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Von Faber schwer herausgefordert: Ermittlerin Nora Dalay (Aylin Tezel) versucht, sich wieder zu beruhigen.

Tatort: Inferno (ARD)

Dortmund-Tatort „Inferno“: Bloß nicht in die Notaufnahme

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Der neue Dortmund-Tatort „Inferno“ zeigt geordnetes Chaos in einer Klinik und ungeordnetes bei Faber.

Auf Dortmund wirft dieser Tatort kein besonders schlechtes Licht, da braucht der Oberbürgermeister sich diesmal keine Sorgen zu machen. Allerdings wünscht man sich spätestens in der Mitte des Films inständig, nie die Notaufnahme eines Krankenhauses nutzen zu müssen – auch wenn der Tatort-Titel „Inferno“ ziemlich übertreibt. Außer natürlich, er bezieht sich gar nicht auf die Krankenhaus-Zustände, sondern auf Fabers Psyche.

Aber von vorn. Faber, Jörg Hartmann, hat furchtbare Träume von seiner toten Frau und seinem toten Kind und sucht den Platz, auf dem sie in seinem Alptraum stehen und ihn rufen (oder so ähnlich). Jedenfalls hat er diesen alten Stadtplan und fährt rum. Indessen wird im Ruheraum eines großen Klinikums eine Ärztin mit einer Plastiktüte über dem Kopf gefunden. In einem von außen verschlossenen Raum.

Tatort: Psychopath Faber beschert Dalay einen Panikanfall

Faber läuft also bald auf seine etwas gedankenabwesende Art durchs einerseits planvolle, andererseits chaotische Krankenhaus, öffnet Türen, guckt, stellt scheinbar naive Fragen. Kollegin Bönisch, Anna Schudt, geht immerhin zielgerichteter vor. Nora Dalay, Aylin Tezel, lässt sich, zurück im Kommissariat, von Psychopath Faber herausfordern, das mit der Plastiktüte zwecks sexueller Stimulation auszuprobieren und bekommt wie in der letzten Folge einen Panikanfall. Und Jan Pawlak, Rick Okon, ist zwar erst zum zweiten Mal dabei, hat aber auch schon Probleme. Wohl familiärer Art. Er haut jedenfalls die Faust gegen die Wand. – Womöglich hat Dortmunds OB doch Grund, sich um das Image seiner Stadt zu sorgen, denn die Wörter „ausgeglichen in Dortmund“ gehen an Sonntagabenden offenbar keinesfalls zusammen.

Dortmund-Tatort: Handlung nicht sensationell, aber okay

Nach einem Buch von Markus Busch, in der Regie von Richard Huber ist die Handlung dieses Tatorts nicht sensationell, aber okay. Wer hat die Dienstkleidung der Toten in die Wäscherei gebracht (sie trug nur Unterwäsche), wer hatte Schlüssel zum Ruheraum, wer stand im Dienstplan, solche Sachen sind zu recherchieren. Der Ehemann des Opfers neigt zu Jähzorn. Der Pfleger war unsterblich in die Ärztin verliebt, aber chancenlos. Chefarzt Norstädter, Alex Brendemühl, ist ein wenig zu hellsichtig, um ganz unverdächtig zu sein, wenn er zum Beispiel sagt: „Herr Faber, träumen Sie in letzter Zeit schlecht?“ Die Ermordete hatte außerdem Schulden und einen drogenabhängigen Sohn. Aber auf wen könnte das als Täter hinweisen? Faber möchte ein Motiv, Bönisch ist es wurscht.

Indessen ist das Krankenhaus ein Ort, an dem es strikt, aber wiederum auch seltsam lässig zugeht. Alle schauen weg, dass eine Pflegerin in einem Pappkarton kranke Tiere hält, eine Taube, ein Kaninchen. Übrigens ist Faber, man denke!, bereit, das Kaninchen zu streicheln. Und er hilft einer alten Dame, die umherirrt und ihre Mutter sucht. Ein junger Mann flippt aus, der sich selbst gegen Pfefferspray zu immunisieren versuchte. Und zwischen alldem werden immer noch Menschen behandelt und auch gerettet. Sogar in Dortmund.

„Tatort: Inferno“,

ARD, So., 20.15 Uhr.

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