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Als Otto (Florian Martens, l.) und Linett (Stefanie Stappenbeck) den Mitarbeiter Carsten mit dem Tod seines Chefs konfrontieren, ist er geschockt. Oder verheimlicht er den Kommissaren etwas?

„Ein starkes Team: Tödliche Botschaft“, ZDF

Mit doppeltem Boden

Der zweite Fall des neuen „Starken Teams“ mit Stefanie Stappenbeck ist über weite Strecken ein gewöhnlicher Krimi, packt aber dann einen Knüller nach dem anderen aus.

Von Tilmann P. Gangloff

Das Titelwortspiel „Tödliche Botschaft“ mag jetzt nicht gerade wahnsinnig originell sein, aber immerhin erschließt es sich erst, wenn man den Inhalt des Films kennt: In seinem zweiten Fall muss das aufgefrischte neue „Starke Team“ einen Mord in einer Botschaft aufklären.

Zwei Drittel lang erzählt Jürgen Pomorin, der unter seinem Pseudonym Leo P. Ard bislang knapp zwei Dutzend Drehbücher für die Berliner geschrieben hat, eine zwar interessante, aber letztlich nicht ungewöhnliche Geschichte. Dann jedoch gibt er ihr eine komplett neue Richtung, und plötzlich geht es nicht mehr nur um die Aufklärung eines Mordes, dem zwischendurch ein weiterer gefolgt ist, sondern um ein lange zurückliegendes Verbrechen, das eine komplette Familie ins Unglück gestürzt hat. 

Bis dahin jedoch machen vor allem der Schauplatz und verschiedene Details den Reiz der Handlung aus. Das beginnt schon mit dem verschmitzt eingefädelten Leichenfund: Sputnik (Jaecki Schwarz), der alte Kumpan von Otto Garber (Florian Martens), betreibt diesmal eine „Fahrschule für Linkshänder“. Als sein Fahrschüler einen kleinen Unfall verursacht und Sputnik in Ermangelung eines eigenen Warndreiecks kurzerhand den Kofferraum des fremden Autos öffnet, entdeckt er den leblosen Körper eines erstochenen Mannes.

Der Besitzer des Wagens ist ebenso verblüfft wie Sputnik. Der Mann arbeitet für die Botschaft des (fiktiven) Landes Terkistan und genießt daher diplomatische Immunität, erweist sich aber als kooperativ, als Garber und seine neue Kollegin Linett Wachow (Stefanie Stappenbeck) am Unfallort eintreffen. Damit endet die Bereitschaft zur Zusammenarbeit jedoch: Otto und Linett, die sich unter einem Vorwand auf das Botschaftsgelände gemogelt haben, finden zwar den Tatort, doch gegen die Angehörigen der Botschaft dürfen sie nicht ermitteln, zumal das Land wegen seiner Öl- und Gasvorkommen ein wichtiger Handelspartner ist.

Natürlich präsentiert Pomorin auch deutsche Verdächtige. Der Tote war Besitzer einer lukrativen Catering-Firma, die nun sein Kompagnon (Stephan Grossmann) erbt; außerdem gibt es einen Konkurrenten (Henning Peker), dem das Duo übel mitgespielt hat. Aber selbstredend sind die Vorgänge um die Botschaft viel interessanter, zumal Buch und Regie (Maris Pfeiffer) schon früh den Kulturattaché (Jewgenij Sitochin) als Täter anbieten, was unter anderem zur Folge hat, dass Pomorin zum Finale noch mal ein Ass aus dem Ärmel ziehen kann.

Den größeren Knüller liefert er jedoch kurz zuvor, als Linda, eine Angestellte der Catering-Firma, zum zweiten Opfer wird. Das ist zunächst ausgesprochen bedauerlich, denn bis dahin hat Isolda Dychauk praktisch nichts zu tun, weshalb das Ableben der jungen Frau recht unerwartet kommt. Aber Linda hat eine Zwillingsschwester namens Fenna, und so darf sie quasi Wiederauferstehung feiern, um als Lockvogel für den Mörder zu dienen. Der tappt prompt in die Falle, aber in der sitzt nun auch Fenna; und Linett kann nicht eingreifen. Dieses Finale ist ebenfalls clever eingefädelt. Ein weiterer kleiner Knüller ist der Epilog, mit dem Pomorin seinem Drehbuch gewissermaßen die Krone aufsetzt.

Neue Möglichkeiten dank Stappenbeck

Abgesehen vom letzten Akt ist „Tödliche Botschaft“ jedoch nicht weiter aufregend. Die Spannung hält sich in Grenzen, weil sich Pfeiffer, von der auch der erste Film („Knastelse“) der neuen Zeitrechnung beim „Starken Team“ stammt, bei ihrer allerdings hochsoliden Inszenierung auf die Figuren und ihr Mit- beziehungsweise Gegeneinander konzentriert. Das ist mitunter beschaulich, aber für Freunde der Reihe ohne Frage ein Genuss, zumal diesmal auch die Team-Mitglieder aus der zweiten Reihe, Kriminalrat Reddemann (Arnfried Lerche) und der Kollege Kolberg (Kai Lentrodt), ihre Auftritte erhalten: der eine, als er nach einem Besuch in der Botschaft inklusive unvermeidlichem Wodka in eine Polizeikontrolle kommt; der andere, weil er eine Liebschaft zu einer Mitarbeiterin (Katja Weitzenböck) des Auswärtigen Amts unterhält, was sich bei den Ermittlungen gegen die Botschaftsangehörigen als äußerst nützlich erweist.

Während die Bildgestaltung ansonsten nicht weiter auffällig ist, zeichnen sich die Szenen im LKA-Büro durch eine spezielle Ton-in-Ton-Ästhetik aus, in der vor allem die Farbe blau dominiert: in der Kleidung des Teams, in den dunklen Wänden und natürlich in den Augenfarben. Aber natürlich ist Stefanie Stappenbeck nicht nur aus diesem Grund das Beste, was den Verantwortlichen nach dem Ausstieg der zu Beginn des Jahres verstorbenen Maja Maranow passieren konnte, schließlich eröffnen Linetts sympathische Art und Stappenbecks Jugendlichkeit den Autoren ganz neue Möglichkeiten. Nach einem gewissen Trott weht wieder ein frischer Wind durch die Reihe.

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