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Dwayne Johnson als „Black Adam“ im Kino: Der Geist aus der Flasche

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Von: Daniel Kothenschulte

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Comichelden im neuen Blockbuster „Black Adam“ – Dwayne Johnson ist die einzige Attraktion im missglückten Film

Frankfurt – Das Blockbuster-Kino, das derzeit meist zugleich ein Comichelden-Kino ist, hat selbst schon heldenhafte Zeiten erlebt. Immer wieder waren es einige wenige Großproduktionen, die mit gewaltigen Publikumszahlen durch schlimme Kinokrisen halfen.

Am Anfang stand die Formel von Steven Spielbergs „Der weiße Hai“: Warum nicht einmal ein B-Picture richtig teuer und kunstvoll machen? Es dauerte, bis sich aus etwas ungelenken Versuchen wie Richard Donners erstem „Superman“ oder „Flash Gordon“ von Mike Hodges schließlich Comic-Verfilmungen als das verlässlichste Blockbuster-Genre etablierten: Tim Burtons erstem „Batman“ gebührt diese Ehre.

Dwayne Johnson als Black Adam.
Dwayne Johnson als Black Adam. © dpa

Große Erwartungen auf Kinofilm „Black Adam“

Auch auf „Black Adam“, die Geschichte der Held-Werdung der gleichnamigen DC-Figur, liegen in der aktuellen Kinokrise große Erwartungen. Einen durchschlagenden Erfolg könnte man gebrauchen. Kaum ein weiterer aufwendiger Kinofilm traut sich in dieser Startwoche in die Nähe des von Dwayne Johnson gespielten Haudegens aus dem antiken Nahen Osten.

Auch der Film selbst hat eine lange Vorgeschichte. Bereits seit 2007 wird Johnson in dieser Rolle angekündigt, und als 2021 endlich gedreht wurde, war schnell klar, dass eine Veröffentlichung sich erst nach den Corona-Beschränkungen lohnen würde. Die Wartezeit kann allerdings nicht erklären, wie verstaubt sich diese Ausgrabung aus dem Comic-Museum anfühlt.

Es beginnt mit einer Rückblende ins versunkene Königreich Kahndaq, wo ein despotischer Herrscher sein versklavtes Volk nach einem wundertätigen Mineral graben lässt. Wer es findet, wird zum Dank von der Klippe des Steinbruchs gestürzt. Es ist nur ein schwacher Trost, dass es sich beim Heer der Schuftenden lediglich um digitale Animationen der vorletzten Softwaregeneration handelt. Eine äußerst unelegante Krone wird der Despot schließlich schmieden – und damit späteren Generationen potentieller Weltherrscher ein Objekt der Begierde hinterlassen.

Black Adam

USA 2022, 125 Minuten, Regie: Jaume Collet-Serra

„Black Adam“ gleicht Flaschengeist und versucht es gar nicht erst mit Freundlichkeit

Es gab einmal eine Zeit, da diskutierte man ernsthaft, zur Abwechslung einmal auf Pistolen in den sogenannten „kids & guns movies“ der Tarantino-Schule zu verzichten. Ähnlich sollte man es einmal mit den wundertätigen Artefakten in Fantasy-Blockbustern versuchen.

In den ursprünglichen Comics ist Black Adam unter seinem eigentlichen Namen Teth-Adam ein Schurke im alten Ägypten; später wurde sein Herkunftsort als das geographisch ähnliche Fantasiereich Khandaq definiert. Hier wie dort ist die Besetzung eines weißen Amerikaners in dieser Rolle eigentlich ein Tabu. Als aufrührerischer Sklave wird er aus nicht ganz einsichtigen Gründen vom Zauberer Shazam eingesperrt.

RolleDarsteller:in
Teth-Adam alias Black AdamDwayne Johnson
HawkmanAldis Hodge
Doctor FatePierce Brosnan
ArchäologinSarah Shahi
Atom SmasherNoah Centineo
CycloneQuintessa Swindell

Tatsächlich gleicht der muskulöse, kahlköpfige Johnson in seiner Rolle verblüffend dem Flaschengeist im Klassiker „Der Dieb von Bagdad“. Auch der ließ sich nach Erfüllung dreier Wünsche von niemandem mehr etwas sagen, doch der einsilbige „Teth-Adam“ versucht es gar nicht erst mit Freundlichkeit.

Das qualifiziert ihn für den bärbeißigen Umgangston unter den zusammengewürfelten Superhelden der „Justice Society of America“. Gut 3000 Jahre nach der Vorgeschichte versetzt ihn eine neugierige Archäologin (Sarah Shahi) durch das Aussprechen des Zauberworts „Shazam“ in die Gegenwart. Das ruft eine höchst offizielle amerikanische Superhelden-Truppe auf den Plan. Offenbar stehen Kollegen aus islamischen Staaten gleich unter Terrorverdacht ...

„Black Adam“ ist Film, als hätten ihn Hollywoods Küchenhilfen zusammengerührt

Auch wenn der formelhafte Film alles daran setzt, dass wir seine Figuren mit den Marvel-Avengers verwechseln, unterscheiden sie sich doch ein wenig. Es gehören dazu: der mal riesige, mal winzige Atom Smasher (Noah Centineo), der geflügelte Hawkman (Aldis Hodge), Zauberer Doctor Fate und Wetterhexe Cyclone (Quintessa Swindell). Wie sich herausstellt, haben sie einen gemeinsamen Feind im gierigen Nachkommen des antikischen Herrschers. Nach anfänglichen Raufereien arrangiert man sich – bis der mürrische Dschinn aus Tausendundeiner Nacht sogar seinen Namen in „Black Adam“ anglifiziert.

Überflüssig zu sagen, dass politische Anspielungen auf die Gegenwart so wenig zünden, wie die für den massiven Star so typischen One-Liner. Dennoch ist seine Präsenz ein gewisser Fels in der digitalen Brandung und wohl die einzige Attraktion eines Films, der aussieht, als hätten ihn Hollywoods Küchenhilfen zusammengerührt. So betrachten wir gelangweilt Dwayne Johnson und kommen auf eine andere Filmrolle, die er besser spielen könnte als jeder andere. Die Oscar-Statuette. So fern sie ihm bei seiner derzeitigen Rollenwahl auch bleibt. (Daniel Kothenschulte)

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