Christopher Lee als Graf Dracula in einer Szene aus dem Film "Dracula jagt Mini-Maedchen". Der Original-Titel lautete &#39Dracula A.D&#39 und war von 1971.
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Christopher Lee als Graf Dracula in einer Szene aus dem Film "Dracula jagt Mini-Maedchen". Der Original-Titel lautete 'Dracula A.D' und war von 1971.

Schauspieler

Dracula-Darsteller Christopher Lee ist tot

  • Daniel Kothenschulte
    vonDaniel Kothenschulte
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Der britische Schauspieler Christopher Lee ist im Alter von 93 Jahren gestorben. Berühmt würde Lee durch seine Verkörperung des "Graf Dracula" sowie Rollen in "Star Wars" und "Der Herr der Ringe".

Er wurde berühmt als Gentleman-Vampir, wobei er ersteres nicht zu spielen brauchte. Wenn man Christopher Lee in seinen späten Jahren begegnete, bei einer Ehrung oder einer Gala, gingen die Gagen in der Regel gleich an Unicef. So hatte er einen Weg gefunden, das dem Horrorkino so oft zugeordnete Wort „Exploitation“ („Ausbeutung“) doch noch ins Positive zu wenden. Wenn man also schon nicht aufhören wollte, ihn auf jenen Blutsauger anzusprechen, der ihn 1958 weltbekannt gemacht hatte und den er schon lange nicht mehr spielen wollte – dann wenigstens für einen guten Zweck. Im Jahre 2009 wurde er für seine künstlerischen und karitativen Leistungen in den Ritterstand erhoben.

Zugleich fand er in der Wohltätigkeit auch einen weiteren Anlass noch mit über neunzig das zu tun, was er immer schon am liebsten getan hatte: Ein Publikum zu unterhalten und zugleich diskret zu belehren. Über die Schönheiten des Theaters und der klassischen Musik, besonders nachdrücklich aber über die Ungerechtigkeiten in der Welt.

Ich erinnere mich an ein Gespräch mitten in der Finanzkrise 2008. „Dieses ganze Problem wurde ausgelöst von gierigen jungen Bankern. Sie wissen schon, das sind diese Leute, die ständig prahlen: „Ich habe einen Maserati, was hast du, einen Ferrari? Ach nein, einen Bentley, so so...“ Diesen Menschen fehlt jede Form von Verantwortung. Ich habe in meiner ganzen Karriere nie eine Figur gespielt, die so böse gewesen wäre wie das, was diese Menschen getan haben. Nicht nur in Amerika oder Großbritannien. Auch hier in Deutschland: Alles lässt sich auf diesen Menschenschlag der jungen, gierigen Banker zurückführen.“

Und welche Schurken hat er nicht so eindringlich verkörpert? Aus Bram Stokers „Dracula“ machte er einen distinguierten Nobelmann mit Sex-Appeal, so charismatisch, dass er Bela Lugosis betont schmierige Hollywood-Performance in dieser Rolle förmlich auslöschte. Man kann es bis heute überall auf der Welt beobachten: Wer sich Vampirzähne einsetzt und in die Rolle des Transsilvaniers schlüpft, spielt unwillkürlich Christopher Lee.

Noch vor„Dracula“ hatte sich Lee unter Regisseur Terence Fisher bereits erfolgreich an einer weiteren Ikone der alten Universal-Horror-Streifen versucht: Frankensteins Monster. Anstatt den großen Boris Karloff zu imitieren, brillierte Lee höchst eigenständig als schockierend-geschundene Kreatur. Auch Karloffs markante Filmfigur der „Mumie“ eroberte sich Christopher Lee in einem weiteren Film der britischen „Hammer“-Produktion. Unter Filmfans ist die Entscheidung zwischen den US- und britischen Versionen dieser Klassiker bis heute eine Glaubensfrage.
In seiner Fähigkeit das Vermeintlich-Triviale durch einen Überschuss an hochkulturellem Input zu veredeln, konnte ihm wohl nur Orson Welles das Wasser reichen. Nicht nur die markante Bassstimme verband ihn mit dem US-Filmkünstler und Zeremonienmeister. 1955 spielte Lee unter Welles Regie im heute leider verschollenen Fernsehspiel „Moby Dick Rehearsed“.

Sah man ihn dann noch 1958 als überzeugenden Sherlock Holmes in „Der Hund von Baskerville“, war bereits klar: In Christopher Lee hatte die Filmwelt den vielfältigsten Genre-Darsteller der zweiten Jahrhunderthälfte hervorgebracht. Und er war sich nicht zu schade, sein Talent auch den obskursten Produkten zugute kommen zu lassen. Eine enge Zusammenarbeit verband ihn mit dem spanischen Trash-Virtuosen Jess Franco. „Er war ein viel besserer Regisseur, als man es ihm im Allgemeinen zutraute“, verriet er im Gespräch, um gleich hinzuzufügen: „Nun ja, er machte schon auch etwas seltsame Filme, wie man mir erzählt.“

Seltsame Dinge machte auch Sir Christopher. Mit Begeisterung schmetterte der ausgebildete Opernsänger in den letzten Jahren Rock-Arien – als Gaststar der italienischen Band „Rhapsody of Fire“, einer krude Mischung als Metal und Klassik. Dankbar sonnten sich die Musiker im Glanz des Veteranen.

Markante Nebenrollen reichten Lee, um sich in die populärsten Filmserien einzuschreiben. Als Bond-Bösewicht in „Der Mann mit dem goldenen Colt“, als Count Dooku in späteren „Star Wars“-Filmen, als Zauberer Saruman in Peter Jacksons Tolkien-Epen. Doch kein Film war ihm lieber als ein Autorenfilm aus Großbritannien. In Robin Hardys gesellschaftskritischen Horrorfilm „The Wicker Man“ spielt Lee einen modernen Schamanen im karierten Sakko. Wie kaum ein zweiter Schauspieler konnte er Gegenwärtiges und Vergangenes führen. Und so moderne Mythen zaubern.

Bereits am Sonntag starb Christopher Lee, wie seine Witwe am Donnerstag bekanntgab, 93-jährig in einem Londoner Krankenhaus.

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