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Mickey Rooney und seine Ehefrau Jan im November 2010.

Mickey Rooney ist tot

Dreißig Jahre vierzehn

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Wie ein letzter guter Geist aus der großen Zeit des Slapstick: Mit 93 Jahren ist der Schauspieler Mickey Rooney gestorben.

In den 30er Jahren steckte Hollywood zwar nicht mehr in den Kinderschuhen, aber seine größten Kassenmagneten waren weit von der Volljährigkeit entfernt. Die einzige Konkurrenz, die Kinderstar Shirley Temple zu fürchten hatte, war ein etwas stämmiger Junge namens Mickey Rooney. Geborene Showtalente waren beide – nur dass der 1920 geborene Rooney anders als Temple seine geballte Energie noch bis weit in seine Teenagerjahre ausspielen und sein Rollenbild des frechen, aber gutherzigen All American Boy eingliedern konnte. „Ich bin dreißig Jahre lang vierzehn gewesen“, sagte er.

Das Kind von Vaudeville-Entertainern stand schon als Zweijähriger im Mini-Smoking auf der Bühne. Seine erste Stummfilmrolle würde heute wohl gegen den guten Geschmack verstoßen – im Kurzfilm „Not to Be Trusted“ spielte er einen Kleinen, der dicke Zigarren pafft. Aber auch mit solchen Voraussetzungen kann man 93 Jahre alt werden. Der bis zuletzt aktive Star starb am Sonntag in Hollywood im Kreise seiner Familie. Seine letzte Rolle hatte er in einer Neuverfilmung von „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“.

Rooneys Kassenerfolge – von 1939 bis 1941 rangierte er als zugkräftigster Hollywoodstar vor Clark Gable oder Errol Flynn – sind außerhalb der USA nur noch wenig bekannt. Tatsächlich aber lohnen sie als Vorläufer heutiger Fernseh-Sitcoms das Wiedersehen. Auf 16 Episoden brachte es seine „Andy Hardy“-Serie, in der er einen gewitzten Teenager spielte. An seiner Seite wurde in der Folge „Love finds Andy Hardy“ Judy Garland zum Star – wie später Elizabeth Taylor mit Rooney einen frühen Erfolg in „Kleines Mädchen großes Herz“ erlebte.

Man kann das Phänomen der billigen Andy-Hardy-Filme, die für das Studio Metro-Goldwyn-Mayer mehr einspielten als die meisten Großproduktionen, nur mit ihrer Familientauglichkeit und Rooneys Ausstrahlung erklären. In einer Zeit, als es noch keine speziellen Kinderfilme gab, war die 1937 begonnene Serie fast konkurrenzlos. „Nennt ihn eitel oder frech, aber er hat dieses außerordentliche Talent, das unsere Augen an die Leinwand heftet“, urteilte 1940 die „New York Times“. Auch außerhalb der Leinwand genoss Rooney das Leben in vollen Zügen. MGM musste eine Vollzeitkraft beschäftigen, um die schlimmsten Exzesse des passionierten Glücksspielers in Grenzen zu halten.

Mit 21 Jahren heiratete er die damals 19-jährige Ava Gardner, eine Ehe, die nur ein Jahr hielt. Sieben weitere Ehen folgten in einer höchst wechselhaften Karriere, die von zeitweiliger Drogensucht überschattet war. Weiß man um den ausbeuterischen Umgang der Studios mit ihren Stars, scheint es ein Wunder, dass Rooney überhaupt so lange durchgehalten hat. Tatsächlich gelang es ihm wie kaum einem anderen Schauspieler, die Spuren der Verlebtheit ins Positive zu kehren: Als Charakterdarsteller machte er den Mut zur Hässlichkeit zum Programm. Peinlich war ihm nichts – auch nicht seine heute wohl bekannteste Nebenrolle des keifenden Japaners in Blake Edwards’ „Frühstück bei Tiffany“: „Miss Golightly, ich lufe die Sittenpolizei“.

Es ist nur mit Rooneys komischem Talent zu erklären, dass eine eigentlich rassistische Darstellung bis heute akzeptiert wird. Rooneys Komödienauftritte besaßen jenen Sinn fürs Handfest-Chaotische und die lustvolle Übertreibung, die man aus Cartoons kennt. Wie ein letzter guter Geist aus der großen Zeit des Slapstick erschien Rooney in seinen späten Nebenrollen. In „Nachts im Museum“ war er das schönste Museumsstück.

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