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Eher unwahrscheinlich

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Carla Temme würde niemals ohne Handzeichen abbiegen.
Carla Temme würde niemals ohne Handzeichen abbiegen. © ARD/Michael Böhme

Die ARD-Serie „Frau Temme sucht das Glück“ bleibt hinter ihren Möglichkeiten. Obwohl die Frage, wie wahrscheinlich es ist, von einem herabstürzenden Tier erschlagen zu werden, schon interessant ist.

In arg argloser Dienstagabend-ARD-Serien-Laune flattert Carla Temme jetzt erstmals durch „Frau Temme sucht das Glück“. Einerseits ist alles wie üblich. Frau Temme, Meike Droste (die wackere Polizeimeisterin aus „Mord mit Aussicht“), führt das durchschnittliche Leben von Vorabendheldinnen und gewitzt und altklug Buch über ihre gemäßigten Abenteuer. Auch wünschen sich Comedy-Hasser sofort acht Bürowitze und zwei aufgekratzte Schwester-Szenen weniger, und am wenigsten leiden kann der Comedy-Hasser die routinierte Melancholie, mit der er sich bei Bedarf ausreichend in Gregs Tagebüchern versorgen kann.

Aber dann soll Carla Temme einen Mann versichern, der Angst hat, von einem gefrorenen Hähnchen erschlagen zu werden. Das ist immerhin eigenartig. Die Idee stammt von einem neuen Mitarbeiter der Rheinischen Versicherung, der frischen Wind in die wankende Firma bringen soll (Sebastian Schwarz als Smartling). Carla Temme, die die Risikoanalysen schreibt, ist empört. Ihr Kollege (Ronald Kukulies) ist ebenfalls empört. Ihr Chef ist etwas weniger empört. Er sieht das Potenzial. Der Chef ist Martin Brambach mit neuer, fülliger Frisur, und wie immer wird es ernst und skurril um ihn her. In der ersten Folge fuhrwerkt er aufgekratzt umher, in der zweiten wird langsam klar, dass er ziemliche Probleme hat.

„Frau Temme sucht das Glück“, geschrieben von Benedikt Gollhardt und Dietmar Jacobs, inszeniert von Fabian Möhrke – unter mehr Frauenbeteiligung wären die Unter-Frauen-Szenen womöglich eine Spur origineller geworden, aber sicher ist das nicht –, spielt in einer uns persönlich unbekannten Gegenwart. Sie ist spießig, aber auch gemütlich, vertraut allein aus Serien-Krankenhäusern und Serien-Anwaltskanzleien. In Folge 2 wird es darum gehen, die Treue eines Zukünftigen zu versichern. Carla Temmes Schwester (Anna Blomeier) macht sogleich den Test. Sascha Nathan vom Schauspiel Frankfurt wird sich als zwielichtiger Anwalt seine Zigarren gegen Brandschäden versichern lassen. Leider schaltet der Chef nicht seine deutlich besser sortierten Mitarbeiter ein und bedenkt nicht, dass es das Schicksal der Zigarre ist, über kurz oder lang herunterzubrennen. Sascha Nathan lacht diabolisch. Jau, die Herrschaften von der Rheinischen sind dümmer, als die Polizei erlaubt. Man geniert sich, aber die Schauspieler machen trotzdem Spaß.

Carla Temme selbst geht kein Risiko ein, es zeigt sich allerdings bereits in den ersten Folgen, dass auch ihre ethisch, moralisch, stochastisch gerechtfertigen Schüsse nach hinten losgehen können.

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