Dieter Nuhr und seine Gäste.
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Dieter Nuhr und seine Gäste.

TV-Kritik

Dieter Nuhr in der ARD: Schenkelklopfer und eine Prise Menschenverachtung

  • vonJosephine von der Haar
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Dieter Nuhr nervt in der ARD mit Witzen über geschlechtergerechte Sprache. Auch Monika Gruber verteilt Seitenhiebe gegen „politisch Korrekte“.

  • Zum dritten Mal nach der Sommerpause läuft die Sendung „Nuhr im Ersten“ in der ARD
  • Dieter Nuhr schießt dabei mal wieder selbst den Vogel ab
  • Gäste bei Dieter Nuhr sind: Monika Gruber, Abdelkarim, Ingo Appelt, Lisa Catena

Dieter Nuhr ist mit seiner Sendung „Nuhr im Ersten“ (ARD) zurück auf den deutschen Fernsehbildschirmen. „Angriffslustig und scharfzüngig“ soll sie sein, ist dann aber doch eher ein Konglomerat aus vorhersehbaren Pointen und einer Prise (oder einer Handvoll) Menschenverachtung. Mehr als eine Mischung aus Genervtheit, Langeweile und Empörung bleibt einem als politisch korrekte (aka die allerschlimmste) Zuschauerin leider nicht übrig.

Dieter Nuhr schießt mal wieder den Vogel ab

Die erste Einlage von Ingo Appelt zeichnet sich zwar (oh Wunder) nicht durch Diskriminierung aus, ist aber stattdessen einfach zum Gähnen. Lachen muss man wenn überhaupt darüber, dass der Witz „Geht Söder nach Berlin? Nein, der fährt.“ im – wohlgemerkt erwachsenen – Publikum ernsthaft für kreischende Lacher sorgt. Viel mehr muss über ein solches Publikum eigentlich nicht gesagt werden.

Man könnte aber hinzufügen, dass dies auch Leute sind, die tatsächlich Geld dafür ausgeben, die Inkarnation des Boomer-Humors von Dieter Nuhr live zu sehen. Der schießt in dieser Sendung wieder mal den Vogel ab – dicht gefolgt von Monika Gruber, die ebenfalls einen Auftritt in der Sendung hat. Die Auftritte von Abdelkarim und Lisa Catena sind hingegen als leicht witzig (Abdelkarim) und leicht nervig (Catena) einzuordnen. 

„Nuhr im Ersten“ (ARD): Dieter Nuhr tut das Gendern im Auge weh

Beginnt Dieter Nuhr anfangs noch harmlos mit Witzen über Donald Trump, steigt er in seiner nächsten Einlage unverhofft mit dem Thema Gendern ein. Man könnte sich fragen, aus welchem Jahrzehnt die Sendung ist oder wann diese uninspirierten Litaneien eigentlich mal der vielbeschworenen Cancel Culture zum Opfer fallen. Aber nein, das Publikum findet’s zum Piepen.

Dieter Nuhr würde natürlich gerne gendern, aber leider hat er Sprachgefühl und außerdem tut ihm das Gendern im Auge weh. Ah ja. Vielleicht sollte er das mal bei einem Arzt abchecken lassen. Oder einer Ärztin? Egal, denn laut Nuhr denkt beim Wort „Arzt“ sowieso niemand an einen Mann und es könnte genauso gut eine Frau sein – eine Behauptung die mittlerweile vielfach widerlegt wurde. Unwahr ist, by the way, auch die Aussage, Studierende seien in der Universität gezwungen, zu gendern.

Auch Hitler kommt bei „Nuhr im Ersten“ (ARD) plötzlich vor

Neben diesen antiquierten Ansichten zu geschlechtergerechter Sprache scheinen unangebrachte Vergleiche das Motto der Sendung zu sein. Vom Antiamerikanismus, der mit Rassismus gegen Schwarze gleichgesetzt wird, über die DDR-Diktatur, die mit Adolf Hitler und dem Islamischen Staat verglichen wird, bis hin zu besagtem Auftritt von Monika Gruber.

Diese hat sich – super innovativ – die „politisch Korrekten“ vorgenommen. Dass solch ein Begriff überhaupt negativ besetzt sein kann, sollte eigentlich mindestens Grund zum Kopfschütteln geben. Die Kinnlade runterklappen lässt einen dann aber ihr Ansatz, diskriminierendes Verhalten gegenüber Transfrauen, Hartz-IV-Empfänger_innen und People of Color mit Vorurteilen gegenüber Bayern zu vergleichen. Na klar, weil sie als Bayerin Witze über Bayern okay findet, müssen strukturell Benachteiligte Witze über sich ebenfalls wegstecken können. Man könnte meinen, Monika Gruber hätte die letzten Jahre tatsächlich im hintersten bayrischen Kaff verbracht und verpasst, dass es einen Unterschied zwischen struktureller Diskriminierung und Menschen aus Bayern gibt. Aber: „Es ist doch alles nur a Spaß“. Ach so, na dann.

Reality-Check mit öffentlich-rechtlichen Comedy-Formaten wie „Nuhr im Ersten“

Es heißt ja immer, durch die sozialen Medien seien alle nur noch in ihren „Filterblasen“ unterwegs und würden teilweise den Bezug zur Realität verlieren. Beim Reality-Check mit öffentlich-rechtlichen Comedy-Formaten wie „Nuhr im Ersten“ konfrontiert, ist man dann aber doch sehr froh, nach dem Ausschalten wieder in seine politisch korrekte (oh Schreck!) Bubble zurückkehren zu können. (Von Josephine von der Haar)

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