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„Ich bin der Schrecken, der die Nacht durchflattert. Ich bin Darkwing Duck!“

„Nächste Folge - Coronakrisen-Edition“

Zwo, Eins, Risiko!

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Was „Chip und Chap“ mit Magnum und Indiana Jones zu tun haben und warum Magneto in Corona-Zeiten Backpfeifen verteilen würde. Die Coronakrisen-Edition unserer Serienkolumne.

Quietschen hallte durch die Wohnung. Immer wieder, kurze, spitze Schreie des Glücks. „Das haben sie! Und das haben sie auch! Das habe ich früher immer geschaut! Kreisch!“ 

Dass der Disneykonzern mit seinem Streamingdienst Disney+ eine Sehnsucht erfüllen würde, von der wir gar nicht wussten, dass wir sie haben, wurde vielen schon bei der Vorstellung des Konzepts Ende des vergangenen Jahres klar: Die Serien unserer Kindheit. Immer. Wann wir wollen. Kreisch.

Disney+: Aus der Corona-Krise zurück in die Kindheit

Schon das Durchblättern des Angebots erfüllt mit einem warmen Gefühl. Die Erinnerung an Samstag- und Sonntagmorgen, das Wohnzimmer und der Fernseher ganz für mich allein, „Gargoyles“ schauen. Oder die Abende unter der Woche. Mama macht nach dem Abendessen die Küche sauber, das Wohnzimmer gehört mir, den „Duck Tales“ und „Goofy und Max“. Trickfilmfiguren haben die Kindheit vieler geprägt, und ich hätte das nicht missen wollen – so entstand eine bis heute andauernde Liebe zum Fernsehen, zu fiktiven Figuren und tollen Geschichten.

Alle Klassiker finden sich bei Disney+ und gerade in Corona-Zeiten ist das eine angenehme Flucht. Weg von panikmachenden Nachrichten und der an Dreistigkeit nicht zu überbietenden Forderung von Unternehmer und Milliardär René Benko nach finanzieller Unterstützung. Das ist der Punkt, an dem man eigentlich Backpfeifen verteilen will. Also lieber schnell Disney+ anmachen.

Zeichentrickserien bei Disney+: Corona und die Flashbacks

Die Kolumne „Nächste Folge“ nimmt Streaming- und TV-Serien in den Blick.

Und es funktioniert. Schon direkt beim Intro ist man in einer anderen Welt. Wie in einem Flashback ist man plötzlich wieder acht Jahre alt und kann textsicher einsteigen: „Zwo, Eins, Risiko!“ „Darkwing Duck“ ist die wahrscheinlich witzigste der Disney-Serien. Der ewig sich selbst überschätzende Darkwing, das ist gespickt mit Wortspielen, Flachwitzen und profanen Einsichten ins Leben: „Ich bin der Schrecken, der die Nacht durchflattert. Ich bin die Batterie, die nicht im Preis mitinbegriffen ist! Ich bin Darkwing Duck!“ Wirklich heimtückisch.

Vor ein paar Jahren las ich, dass „Chip und Chap“ kostümlich an „Indiana Jones“ und „Magnum“ angelehnt sind. Wieder was für die Unnützes-Wissen-Schublade. Aber der eigentliche Grund, warum „Chip und Chap“ so großartig ist, sind nicht die beiden titelgebenden Hörnchen, sondern Trixi, die Mechanikermäusin. Mit großen Augen saß ich Anfang der Neunziger da und konnte nicht fassen, dass da eine Frau komplexe technische Arbeiten verrichtet, ohne dass ein Mann ihr sagt, wie sie das zu tun hat oder dass sie die Finger davon lassen soll. Trixi war meine erste feministische Heldin. Und jedes sechsjährige Mädchen braucht eine Trixi.

Nochmal zum Intro: Kein vernünftiger Mensch guckt die „Gummibären-Bande“, ohne das Lied mitzusingen. Ausreden gibt es übrigens keine – das Lied gibt es auf 32 Sprachen. Der Song macht gute Laune, die Bärchen erleben magische Abenteuer und halten immer zusammen. Und natürlich glauben wir auch weiterhin an Gummibären. Irgendwo werden sie schon sein.

Disney+: „X-Men“ als Pflichtserie für Kinder

„X-Men“ sollte einfach eine Pflichtserie für Kinder sein: In den ersten fünf Minuten führt die Serienadaption der Comics eine asiatisch-amerikanische Teenagerin und eine afro-amerikanische Frau als Hauptcharaktere ein und besteht mühelos den Bechdel-Test. Die Serie hat damit schon mehr geleistet, als jedes gutbürgerliche deutsche Kinderbildungsfernsehen es insgesamt je getan hat. „X-Men“ zeigt, wie eine hochgradig rassistische Gesellschaft mit zunehmend faschistischen Methoden Mutantinnen und Mutanten zuerst überwacht, dann einsperren lässt und schließlich vernichten will. Und wieso man nie aufhören darf, dagegen zu kämpfen.

Hier trifft man dann wieder auf die Realität. Magneto hätte mit Sicherheit Backpfeifen verteilt.

In der vorherigen Coronakrisen-Edition ging es um Lustiges. In der vierten Coronakrisen-Edition wird es um dieses Thema gehen: die Faszination des Echten – True Crime-Dokus.

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