in einer Mitteilung, habe sie dazu veranlasst, die auch in der geplanten Publikation bereits herangezogenen Dokumente mit weiteren Quellen für eine vertiefte Bewertung heranzuziehen. Derer Ergebnisse sollen weiterhin in der Reihe der „Ernst-Reuter-Hefte“ erscheinen.

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