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Dieter Nuhr in der ARD: Kalauer gegen das Anti-Impf-Getöse
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Dieter Nuhr in der ARD: Kalauer gegen das Anti-Impf-Getöse

Jahresrückblick 2021

Dieter Nuhr immer noch nicht „mundtot“ – und immer noch nicht lustig

  • Katja Thorwarth
    VonKatja Thorwarth
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Zunächst denkt die Zuschauerin: Hat Dieter Nuhr Kreide gefressen? Ist er womöglich Opportunist? Die FR-Kritik zum Jahresrückblick Nuhr 2021 in der ARD.

Frankfurt am Main – Tatsächlich war das Jahr 2021 in vielerlei Hinsicht einigermaßen anstrengend und insbesondere in Sachen Corona schlimm genug. Doch wer es kurz vor Schluss so richtig in die Tonne treten wollte, verfolgte den Rückblick des Cancel-Culture-Königs Dieter Nuhr in der ARD.

Und nein, niemand musste das tun, schon gleich gar nicht, wenn die 60 Minuten in der ARD angekündigt wurden à la: „Er macht, was er immer tut.“ Also seine Meinung beliebig unlustig vor sich hertragen und wieder den Beweis erbringen, dass das mit der „Mundtotmachung“ von Seiten der „Presseöffentlichkeit“ einfach nur eine Fake News ist?

Jahresrückblick Dieter Nuhr in der ARD: Leider immer noch nicht lustig

„So ein Pech, ich lasse mir drei Zehennägel ziehen“, sagte etwa ein Nutzer auf Twitter die Rezeption des mutmaßlichen Gagfeuerwerks bereits im Vorfeld ab. Aber Nuhr wäre nicht Nuhr, wenn er dem Nutzer nicht bestätigte, dass dieser von zwei Optionen die richtige gewählt hat.

Dieter Nuhr bei einem Auftritt im Jahr 2020.

Um eins vorweg zu nehmen: Dieter Nuhr ist immer noch nicht lustig, und viel lustiger als „es war ein Jahr der Heiterkeit“ sollte es auch nicht werden. Allerdings hatte er zumindest im ersten Teil der ARD-Show vor Publikum ordentlich Kreide gefressen: Seine „Anti-Querdenker“-Nummer kam arg gemainstreamt daher, beinahe gebrainwashed. Ganz so, als habe er aus der „Presseöffentlichkeit“ abgeschrieben, lässt man das obligatorische Karl-Lauterbach-Bashing („Fürst der Finsternis“) einmal außen vor – aber der wird nun mal von allen sogenannten Comedians ins Programm gewuchtet.

Nuhr also kalauerte gegen das Anti-Impf-Getöse, ohne wirklich etwas Eigenes beizusteuern, außer, dass es ihn ständig zwischen den Beinen zu jucken schien. „Erektionsstörungen wegen der Impfung“ hatten es ihm angetan, wobei selbstverständlich der seine Männlichkeit unterstreicht, der Genitalfixierung als „lustig“ markiert.

Dieter Nuhr (ARD): Witzchen hauptsächlich unter der Gürtellinie

Der Eindruck war zunächst: Nuhr hat seinen Anti-Gender-Cancel-Culture-Wahn gegen schlüpfrige Männerwitzchen eingetauscht. Drei Tage habe er seinen Penis „nicht hochgekriegt“, weiter witzelte er über Viren und Kot, Stuhlgang und Geschlechtsteile. Das war maximal unappetitliches Ballermannniveau, aber, sorry Dieter Nuhr, mehr auch nicht.

Neben Lauterbach arbeitete er sich immer mal wieder an Annalena Baerbock ab („ein stückweit mehr Frau als Habeck“) und natürlich unvermeidlich an Donald Trump und Joe Biden: „Irrer und Mumie – besser Hirntoter als Untoter“. Gähn.

Dieter Nuhr scheinen in der ARD die Fakten egal

Sollten sich wirklich seine Fans dafür nach Berlin in den Friedrichstadtpalast geschleppt haben? Natürlich nicht, denn Dieter Nuhr kann einfach nicht ohne sein Lieblingsthema. Wegen einer möglichen Schwangerschaft habe er sich gegen Röteln impfen lassen, schließlich sei das Geschlecht „eine soziale Konstruktion“. Na also, da ist er ja, der Nuhr, der normalerweise sein Gender-Problem in jedem zweiten Satz verwurstet.

„Heute muss man so genau aufpassen, was man sagt“, schließlich habe sich in diesem Jahr das Gendern durchgesetzt, und zwar „gegen den Willen der Mehrheit“. Yes, beziehungsweise aha, wo genau hat sich denn das Gendern durchgesetzt? Wer sich für die Rechtslage interessiert, findet beim Juraforum Erstaunliches: „Unternehmen, Zeitungen und sonstige Akteure in der Privatwirtschaft können grundsätzlich frei wählen, ob sie Gendern wollen und falls ja, welchen Ansatz sie dabei verwenden.“

„Gegen den Willen der Mehrheit“ unterliegt es also der Freiheit einer jeden Einzelnen, wie sie etwas sagt. Aber um das Faktische scheint es dem Kämpfer des Dudens von 1953 generell nicht zu gehen. Hier störte er sich an den Kolleginnen in den Sendern, die teils das Gendern in ihren öffentlichen Sprachgebrauch integrieren, und deutete eine nicht existente Gesetzmäßigkeit an. Geschenkt, seine Fans tobten, „Bravo“-Rufe für den Klartexter, der es endlich aussprach, dass sie „allen“ so „auf den Sack“ (D.N.) gehen, diese gendernden Weicheier.

Zur Sendung

Nuhr 2021 - Der Jahresrückblick (ARD). Sendung vom 21.12.2021. Die Sendung in der ARD-Mediathek.

So hingen sie an seinen Lippen, ließen sich erklären, dass „der Lehrer“ ein Neutrum, „Lehrerin“ die weibliche Form und überhaupt der Mann benachteiligt sei, weil es für ihn keine eigene Form gebe. Was natürlich voll lustig ist, aber gleichzeitig auch unfassbar wahr. Zumindest, wenn man (siehe oben) Kämpfer des Dudens von 1947 ist.

Comedian Dieter Nuhr mag einfach keine Veränderungen

Klitzekleine Frage: Dass das Neutrum historisch mit dem männlichen Personalpronomen „er“ gebildet wird, hat jetzt womit zu tun? Eventuell sogar mit patriarchalen Strukturen aka männlicher Herrschaft? I wo, bzw. Papperlapapp bzw. egal, schließlich ist Sprache „Kulturgut“. Gendern hingegen sei „politische Opportunität“, immerhin „leben [wir] nicht in 1984“.

Uuups, hat Dieter Nuhr das wirklich gesagt? Hat er und bediente sich jener Jahreszahl, die jeder zweite Verschwörungserzähler als Passwort für seinen Telegram-Kanal benutzen dürfte. Aber lassen wir das und halten fest, dass Nuhr einfach keine Veränderungen mag, ebenso wenig wie seine Fans, die es ihm euphorisch danken, wenn er das Leben mit dem Klimawandel propagiert, anstatt diesen verhindern zu wollen.

Wäre ja noch schöner, wenn die Leute mit schlechtem Gewissen in ihrem SUV zurück nachhause bretterten, anstatt sich über diese Gender-Trottel kaputtzulachen. (Katja Thorwarth)

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