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„Doktor Ballouz“: Dr. Amin Ballouz (Merab Ninidze)
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„Doktor Ballouz“: Dr. Amin Ballouz (Merab Ninidze)

TV-Kritik

„Doktor Ballouz“ (ZDF) – Nicht jeder kommt hier lebend raus

  • Harald Keller
    VonHarald Keller
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Der international gefragte Schauspieler Merab Ninidze spielt die Titelrolle in der ZDF-Klinikserie „Doktor Ballouz“.

Eigentlich hätte im April der US-amerikanisch-britische Agentenkrimi „Der Spion“ in deutschen Kinos anlaufen sollen, doch der Start wurde auf Juni verschoben. Neben Benedict Cumberbatch und Rachel Brosnahan stand unter der Regie von Dominic Cooke auch Merab Ninidze vor der Kamera. Ninidze ist gebürtiger Georgier, quasi von Berufs wegen aber mittlerweile Weltbürger. Seine Filmografie verzeichnet neben dem deutschen „Tatort“ internationale Serien wie „Berlin Station“, „Homeland“, „McMafia“. Ferner den „Usedom-Krimi“ und, ganz aktuell, die sechsteilige ZDF-Klinikserie „Doktor Ballouz“. Und diese Produktion könnte, um es gleich vorwegzunehmen, ohne die Mitwirkung Ninidzes unter „ferner liefen“ abgelegt werden.

„Doktor Ballouz“ (ZDF): Das lebende Vorbild

Den Namensgeber der Serie gibt es tatsächlich. Dr. Amin Ballouz floh als Jugendlicher aus dem kriegsgeschüttelten Libanon, arbeitete in Kliniken in London und Paris und als Landarzt in der Uckermark. Der Journalist Jasper Fabian Wenzel veröffentlichte 2015 ein Sachbuch über Ballouz mit dem Titel „Deutschland draußen“. Die – inzwischen offenbar vergriffene – Reportage diente dem Autorenstab der ZDF-Serie als Inspiration. Nicht die schlechteste Idee war es, Ballouz’ Herkunft immer nur andeutungsweise einfließen zu lassen. An deutschen Kliniken sind ausländische Ärzte selbstverständlich; so sollte es auch in anderen Berufen sein. Womit der Unterschied zum realen Ballouz schon erwähnt wäre: In der ZDF-Serie ist er nicht Landarzt mit überfüllter Praxis, lähmender Bürokratie und nachmittäglichen Hausbesuchen, sondern Chefarzt einer idyllisch gelegenen Klinik mit Seeblick.

„Doktor Ballouz“ (ZDF): Trauer als ständiger Begleiter

Nach einer beruflichen Pause kehrt der fiktionale Ballouz an seinen Arbeitsplatz zurück. Nicht ohne vorher seinen weithin bekannten hellblauen Trabi an das Bankett der abgelegenen Landstraße zu lenken und mit Blick in die sommerliche Natur mit seiner Frau Mara (Clelia Sarto) zu konferieren. Eine Wahnvorstellung, denn Mara ist verstorben. Für Ballouz aber ist sie nicht tot, immer wieder erscheint sie ihm, spricht mit ihm, berät ihn. Ein abgenutztes Handlungsmoment, bekannt beispielsweise aus zehn Jahre alten US-Serien wie „A Gifted Man“ und „Perception“, für die Autorinnen Conni Lubek, Kerstin Laudascher, Silja Clemens aber immer noch gut genug, um an die Rührseligkeit der Zuschauerschaft zu appellieren.

„Doktor Ballouz“ (ZDF): Zwischen Melancholie und Kitsch

Die amourösen und sentimentalen Seiten der Episodengeschichten werden oftmals übermäßig ausgewalzt, zum Schaden der eingeflochtenen ernsthaften Themen wie Trauerbewältigung, Schmerzmittelsucht, Überlastung im Gesundheitswesen, Organspende. Die Ambivalenz der Handlungsentwürfe zeigt sich daran, dass Dr. Ballouz als medizinischer Tausendsassa agiert, der als Neurochirurg ebenso brilliert wie als Kardiologe, Notfallmediziner, Gynäkologe, Pädiater. Gelegentlich sieht man andere Weißkittel im Hintergrund herumhuschen, aber im Krankenhaus Uckermark müssen Ballouz, seine Kollegen Dr. Barbara Forster (Julia Richter), Mark Schilling (Daniel Fritz) und die Berufsanfängerin Michelle Schwan (Nadja Bobyleva) offenbar fast alles alleine machen. Man sieht sie sogar am Empfang sitzen.

Zur Sendung

„Doktor Ballouz“, ab 8.4.2021, donnerstags, je zwei Folgen, 20:15 Uhr, ZDF

Wobei sie nur selten Erschöpfungserscheinungen zeigen, ausgenommen Schwester Irina (Monika Anna Wojtyllo), die noch eine Nebenerwerbslandwirtschaft und ihre Kinder zu versorgen hat und an Migräne leidet. Verständlich, dass sie schon mal einem Patienten das Schmerzmittel stibitzt. Was Klinikchef Professor Frey (Michael Kind) großzügig mit einem Hilfsangebot und dem Versprechen auf unverbrüchliche Weiterbeschäftigung beantwortet.

„Doktor Ballouz“ (ZDF): Glanz in den Nebenrollen

Wenn die Serie dennoch knapp, wenngleich knirschend, über die seichten Gründen des Kitschromans hinweggleitet, liegt es an dem Hauptdarsteller Ninidze, der seiner Figur trotz der überzogenen Samaritermentalität stille Menschlichkeit und Würde verleiht und dessen Trauer um die verstorbene Geliebte mit leiser Melancholie formuliert. Manchmal, leider zu selten, gibt es wirklich gelungene Vignetten, so wenn Ballouz das Mittagessen versäumt und hungrig die abgestellten Tabletts nach Resten durchsucht. Wer je eine deutsche Klinik von innen sah, der kennt das rigorose Zeitmanagement der Essensausgabe. Schwach dagegen der dümmliche Running Gag, Ballouz sich beim Essen bekleckern zu lassen.

Positiv anzurechnen ist auch, dass nicht alle Patienten wundersam geheilt vom Lager springen – nicht jeder kommt hier lebend raus. Vincent Krüger im Part des Vincent Patzke, der in der Klinik Sozialstunden ableistet, bringt ein gutes Maß an gesunden Menschenverstand und Mutterwitz in seine Rolle ein. Ein Gewinn, neben Gaststars wie Andrea Sawatzki, Jörg Schüttauf, Inka Friedrich, auch Barbara Philipp als Tankstellenbesitzerin Cindy, wenngleich die Schauspielerin, was bisweilen ähnlich in anderen Produktionen zu beobachten ist, einmal mehr eher als Stichwortgeberin fungiert. Wer die Möglichkeit hat, sollte sich einmal den 2019 gedrehten Studentenfilm „Für Fritzi“ mit Philipp in der Titelrolle anschauen. Vor der Kamera des Jungregisseurs Michael Ciesielski vermochte Philipp in knapp neunzehn Minuten mehr Facetten auszuspielen als in sämtlichen für „Doktor Ballouz“ gedrehten Szenen zusammen. (Harald Keller)

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