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Kinostart

Disneys „Cruella“: Warum klaute sie 101 Dalmatiner?

  • Daniel Kothenschulte
    VonDaniel Kothenschulte
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Diese Frage beatwortet „Cruella“, der neue Film des Disney-Konzerns – als erster großer Kino-Neustart nach dem Lockdown.

Disney-Schurkinnen wurden stets interessanter gefunden als Disney-Prinzessinnen. Das wusste niemand besser als die Animatoren, die sich um sie rissen. Cruella de Vil, die unvergessliche Pelzfetischistin und Hundeentführerin aus „101 Dalmatiner“, entstammte – wie schon ihre Vorgängerin Malefiz aus „Dornröschen“, dem Bleistift des legendären Zeichners Marc Davis. Wie niemand sonst konnte der im Jahr 2000 verstorbene Künstler Düsternis und damenhafte Eleganz in eine mysteriöse Verbindung setzen.

Seit der Disney-Konzern sein Studio für Handanimation aufgelöst hat, sind es die Hollywood-Diven, die sich um die Schurkinnen-Rollen reißen. In gleich zwei „Maleficent“-Filmen ließ Angelina Jolie bereits hinter die eisige Maske der Dornröschen-Fee blicken und enthüllte ein überraschend menschliches Antlitz und romantisch-gebrochenes Herz. Glenn Close musste dagegen als erste Realfilm-Cruella im „Dalmatiner“-Remake von 1996 und dessen Fortsetzung „102 Dalmatiner“ noch die entscheidende Frage offen lassen: Wird man so böse schon geboren? Oder, wenn nicht, wie ist diese Cruella bloß so auf den Hund gekommen?

Cruella im Kino: Emma Stone in der Hauptrolle des Disney-Films

Da hat es ihre Nachfolgerin Emma Stone schon besser. In der Titelrolle des Prequels „Cruella“ darf sie die Frage klären und der Figur dabei völlig neue Seiten eröffnen. Die erste, fast schon erwartbare Enthüllung auf dem Weg zu ihrer verborgenen Menschlichkeit: Sie ist, wie so viele Disneyfiguren, ein Waisenkind. Das Wissen um eine tragische Kindheit reicht natürlich noch nicht aus, um die spätere Hundejägerin gleich zur Heldin zu erheben. So hat sich das Autorenteam Dana Fox und Tony McNamara noch einen Coup einfallen lassen: Kurzerhand erfanden sie eine noch bösere Schurkin, die von Emma Thompson gespielte Baronesse, eine im Swinging London der sechziger Jahre gefeierte Modedesignerin.

Und was, wenn es eine noch bösere Schurkin als die Schurkin Cruella (Emma Stone, hier im Bild) gibt?

Wenn schon der Teufel Prada trägt, ist sie des Teufels Großmutter. Geradezu ein übersteigertes Doppel der uns bekannten Cruella, ist sie noch stilbewusster und noch skrupelloser. Die eigentliche Frage dieses Films, „wie wird man nur so böse“, verschiebt sich durch diese Figur freilich nur auf eine andere Ebene: Wie wird man nur so oberböse?

Disneys Cruella: Manchen Charaktere sind aus 101 Dalmatiner bekannt

Gleich bei ihrem ersten Auftritt in „Cruella“ jagt sie ihre Hunde auf die Mutter des Mädchens Estella, der späteren Cruella – und lässt das Kind auch noch glauben, es sei selbst für deren daraus folgenden tödlichen Sturz von einer Schlossterrasse verantwortlich. Die kuriose Episode, die sich anschließt, hätte früher selbst einen eigenen Disneyfilm von voller Länge abgegeben: Die Waise findet in London Unterschlupf in einer Charles-Dickens-artigen Gang kindlicher Kleinkrimineller.

Die Besetzung
Schauspieler:inRolle
Emma StoneCruella de Vil
Paul Walter HauserHorace
Emma ThompsonBaroness von Hellman
Joel FryJasper
Mark StrongBoris
Emily BeechmanSamantha de Vil
Kirby Howell-BaptisteAnita
John McCreaArtie

Zwei ihrer Jugendfreunde werden uns später als ihre aus dem Zeichentrickfilm bekannten Helfer wieder begegnen: Die einander treu verbundenen Gauner Jasper und Horace werden von ihren Darstellern Joel Fry und Paul Walter Hauser zu verblüffend liebenswerten Charakteren aufgebaut.

Cruella im Kino: Glamour und Slapstick von Disney

Zehn Jahre nach dem Tod der Mutter findet Estella ausgerechnet bei der Baronesse einen Job als Mode-Assistentin und wird in Windeseile zu ihrer rechten Hand – erst gefördert, dann eifersüchtig beäugt: Auch Regisseur Craig Gillespie kennt offensichtlich den Film „Der Teufel trägt Prada“. In den schillernden Kulissen einer schwelgerischen Modewelt findet die verwegene Erzählung einigermaßen zu sich – aber keineswegs zu etwas, das dem bekannten Hundefilm auch nur im Entferntesten ähnelt.

Was folgt ist ein barock ausgestattetes, zwischen Glamour und Slapstick schwankendes Spektakel über die Rivalität zweier kreativer Frauen; staunenswert in der Detailfülle, aber schwer erträglich in der Oberflächlichkeit einer Inszenierung, die ein grandioses Ensemble zu cartoonhafter Übertreibung drängt.

Emma Stone wird nachts zu Cruella de Vil

Je mehr Emma Stones Figur in die Abgründe des Charakters ihrer Chefin blickt, desto skrupelloser wird sie selbst. Doch die Heimtücke stimuliert auch ihre Kreativität – und treibt in der originellsten Szene des Films ihre dunkelsten Blüten: Da hat sie für ihre Chefin ein meisterhaftes Modellkleid geschneidert, doch das schillernde Dekor besteht aus zigtausend Kokons von Motten. Die schlüpfen punktgenau bei einer Modenschau, um ihren Hunger an der ganzen Kollektion zu stillen. Während sich Estella tagsüber harmlos gibt, wird sie nachts zu Cruella – einem Rockstar einer neuen Designer-Generation.

Cruella

USA 2021. Regie: Craig Gillespie. 134 Min. In ausgewählten Kinos und auf Disney Plus.

Was erzählt uns das alles über die Verwandlung der liebenswerten Waisen zur Wölfin im Dalmatiner-Pelz? Es sind wohl noch weitere Fortsetzungen nötig, um zu erklären, wie aus der Rächerin an der Mörderin ihrer Mutter auch noch eine Tierfeindin werden kann. Das ist der Fluch der Franchise-Mode: Aus Filmklassikern werden wie bei einer Topfpflanze immer neue Ableger abgezweigt, die dann ein Eigenleben führen sollen. Genießen lässt sich immerhin der stilvolle Blumentopf: Die Ausstattung (Fiona Crombie) und vor allem das Kostümdesign (Jenny Beavan) sind unsere ersten Favoriten für die Oscars 2022.

Eine Fußnote in der deutschen Filmgeschichte aber ist „Cruella“ auch schon sicher: Seit vergangenem Donnerstag ist der Film als erster Neustart der Corona-Öffnungen bereits in einigen Kinos zu sehen. Wer darauf nicht warten möchte, findet ihn auch – gegen einen satten Aufschlag – auf dem Streamingkanal Disney Plus.

Rubriklistenbild: © Laurie Sparham

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