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Der Jahrtausendschritt: Neil Armstrong hinterlässt seine Spuren auf der Oberfläche des Monds.

Dokumentarfilm Apollo 11

Mondlandung mit noch nie gesehenen Bildern

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50 Jahre nach der Mondlandung kommt ein Dokumentarfilm in die Kinos, der die Expedition mit teils noch nie gesehenen Bildern zeigt. 

Nie war das Wort vom Filmstart so zutreffend wie in diesem Fall. Die Dokumentation über das Unternehmen Apollo 11 beginnt dort, wo am 16. Juli 1969 die Reise des Menschen zum Mond begann: in Cape Canaveral auf der Halbinsel Florida. Ein riesiger Raupenschlepper trägt die Rakete Saturn V von der Montagehalle zur Abschussrampe. Die mehr als hundert Meter hohe Konstruktion bewegt sich dabei im Schritttempo, umgeben von Leuten, die das Projektil wie Bodyguards eskortieren. Schneeweiß hebt sich die Silhouette der Mondrakete vom blauen Himmel ab, in den sie mit der Kraft von 160 Millionen Pferdestärken eintauchen wird.

Schon die ersten Szenen in dem Dokumentarfilm „Apollo 11“, der am Sonntag in ausgewählten Kinos zu sehen sein wird, zielen ganz auf Überwältigung ab. Hier wird Menschheitsgeschichte geschrieben und das Publikum kann noch einmal live dabei sein. Als sähe man den Ägyptern 5000 Jahre danach beim Pyramidenbau zu.

Mondlandung liegt fünfzig Jahre zurück 

Nur dass die Mondlandung eben erst fünfzig Jahre zurückliegt und schon jetzt prähistorisch wirkt. All die Männer mit den kurzärmeligen Hemden im Kontrollraum, unter den 500 Spezialisten in Cape Canaveral ist am Starttag nur eine einzige Frau, die Ingenieurin JoAnn Morgan, die einen eigenen Film verdient hätte. Die klobigen Monitore ähneln den Fernsehern, auf denen wir damals die Reise der Astronauten verfolgten, die Computerschränke füllten ganze Hallen. Heute würden für die gleiche Speicherkapazität ein paar Laptops reichen. Ein Automatenkaffee kostet 5 Cent. Und als die Mondfähre bei ihrer Kopplung an das Mutterschiff einmal ganz aus der Nähe zu sehen ist, wirkt sie mit ihren zerbeulten Blechen wie eine Bastelarbeit.

Es ist ein Wunder, dass das alles funktioniert hat. Ein Wunder, das sich die USA 120 Milliarden Dollar kosten ließen und an dem etwa 400 000 Menschen mitwirkten. Die machtpolitischen Hintergründe des Apollo-Programms bleiben in dem Film des Regisseurs Todd Douglas Miller, der zur Zeit der Mondlandung noch nicht geboren war, außen vor – und das ist eine gute Entscheidung. Man kann das nachlesen. Man kann aber nicht begreifen, was dieser Flug für die Raumfahrer bedeutet hat, wenn man nicht Neil Armstrong in die Augen gesehen hat, bevor er den Helm übergestülpt bekam, der ihn schon Stunden vor dem Start von der Erde und ihren Bewohnern isolierte – vielleicht für immer.

Vom Start über die Mondlandung bis zur Wasserung im Pazifik

Das Risiko war groß. Die Möglichkeit, dass er und seine beiden Gefährten Buzz Aldrin und Michael Collins nicht aus dem All zurückkehren würden, war eins zu zehn. Es ist dieses letzte Porträt des Mondfahrers vor dem Start, das den berührenden Kontrast zu dem technischen Gigantismus um ihn herum bildet. Die Anspannung in seinem Blick, die Jungenhaftigkeit des 38-Jährigen, der strenge Scheitel, dieser Hauch von Melancholie. Mit Armstrongs Biografie hat sich erst kürzlich der Spielfilm „Aufbruch zum Mond“ beschäftigt, der im Jahr des Jubiläums das perfekte Pendant zu der Dokumentation bildet. Stand dort der einzelne Mensch im Fokus, ist es hier wortwörtlich die Mission: der Auftrag, die Sendung, die Reise.

Der Film „Apollo 11“ folgt streng chronologisch den Ereignissen vom Start über die Mondlandung bis zur Wasserung im Pazifik. Die Macher stützen sich dabei ausschließlich auf Archivmaterial, es gibt weder einen Erzähler noch Interviews mit den noch lebenden Protagonisten oder Zeitzeugen, lediglich einige Grafiken wurden der Bildmontage zugefügt. Auch der gesamte Audiokommentar ist authentisch, er speist sich aus Tondokumenten, die in jahrelanger Recherche ausgewertet wurden und sich jetzt zu einem Hörfeature ganz eigener Art fügt. Da sind Radio- und Fernsehberichte der Zeit, vor allem aber die Kommunikation zwischen dem Kontrollzentrum in Houston und den Astronauten. Selbst die Filmmusik stammt von Equipment aus dem Jahr 1969. Da waren wirklich Nerds am Werk.

Bilder aus den Beständen der Nasa und des US-National-Archivs

Was diesen Film noch ein halbes Jahrhundert später so sehenswert macht, obwohl man die Erzählung der Mondlandung kennt, sind die zum Teil noch nie veröffentlichten Bilder aus den Beständen der Nasa und des US-National-Archivs. Dort fand Miller sowohl kinotaugliches Breitwandmaterial von Start und Landung als auch 61 Filmrollen mit 16-Millimeter-Aufnahmen, die den Flug von Apollo 11 dokumentieren. Hinzu kommen Sequenzen aus den fest installierten Überwachungskameras in Cape Canaveral und natürlich die Szenen, die die Astronauten an Bord ihres Raumschiffes und auf dem Mond einfingen. Die größte Herausforderung für die Filmemacher bestand darin, diese technisch äußerst diversen Vorlagen zu einem ästhetisch geschlossenen Werk zu formen, und das ist ihnen mit einigen relativ simplen Tricks gelungen.

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So wird etwa beim Wechsel vom 70-Millimeter-Rahmen ins kleinere Format die Leinwand geteilt, zwei bis drei Aufnahmen sind simultan zu sehen, was zum einen den Effekt hat, dass man die Interaktion zwischen der Crew und dem Kontrollraum in Wort und Bild nachvollziehen kann. Andererseits erinnert diese Optik an den Woodstock-Film, der das zweite Großereignis dieser Zeit einfängt.

Auf dem Rückflug zur Erde gibt es nicht mehr viel zu tun

Oder aber es ist neben den beiden Astronauten in der Mondfähre die Treibstoffanzeige im Bild, die den dramatischen Verlauf des lunaren Abstiegs auf simple Weise illustriert. Der Sprit ging rasend schnell zu Ende. Mehrfach leuchtete ein rotes Warnsignal, weil der Bordcomputer überlastet war. Die letzten Minuten sind praktisch in Echtzeit zu erleben. Da hatte Neil Armstrong längst die Handsteuerung übernommen. Als die Mondfähre aufsetzt, schlägt sein Herz 156 Mal in der Minute. Der sonst so kühle Astronaut war dann doch ganz schön gestresst.

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Dann der Jahrtausendschritt. Neil Armstrong, gefolgt von Buzz Aldrin. Szenen für das ganz große Kino, so krisselig sie sind. Da hilft die beste Bildbearbeitung nichts. Der Film denkt auch an Michael Collins, der in der Mondumlaufbahn auf die Heimkehr seiner Kollegen wartet und in diesen Stunden wohl der einsamste Mensch des Universums ist.

Auf dem Rückflug zur Erde gibt es nicht mehr viel zu tun, Musik hören und beten, dass alles klappt. Eine der letzten Szenen zeigt Neil Armstrong, als er nach der Quarantäne wieder in Houston eintrifft, die Aktentasche in der Hand. Ende einer Dienstreise.

Apollo 11. Dokumentarfilm, Regie: Todd Douglas Miller 93 Min.

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