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Kyle Allen als Mark und Kathryn Newton als Margaret.
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Kyle Allen als Mark und Kathryn Newton als Margaret.

Zeitreisefilm auf Amazon

„16 Stunden Ewigkeit“: Die Vollkommenheit im Kleinen

  • Daniel Kothenschulte
    VonDaniel Kothenschulte
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Premiere auf Amazon Prime: Der liebenswerte Zeitreisefilm „16 Stunden Ewigkeit“ von Ian Samuels

Die erste halbwegs brauchbare Zeitmaschine der Menschheitsgeschichte ist immer noch das Kino. Schon der Filmpionier Georges Méliès war ein Zauberer der Zeit, und man kann sich gut vorstellen, wie frustriert er gewesen sein muss, als um ihn herum das Kino erwachsen und geradlinig wurde.

Doch das Spiel mit manipulierter Zeit blieb über die Jahrzehnte lebendig: Seit den Surrealisten René Clair und Luis Buñuel grüßen noch immer in schöner Regelmäßigkeit „Time Bandits“ und Murmeltiere von der Leinwand. Nachdem schon im kurzen Kinosommer 2020 Christopher Nolans Zeitreisefilm „Tenet“ zum einzigen wirklichen Großereignis wurde, hat der Streamingkanal Amazon.prime nun eine verwandte Genreminiatur im Angebot.

„16 Stunden Ewigkeit“ folgt dem Murmeltier-Konzept

„16 Stunden Ewigkeit“ gehört zu den vielen Filmen, deren Protagonisten im Loop eines sich wiederholenden Tages gefangen sind. Dieser Einfall sollte für sich genommen kein Murmeltier mehr aus seinem Loch locken, selbst wenn diesmal gleich zwei Menschen in derselben Zeitschleife gefangen sind (auch das gab es erst letztes Jahr schon einmal in der Komödie „Palm Springs“, die gerade für zwei Golden Globes nominiert wurde).

„The Map of Tiny Perfect Things“ heißt dieser Film im Original, und schon die erste Sequenz gibt eine schöne Idee von seiner Liebe zur Vollkommenheit im Kleinen: Ein Teenager streift mit traumtänzerischer Sicherheit durch einen nur scheinbar neuen Tag. Souverän passt er jede Sekunde seines Weges perfekt ab, springt im rechten Augenblick auf die Ladefläche eines Trucks, um sich ein Stückchen mitnehmen zu lassen oder hilft Passant:innen bei Kleinigkeiten, noch bevor diese hätten fragen können. An einem Swimming Pool rettet er ein Mädchen galant davor, von einem Wasserball getroffen zu werden, doch so viel Perfektion kommt nicht von ungefähr: Mark, so heißt der von Kyle Allen gespielte Jugendliche, kennt den Tagesablauf aus gutem Grund in- und auswendig; jeden Morgen wiederholt er sich aufs Neue.

„16 Stunden Ewigkeit“, aber er langweilt sich nicht

Eleganterweise muss das Drehbuch, das Lev Grossman nach einer eigenen Kurzgeschichte schrieb, das nicht einmal erklären. Regisseur Ian Samuels lässt uns die Irrealität in seiner schönen Choreographie selbst entdecken. Wie der ganze Spuk einmal angefangen haben mag, bleibt dagegen – anders als im „Murmeltier“-Film – unserer Fantasie überlassen. Was indes auffällt an diesem gut gelaunten Helden: Nichts scheint ihn zu stören an seinen 16 Stunden Ewigkeit. Würde man sich in dieser Situation nicht bis zum Wahnsinn langweilen?

Anders als Bill Murrays Filmfigur in „Und täglich grüßt das Murmeltier“ sieht er sich auch nicht als Sisyphos, und eine Mission, die es zu erfüllen gäbe, hat er auch nicht. Er genießt einfach die Details seiner immer gleichen Wege, die in der Wiederholung für ihn eine besondere Schönheit offenbaren. Wenn das Wort „carpe diem“ jemals jemandem etwas bedeutet hat, dann diesem etwa 19-Jährigen.

Das ändert sich erst, als ihm eine Unregelmäßigkeit auffällt. Plötzlich ist da eine gleichaltrige Frau, die er noch nie gesehen hat. Die Lässigkeit, mit der die von Kathryn Newton gespielte Margaret ein Auto zu Schrott fährt, lässt vermuten, dass sie ebenfalls schon lange eine Gefangene dieses einen Tages ist. Er verliebt sich auf den ersten Blick, verliert sie sodann aber aus den Augen und muss erst eine Zeitlang nach ihr suchen.

Seine Freundin hat auf „16 Stunden Ewigkeit“ gewartet

Das gibt diesem Fantasy-Teenagerfilm eine zusätzliche Märchenhaftigkeit. Und wenn sie dann gemeinsam ihre ahnungslose Welt durchstreifen, die immer wiederkehrenden Augenblicke begrüßen, steigert sich noch einmal dieser Eindruck. Wie unter Schlafenden fühlt sich Mark, was einen Hauch von „Dornröschen“ in die Geschichte bringt. Doch während es ihn gleichwohl danach drängt, die ewige Wiederholung der schönen Eintönigkeit zu verlassen, hat seine neue Freundin eine andere Sicht darauf. Ihr ist die Schönheit der Nebensächlichkeiten einigermaßen egal. Ihre Mutter liegt im Sterben, und den Fluch der Zeitschleife hat sie sich deshalb herbeigewünscht.

Wer einmal bei Filmdreharbeiten zugeschaut hat, weiß, dass es dort eigentlich immer so zugeht wie in diesem Film: Jede Szene wird x-mal wiederholt, alle Statisten laufen immer wieder im selben Winkel über die Straße, und am Ende soll alles perfekt sein. Es ist der Zauber des Kinos, und Filmemacher haben leichtes Spiel, wenn sie ihn gekonnt in eine Geschichte übertragen. Ian Samuels zitiert seine Genrevorbilder offen; das Murmeltier wird erwähnt, Dialoge aus der Serie „Doctor Who“ um einen zeitreisenden Außerirdischen nerdig zitiert, und Terry Gilliams „Time Bandits“ ist sogar der Lieblingsfilm des Protagonisten.

Das glaubt er wahrscheinlich, uns älteren Zuschauern und Zuschauerinnen schuldig zu sein; gemacht hat er seine romantische Komödie aber für ein jugendliches Publikum, das die älteren Filme vermutlich gar nicht kennt. In der Kombination mit den Konventionen eines Teenagerfilms entsteht freilich etwas Neues.

Teeniefilme überhöhen wie kein anderes Genre den Augenblick. Sie handeln meist vom „letzten Sommer der Kindheit“ oder dem „ersten Mal“. Nur selten erzählen sie davon, was Jugend die meiste Zeit bestimmt – endlose Langeweile, Schule, Hausaufgaben, Vorstadt-Tristesse. Die Zeitschleife, in der dieses Paar steckt, ist die perfekte Metapher für diese Lebensphase wie man sie selbst in diesem Alter empfindet: Wie oft mag man sich später wünschen, man hätte mehr aus dieser Kaugummi-Zeit gemacht.

Unendlich schwer erscheint den Jugendlichen in diesem Film der Ausbruch aus der Zeitschleife. Dabei reicht Erwachsenwerden dazu vollkommen aus. Gern würde man sehen, wie es ihnen ergeht, wenn die Uhren wieder richtig gehen. Am besten im Kino – aber erst müssen wir selbst aus unserer Zeitschleife heraus, dem Lockdown.

16 Stunden Ewigkeit. USA 2021. Regie: Ian Samuels. 99 Min. Auf Amazon Prime.

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