„Die Spur der Mörder“: Im Treppenhaus. Ingo Thiel (Heino Ferch) und Winnie (Ronald Kukulies) stehen hinter dem SEK- Einsatzkommando, dessen Männer ihre Waffen bereithalten.
+
Ingo Thiel (Heino Ferch, l.) und Winni (Ronald Kukulies, r.) stürmen zusammen mit dem SEK Lorenzo Costas (Riccardo Ferreira) Wohnung.

TV-Kritik

„Die Spur der Mörder“ (ZDF): Montagskrimi von Duisburger Mafia-Morden inspiriert

  • Harald Keller
    vonHarald Keller
    schließen

Spannender Ermittleralltag: Der Montagskrimi im ZDF weist übereinstimmende Tatmerkmale mit den sogenannten „Mafia-Morden von Duisburg“ auf.

  • Der Montagskrimi im ZDF mit Heino Ferch und Ronald Kukulies als Ermittler.
  • Der Film lehnt sich an die Mafia-Morde von Duisburg im Jahr 2007 an.
  • Die Akribie polizeilicher Ermittlungen wird deutlich, aber nie langweilig.

ZDF - Ein Dokudrama hat das Autorenduo Fred Breinersdorfer und Katja Röder nicht verfasst. In ihrem Film geschieht das Verbrechen in Mönchengladbach. Das Lokal heißt „Fontana di Trevi“, nicht „Da Bruno“. Und doch gibt es übereinstimmende Tatmerkmale mit den sogenannten „Mafia-Morden von Duisburg“. 2007 starben dort sechs Personen im Kugelhagel, nachdem sie eine Pizzeria verlassen hatten und zu ihren Autos gingen. Die Tat glich einer Hinrichtung. Vierundfünfzig Schüsse sollen abgegeben worden sein.

„Die Spur der Mörder“ (ZDF): Kriminalistische Kleinarbeit

Im ZDF-Krimi Die Spur der Mörder“ sind es fünf Restaurantangestellte, die einem ähnlichen Überfall zum Opfer fallen. Leiter der Ermittlergruppe wird Ingo Thiel. Der von Heino Ferch gewohnt robust verkörperte Hauptkommissar war bereits 2017 in dem ebenfalls an Tatsachen angelehnten und vom selben Team verantworteten Film „Ein Kind wird gesucht“ aufgetreten.
Beide Filme sind Koproduktionen von Arte und ZDF.

Auch haben sie gemeinsam, dass Breinerdorfer und Röder die Arbeit der Kriminalermittler ungewöhnlich realitätsnah schildern. Hier gibt es keine „Pathologen“ anstelle von Rechtsmedizinern, keine aus dem Amerikanischen entlehnten „Forensiker“. Wohl aber forensische, also gerichtsverwertbare Beweise. Die zu erlangen erfordert minutiöse Kleinarbeit.

„Die Spur der Mörder“ führt im ZDF von Mönchengladbach nach Italien

Die Verbindung zur italienischen Mafia wird beim Montagskrimi im ZDF rasch deutlich, weil im Hinterzimmer des Restaurants ein M16-Sturmgewehr und Massen an Munition sichergestellt werden. Aus Italien fliegt die Interpol-Kollegin Carla Orlando (Verena Altenberger) ein, um zur Zusammenarbeit mit den Ermittlern im kalabrischen San Vitale beizutragen. Die deutschen Kriminalisten lernen schnell: Zwischen den italienischen Behörden herrscht Argwohn und Missgunst. Um sich hier zu behaupten, muss man als Polizist möglichst „bella figura“ machen. Und sich und seine Familie vor Attentaten seitens der Mafia hüten. Silvio Bertone (Stefano Viali) ist einer dieser Mafia-Jäger, aber vorsichtig bis sperrig, wenn es um die Zusammenarbeit mit den deutschen Kollegen geht.

In Mönchengladbach geht es unterdessen schrittweise voran. Die beiden Täter wurden, allerdings in dunkler Nacht, von der Überwachungskamera einer Tankstelle aufgenommen. Anhand der Höhe der Tanksäulen werden die Körpergrößen ermitteln. Mühselig auch, wie über die Form der Rücklichter des Fluchtwagens das Fahrzeugmodell festgestellt wird. Geschredderte Unterlagen müssen zusammengefügt, Schmauchspuren gesichert, DNA-Proben ausgewertet werden. Zudem gilt es, rechtliche Vorschriften einzuhalten. Staatsanwalt Zeller (Joachim Król) muss den Tatendrang seiner Ermittler gelegentlich ein wenig bremsen.

„Die Spur der Mörder“ (ZDF): Geduldsproben und Gesetzestreue

Das alles geht nicht so schnell vonstatten wie in den üblichen Fernsehkrimis von ARD und ZDF zwischen „Soko“ und „Tatort“. Immer wieder wird eingeblendet, wie viel Tage seit der Tat vergangen sind. Auch eine Entsprechung zu den Tatsachen: Bis der letzte Hauptverdächtige der Duisburger Morde festgenommen werden konnte, vergingen anderthalb Jahre.

Zur Sendung

„Die Spur der Mörder“, Montag, 12.10., ZDF, und in der ZDF-Mediathek.

Für Hobbydetektive hält der ZDF-Krimi „Die Spur der Mörder“ ungewollt eine Chance zum Mitmachen bereit

Dem Fernsehkommissar Ingo Thiel wird im ZDF viel Geduld abverlangt. Kein Wunder, dass er seine Nerven mit Zigaretten zu beruhigen sucht. Wie übrigens auch die italienische Kollegin. Dank der stringenten Inszenierung des im Frühjahr verstorbenen Schweizer Regisseurs Urs Egger wird die Akribie polizeilicher Ermittlungen deutlich, aber nie langweilig. Ein überzeugender Beleg, dass man auch ohne prätentiösen Gewaltkitsch fesselnde Kriminalgeschichten zustande bringen kann.

Für Hobbydetektive mit guten Augen hält „Die Spur der Mörder“ ungewollt eine Chance zum Mitmachen bereit: In den ersten fünfzehn Minuten ist dem Team ein kleiner Anschlussfehler unterlaufen. Leicht zu übersehen, aber wer genau observiert, könnte ihn entdecken. (Von Harald Keller)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare