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Dieter Nuhr bei „Nuhr im Ersten“.
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Dieter Nuhr bei „Nuhr im Ersten“.

TV-Kritik zu Nuhr

„Nuhr im Ersten“ (ARD): Dieter Nuhr stürzt sich auf die Rassismus-Debatte und „Die letzte Instanz“

  • Katja Thorwarth
    vonKatja Thorwarth
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Warum besitzt Dieter Nuhr im vermeintlich mainstreammäßig links-grün-rot versifften ÖR diese Sendepräsenz trotz „Cancel Culture“?  

  • In der ARD-Sendung „Nuhr im Ersten“ stürzt sich Dieter Nuhr auf die WDR-Sendung „Die letzte Instanz“.
  • Das „Dschungelbuch“ dient Dieter Nuhr als Einleitung zur Rassismus-Debatte.
  • So ganz in die Tiefe will Dieter Nuhr bei dem Thema Rassismus aber nicht gehen.

Mit Dieter Nuhr ist es ähnlich wie mit der AfD. Stets wird der Vorwurf formuliert, warum der Mann solch eine Aufmerksamkeit erfahre. Warum so viel Energie für einen Kabarettisten freisetzen, von dem mittlerweile bekannt sei, wie der tickt. Warum ihn nicht mit Nichtbeachtung strafen?

Analog dazu gehörten auch die Blau-Braunen mancher Meinung nach einfach ignoriert – ganz so, als täten sie sich dann in Luft auflösen oder aus Schmach selbst dezimieren. Meine Haltung war stets, dass die AfD nicht durch Text groß geworden ist. Sondern ihr vielmehr Aufmerksamkeit zukommen muss, weil die extreme Rechte nicht erst seit der AfD existiert, durch diese aber in der sogenannten gesellschaftlichen Mitte wabert.

Der Job ist also analytische Aufklärung, und das macht keiner nur zum Spaß. Wenn der „Bachelor“ beispielsweise zwar als sexistischer, soziologisch zumindest hin und wieder nicht uninteressanter Trash durchgeht, ist „Nuhr im Ersten“ harte Arbeit. Die gemacht wird, weil „Cancel Culture“-Nuhr, – wir erinnern uns an seine „alten weißen Männer“ (D.N.), die angeblich nicht mehr mitreden dürfen –, der aktuell am meisten gesendete Kabarettist im Öffentlich-Rechtlichen sein dürfte.

„Nuhr im Ersten“: Dieter Nuhr stürzt sich in der ARD auf WDR-Sendung „Die letzte Instanz“

Seit 2009 reißt er in der ARD seine Witzchen, die zumindest in jüngerer Vergangenheit bevorzugt die Sorte von Menschen treffen sollen, die dem Reflexionsvermögen eines „alten weißen Mannes“ (D.N.) mehr abverlangen, als Altherrenwitze über Gender und Antirassismus. Stand 30. April 2020 sind das (Wiederholungen nicht eingerechnet) 3330 Minuten „Nuhr im Ersten“ (vormals „Satire Gipfel“) im TV. Mario Barth dürfte zwar noch präsenter sein, doch der zählt nicht, weil privat.

Die Frage bei Dieter Nuhr ist, warum er in dem angeblich mainstreammäßig links-grün-rot versifften ÖR solch eine Sendepräsenz trotz „Cancel Culture“ besitzt. Vielleicht, weil er genau das macht, was von all jenen goutiert wird, die angeblich „links“ liegen gelassen werden. Die Leute sollten öfter Fernsehen schauen als Netflix.

Kommen wir zur aktuellen Sendung. Gleich zu Beginn der Knaller: Dieter Nuhr wolle „jegliche Diskussion“ bezüglich Soßen „ungarischer Art“ vermeiden. Dass er sich auf die WDR-Sendung „Die letzte Instanz stürzen würde, war so sicher, wie Lisa Eckhart als Dauergästin.

„Nuhr im Ersten“: Dieter Nuhr - merkwürdiges Frauenbild und Linke als gefährliche Irre

Dieter Nuhr fing nicht unclever an. Beschimpft würde er, dennoch schauten so viele Menschen seine Sendung, und das, obwohl er über alles und jeden seine Witze mache. Mit dieser Erzählung macht er sich gerne unangreifbar, immerhin schieße er ja gegen alle. Es blieb hier beim Referat.

Nach Ingo Appelt, der ein merkwürdiges Mutter-, und ergo auch Frauenbild als Satire verkaufte, äußerte sich Dieter Nuhr zum Thema Impfung. Dazu fiel ihm zunächst nur das ein, was offensichtlich ist – ist das eigentlich auch Satire? –, um sich dann auf die Linke einzuschießen. Diese gefährlichen Irren wollen doch tatsächlich den Patentschutz für den Impfstoff aufheben zwecks schnellerer Impfstoffproduktion.

Oh Mann, dann verdienen die, die den Stoff entwickelt haben, tatsächlich weniger Geld. Wie blöd die sind, die checken einfach nicht, dass es ohne Marktwirtschaft gar keinen Impfstoff gäbe. Und die Rechten um die AfD, auch nicht besser. Die fragen sich nach wie vor, ob Corona überhaupt existiert.

Dieter Nuhr in der ARD: Rassismus-Diskussion familienkomform über das „Dschungelbuch“ eingeleitet

Dieter Nuhrs Fazit: „Meine ich das nur, oder sind an den politischen Rändern alle gleich irre?“ Nun, nicht ganz. Dass in einer Pandemie eventuell Ausnahmehandlungen erforderlich sind, um (crazy) Menschenleben zu retten, ist nicht generell gleichzusetzen mit potentieller Corona-Leugnung. Aber Danke, hatte schon geglaubt, das Hufeisen kommt heute nicht.

Das sollte aber nicht das Highlight sein. Denn das war selbstverständlich diese „Bescheidwisser“-Rassismus-Diskussion, die Dieter Nuhr zart und ganz familienkonform mit dem „Dschungelbuch“ einleitete. Den Klassiker hat Disney+ aufgrund „überholter und rassistischer Stereotype“ aus dem Kinderprogramm genommen; für Erwachsene ist der Film mit einem Hinweis abrufbar. Aber natürlich ist diese Causa als irrer Political-Correctness-Scheiß erst einmal leichter zu transportieren, als das eigentliche Thema.

„Nuhr im Ersten“: Keine Satire, sondern Stimmungsmache in der ARD

Denn so ganz in die Tiefe will Dieter Nuhr, der Rassismus für ein „großes Problem“ hält, einfach nicht gehen. Daher muss er die Zuschauer:innen zunächst mit dem „Dschungelbuch“ in Stimmung bringen, um sich der Zustimmung in puncto „Die letzte Instanz“ sicher zu sein. Natürlich sei die WDR-Sendung keine „Sternstunde“ gewesen, aber generell nähmen die Leute sowieso alles zu ernst. Das hat Janine Kunze ähnlich formuliert, aber sowieso war alles nur als „Unterhaltung“ gedacht.

Alles halb so wild, für ein großes Problem aber hält es Dieter Nuhr, wenn es heißt, Diskussionsteilnehmer:innen seien „zu liquidieren“. Oha, jetzt wird ein Szenario gezeichnet, als stünde der antifaschistische Mob mit dem Hackebeil vorm Schafott und warte auf die boulevardeske, alltagsrassistische Kundschaft. Das ist keine Satire, sondern Stimmungsmache und die Umkehrung der Verhältnisse in Sachen Bedrohung. Und wer übrigens Unterhaltung mit Diskriminierung verwechselt, der mag zwar von sich behaupten, gegen Rassismus zu sein. Er spielt aber auf einer anderen Klaviatur.

Das „amouröse ADHS“ bediente dann Lisa Eckhart. Aber irgendwann kann man auch mal aussteigen. (Katja Thorwarth)

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