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Dresden-Tatort „Totes Herz“ im Ersten: Schnabel ist schlecht gelaunt

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Von: Sylvia Staude

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Der Dresden-Tatort „Totes Herz“ ist nicht gerade in Top-Form: Die Kommissarinnen Gorniak und Winkler ermitteln gegen eine Familie.

Dresden – Vom Anhänger einer kruden Verschwörungstheorie entführt und schwer verletzt wurde Peter Michael Schnabel, Martin Brambach, als Chef in Dresden, im Tatort „Katz und Maus“: „Stirbt er?“, lautete die bange Zuschauerfrage. Nun, in der neuen Dresden-Folge „Totes Herz“ sieht man ihm nichts mehr an – wird es also einfach kein Thema mehr sein? Aber Moment, so schlecht gelaunt war Schnabel noch nie, alle redet er krumm an. Und dann sagt er Sachen, die nicht direkt auf Fakten basieren – und dies in ganz unschnabelschem Neudeutsch. „Crime has no gender“ ist sein Lieblingsspruch zum neuen Fall, auf den Hinweis seiner Ermittlerin Gorniak, dass Männer einfach mehr Tötungsdelikte begehen, schnauzt er: „auch das wird sich ändern“.

Wenn das so sein sollte, dann ist der Tatort schon weit in die Zukunft geprescht: Denn während im Jahr 2018 die Morde in der TV-Krimireihe laut Statista zu 40,8 Prozent von Frauen begangen wurden, lag die tatsächliche Prozentzahl für Deutschland bei 12,5 Prozent Täterinnen.

Karin Gorniak (Karin Hanczewski) und Leonie Winkler (Cornelia Gröschel) finden das Handy einer Verdächtigen.
Karin Gorniak (Karin Hanczewski) und Leonie Winkler (Cornelia Gröschel) finden das Handy einer Verdächtigen. © MDR/MadeFor/Hardy Spitz

Dresden-Tatort „Totes Herz“ im Ersten: Man erkennt die falschen Fährten

Ein Fernsehkrimi muss selbstverständlich keine Statistik erfüllen. Aber gern darf er, wenn er nicht in die Münstersche Jux-und-Dollerei-Sparte fällt, plausibel und nuanciert sein. In dieser Dresden-Folge von Kristin Derfler, Buch, und Andreas Herzog, Regie, aber erkennt man die falschen Fährten lang, ehe dann eine der ältesten Krimi-Auflösungen der Welt zum Zug kommt. In manchen Szenen ist es, als werde man mit dem Ellenbogen angestoßen: Pass auf, das Opfer hatte das „broken heart syndrome“, das muss doch was bedeuten; und es hat sich beobachtet gefühlt; und der Hund, der schnüffelt so eifrig unterm umgedrehten Boot; und der Arzt, den Schnabel nur per Telefon befragt, lügt so offensichtlich, dass man dem Ermittler gern zurufen würde wie dem Kasperl, er soll bloß aufpassen und nochmal nachhaken.

RolleDarsteller
Karin GorniakKarin Hanczewski
Leonie WinklerCornelia Gröschel
Peter Michael SchnabelMartin Brambach
Philipp LaupheimerYassin Trabelsi
Dr. HimpeRon Helbig

Das Opfer, erschlagen, ist Chefin einer Gärtnerei. Die ebenfalls dort arbeitende Tochter Nadine, Kristin Suckow, berichtet, sie und ihre Mutter seien „wie Schwestern“ gewesen. Aber dann auch, dass die Mutter sich verändert habe (wir erinnern uns: broken heart syndrome). Von ihrem Mann Patrick, Nico Rogner, will Nadine außerdem wissen, ernsthaft, ob er Mutti was getan habe. Verdächtig. Kein Wunder, dass die Kommissarinnen nicht an die Schuld des jungen behinderten Juri, Alexander Schuster, glauben, auch wenn dessen Fingerabdrücke auf der Tatwaffe sind. Vor allem, nachdem sie entdecken, dass Patrick ein Verhältnis mit einer Angestellten hat, der Schwester Juris.

„Tatort: Totes Herz“

Dresden-Tatort „Totes Herz“ (2023) im Ersten, Sonntag (8. Januar), 20.15 Uhr

Dresden-Tatort „Totes Herz“ im Ersten: Psychisch herausgeforderte Ermittler

Der Mörder (oder: die Mörderin, siehe oben) ist immer ein Familienmitglied? Als wäre ihnen selbst ein bisschen fad bei diesem Fall, so befragen Gorniak und Winkler, Karin Hanczewski und Cornelia Gröschel, die Personen rundum, gucken mal skeptisch, mal neutral, mal genervt, lassen Mobiltelefone orten und Vorstrafen checken, Suchmeldungen rausgeben. Aha, Juri wird also aggressiv, wenn er seine Pillen nicht nimmt? Wenn seine Schwester versichert, dass sie auf die Einnahme achtet, wird das schon stimmen. Abgehakt.

Und der schlecht gelaunte Schnabel? Erklärt sich knapp für gesund und jedes Hilfsangebot für „Psychoquatsch“. Neben Mörderinnen liebt der zeitgenössische Tatort freilich auch den psychisch herausgeforderten Ermittler, die psychisch herausgeforderte Ermittlerin. Das werden sie sich doch auch in Dresden nicht entgehen lassen. (Sylvia Staude)

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