Im ZDF-Talk bei Dunja Hayali ließ Franziska Giffey viele Fragen offen.
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Im ZDF-Talk bei Dunja Hayali ließ Franziska Giffey viele Fragen offen.

Thema Corona

ZDF-Talk von Dunja Hayali: Franziska Giffey ist eine glatte Fehlbesetzung

Dunja Hayali spricht im ZDFdonnerstalk über „Corona: Unvorbereitet ins neue Schuljahr?“ und „Kinder in Not – wie Familien unter der Coronazeit leiden.“

  • Dunja Hayali diskutiert in ihrem ZDF-Talk über die Corona-Krise
  • Es geht um die Themen „Corona: Unvorbereitet ins neue Schuljahr?“ und „Kinder in Not – wie Familien unter der Coronazeit leiden.“
  • Thema bei Dunja Hayali ist außerdem das Versuchskonzert mit Tim Bendzko

Hayalis Gäste in der ersten Geprächsrunde des ZDF-Talks sind:

  • Gloria Boateng (Grundschullehrerin aus Hamburg)
  • Franziska Giffey (SPD-Bundesfamilienministerin)
  • Norman Heise (Berliner Landeselternausschuss)
  • Dazu kommt per Video-Schalte der Ministerpräsident des Saarlandes, Tobias Hans (CDU)

Zum zweiten ZDF-Talk begrüßt Dunja Hayali

  • Anika Ziemba (Kinderschutzfachkraft in einem Hamburger Frauenhaus)
  • Bernd Siggelkow (Gründer und Leiter des Kinderprojekts „Arche“)
  • und erneut Franziska Giffey.
  • Und als Zugabe gibt es noch ein 1:1-Interview mit dem Sänger Tim Bendzko über ein geplantes, wissenschaftlich begleitetes „Indoor-Versuchskonzert“ vor 4000 Zuschauern.

Im ZDF-Talk spricht Dunja Hayali über Schule während der Corona-Krise

Die Schulferien gehen langsam zu Ende. Während die Hälfte der 11 Millionen Schüler noch in den Startlöchern stehen, drängt der Rest in die Klassen, um endlich wieder „normalen“ Präsenzunterricht zu bekommen. Aber die Hürden sind unterschiedlich hoch in den Bundesländern: In NRW gilt die Maskenpflicht auch im Unterricht, in Hamburg nur außerhalb der Klassen.

„Wir üben den Blindflug“, bemängelt ein Schulleiter in einem der kurzen Einspielfilme im Interview mit Dunja Hayali. Ein weiteres verlorenes Schuljahr durch die Uneinheitlichkeit der Länder also?“ Franziska Giffey wiegelt gleich ab, wirbt für ein „gutes, punktuelles Reagieren der Länder.“ Und Tobias Hans antwortet auf Hayalis Frage, ob man die Sommerferien schlicht verschlafen habe, um Unterrichtskonzepte-Konzepte zu entwickeln, mit einem erstaunlich klaren: „Nein“. Man habe digitale Schulungsangebote für das Lehrpersonal angeboten, ihnen Schul-Email-Postfächer eingerichtet.

Gloria Boateng weiß da aus ihrer Hamburger Schule ganz andere Erfahrungen zu berichten: „Die digitalen Plattformen funktionierten schon vor Corona nicht, die Politik müsste endlich mal agieren, anstatt immer nur zu reagieren, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist.“

Ob es da neue Erkenntnisse, bzw. Beschlüsse vom gerade stattgefundenen Schulgipfel der Bundesregierung gibt, hakt Hayali bei Giffey nach, die sich ohne konkret zu werden, mit dem Wunsch nach einer besseren Steuerungs-Kultur des Bundes gegenüber den Ländern wachsweich herauswindet.

Dunja-Hayali-Talk im ZDF: Franziska Giffey - eine Fehlbesetzung in der Runde

Spätestens an diesem Punkt wird klar, dass Franziska Giffey in dieser Runde eine Fehlbesetzung ist. Eine für die Bildung zuständige Ministerin wäre möglicherweise besser auf dem Podium aufgehoben gewesen. Aber auch als Norman Heise und Gloria Boateng bemängeln, dass den Schulen die Hygiene-Konzepte erst zwei Tage vor Unterrichtsbeginn mitgeteilt wurden, dass keine Tests an den Schulen stattfinden und dass Gesundheitsämter Schüler, die wegen Ansteckungsgefahr nach Hause geschickt wurden, wieder in die Klassen zurückbeordert hätten, finden sie in der Gesprächsrunde keinen kompetenten Ansprechpartner.

Dafür versteigt sich Tobias Hans zu dem Allgemeinplatz, dass „die Gesellschaft die Aufgabe hat, die Bildung der Kinder zu schützen.“ Ein geradezu zynische Aussage vor dem Hintergrund, dass Deutschland in der (auch digitalen) Bildungspolitik im europäischen Vergleich seit Jahrzehnten hinterherhinkt.

Es bleiben viele Fragen offen, die Hoffnung nach endlich bundeseinheitlichen Regeln scheinen wieder einmal am unwürdigen und eitlen Kompetenzgerangel zwischen Bund und Ländern zu scheitern.

Dunja Hayali spricht im ZDF über „Kinder in Not – wie Familien unter der Coronazeit leiden“

Auch beim anschließenden Thema - „Kinder in Not – wie Familien unter der Coronazeit leiden“ - ist das Kind schon längst in den Brunnen gefallen, ehe man adäquat auf die Missstände reagiert. In heißes Wasser sogar, wie ein erschreckendes Beispiel zeigt, dass eine von häuslicher Gewalt betroffene Mutter Dunja Hayali erzählt: „Als ich meinen Partner gebeten habe, das Badewasser für unser Kind einzulassen, hat er einfach kochend heißes Wasser in die Wanne geschüttet und das Kind hineingesetzt.“

Ein besonders brutaler Fall, aber kein Einzelfall, wie Anika Ziemba, Kinderschutzfachkraft in einem Hamburger Frauenhaus, berichtet: „Während der Corona-Krise sind die Zahlen häuslicher Gewalt - auch europaweit - gestiegen. Jede dritte bis vierte Frau ist schon mal Opfer geworden. Und wir haben hierzulande täglich 40 Fälle von Kindesmissbrauch. Das zieht sich durch alle gesellschaftlichen Schichten“ .

Zur Sendung

Dunja Hayali: Corona: Unvorbereitet ins neue Schuljahr? Und: Kinder in Not – wie Familien unter der Coronazeit leiden, Mediathek

Genauso wie Bernd Siggelkow, Gründer und Leiter des Kinderprojekts „Arche“, sieht sie in Pandemie-Zeiten die eigenen vier Wände als den gefährlichsten Ort auf der Welt für die betroffenen Kinder und Frauen, wenn der Täter rund um die Uhr zu Hause ist.

15.000 Plätze fehlen ihrer Meinung nach in den Frauenhäusern und Anika Ziemba findet, an Franziska Giffey gewandt, das „Hin-und Hergeschiebe der Verantwortung zwischen Bund und Ländern, gelinde gesagt, ermüdend.

Und auf die konkrete Frage, warum die Bundesrepublik, die schon 2011 verabschiedete Istanbuler Konvention zur häuslichen Gewalt erst 2018 ratifiziert hat, muss Giffey kleinlaut gestehen, dass es bei der Umsetzung immer noch weiße Flecken in einzelnen Ländern gibt. Immerhin hat der Bund 120 Millionen zum Ausbau der Frauenhäuser bereitgestellt. Aber auch hier zeigt sich am Ende der Runde, dass in der Politik immer noch zu oft reagiert als agiert wird.

Dunja Hayali diskutiert mit Tim Bendzko über ein Versuchskonzert

Ob die Kultur das einen zukunftsweiserenden Weg einschlägt, diskutierte Dunja Hayali mit dem Sänger Tim Bendzko im Bonus-Programm der Talk-Show. „Alle gehen schwimmen, nur die Kunst geht baden“ stand auf einem Demo-Plakat zur Unterstützung der systemrelevanten Kultur. Um dies zu verhindern, nimmt er Ende August an einem wissenschaftlich begleiteten Indoor-Konzert in Leipzig mit bis zu 4000 Fans teil, dass mit einem strengen Hygiene-Konzept die Möglichkeiten testen soll, inwieweit Großveranstaltungen verantwortbar sind. „Und dabei geht es mir nicht um die Stars, sondern um die 99% hinter den Kulissen, die um ihre Existenz bangen müssen.“ Hoffen wir, dass das Experiment nicht nach hinten los geht ... (Rolf-Ruediger Hamacher)

In „Am Puls Deutschlands“ im ZDF ist die Flüchtlingspolitik das Thema - fünf Jahre nach Merkels „wir schaffen das".

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