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Hollywood sucht einen neuen Blick auf sich selbst: Filmstill aus „Kiki’s Delivery Service“ von Hayao Miyazaki im Academy-Museum, das im September eröffnet werden soll. Foto: 1989 Eiko KadonoStudio Ghibli-N
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Hollywood sucht einen neuen Blick auf sich selbst: Filmstill aus „Kiki’s Delivery Service“ von Hayao Miyazaki im Academy-Museum, das im September eröffnet werden soll.

Los Angeles und die Welt

Die Oscar-Academy: Hollywood ist überall

  • Daniel Kothenschulte
    vonDaniel Kothenschulte
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Die amerikanische Filmakademie setzt auf Diversität – im neuen Museum in Los Angeles und bei den Oscar-Nominierungen.

Eigentlich hätte die 93. Oscarverleihung schon am 28. Februar stattfinden sollen, die Corona-Pandemie verlangte eine Verschiebung. Die Veranstalterin, die Academy of Motion Picture Arts and Sciences in Los Angeles, setzte den 25. April fest – mit einem interessanten Zusatz: „Um die Show zu schaffen, die unser globales Publikum sehen will, wird die Zeremonie live von mehreren Standorten übertragen“, hieß es vergangenen Monat in einer Presseerklärung. Darin verbarg sich mehr als ein erweitertes Hygienekonzept: Global ist das neue Schlüsselwort.

Die wichtigste filmkulturelle Institution der USA erlebt derzeit die radikalste Transformation in ihrer Geschichte. Mehr als 90 Jahre galt sie als Repräsentantin des „Hollywood way of film making“, selbst unabhängige Filme aus dem eigenen Land hatten es schwer. Frauen und ethnische Minderheiten waren stark unterrepräsentiert, und der Oscar für den „besten fremdsprachigen Film“ zeugte kaum von mehr als einem Blinzeln über den Tellerrand.

Erst in den vergangenen Jahren verlangten die Oscars-so-white- und MeToo-Debatten nach einem radikalen Umdenken. In den vergangenen Tagen wurde deutlich, wie ernst es die Filmakademie mit dem Thema Diversität künftig nehmen wird. Am vergangenen Freitag wurde die Weltpresse zu einem virtuellen Rundgang durch den neuen Museumskomplex eingeladen, der nach etlichen Verschiebungen nun am 30. September eröffnet werden soll. Unter der funkelnden Glaskuppel, mit der Stararchitekt Renzo Piano den Um- und Erweiterungsbau einer ehemaligen Art-Deco-Shopping-Mall gekrönt hat, stellt sich die Filmgeschichte in einem völlig neuen Licht dar.

Filmpionier David Wark Griffith mochte mit seinem Bürgerkriegsepos „Die Geburt einer Nation“ die moderne Filmmontage etabliert und den Blockbuster begründet haben – doch sein Werk lieferte auch den Anlass zur Neugründung des Ku-Klux-Klan. Das Museum stellt sich dieser Debatte, indem es den lange vergessenen Gegenentwurf des afroamerikanischen Filmemachers Oscar Micheaux, den Stummfilm „Within Our Gates“ von 1920, in seine Dauerausstellung aufnimmt.

In der Sektion „Stories of Cinema“ steht Micheaux als einer von sechs ausgewählten Filmschaffenden in einer Reihe mit Hollywood-Maverick Orson Welles und seinem unbestrittenen Klassiker „Citizen Kane“. Daneben findet sich die weniger bekannte Komödie „Echte Frauen haben Kurven“ von Patricia Cardoso über eine junge Mexikanerin in Los Angeles. Martin Scorseses Editorin Thelma Shoemaker wird ebenso gewürdigt wie Martial-Arts-Legende Bruce Lee und der Bildgestalter Emmanuel Chivo Lubezki, dessen Kameraarbeit Filmemachern wie Alfonso Cuarón und Terrence Malick zugute kam. Hier wird offensichtlich ein Kanon umgeschrieben, der Jahrzehnte das Selbstverständnis Hollywoods getragen hat.

Herausragenden Einzelleistungen stellt Museumsdirektor Bill Kramer Augenblicke der Filmgeschichte gegenüber, „auf die wir nicht stolz sein können“: Entmenschlichte Karikaturen von Japanern in Cartoons aus dem Zweiten Weltkrieg oder die Behandlung der afroamerikanischen Schauspielerin Hattie McDaniel bei der Oscarverleihung 1940: Als sie für die Nebenrolle der Haushälterin „Mammy“ in „Vom Winde verweht“ geehrt wurde – eine rassistisch gefärbte Nebenfigur wie sie für die Repräsentation der schwarzen Bevölkerung damals typisch war – durfte sie nicht mit den anderen Nominierten am selben Tisch sitzen. Noch nie hat man sich am Ort der vermeintlichen Traumfabrik auch den Alpträumen ihrer Geschichte so offen gestellt.

Auch die jetzt vorgestellten Oscar-Nominierungen stehen für dieses neue Bekenntnis zu Diversität und Geschlechtergleichstellung. Erstmals wurden zwei Frauen in der Kategorie „Beste Regie“ gelistet, Emerald Fennell für ihre Sexismus-Rachegeschichte „Promising Young Woman“ und Chloé Zhao für das aussichtsreiche Dokudrama „Nomadland“. Sie sind lediglich die sechsten und siebten Frauen, die je in dieser Kategorie nominiert wurden, Zhao die erste „woman of colour“.

Dass unter den nominierten Schauspielerinnen und Schauspielern neun nicht weißer Hautfarbe sind, hat es auch noch nie gegeben. Besonders große Chancen werden dabei Viola Davis eingeräumt, die im Netflix-Drama „Ma Rainey’s Black Bottom“ die legendäre Bluessängerin verkörpert. Der Streamingdienst ist mit 35 Nominierungen der Platzhirsch unter den Studios – was einen weniger glücklichen Wandel einleiten könnte: das Ende der Kinokultur.

Der Netflix-Produktion mit den meisten Nominierungs-Kategorien, „Mank“, sieht man freilich nicht an, dass sie für das Heimkino in Auftrag gegeben wurde. David Finchers Gegenentwurf zur bekannten Produktionsgeschichte von Welles’ „Citizen Kane“, nun mit zehn Nominierungen bedacht, füllt das schwarzweiße Breitwandformat mit Qualitäten, die auch viele der besten Hollywoodklassiker für sich verbuchen konnten – vielfarbigen Charakterzeichnungen in einem eleganten, aber doch überraschenden Ausstattungsstück. Dass „Mank“ zugleich ein Kapitel Filmgeschichte neu erzählt, dürfte der „Academy“ besonders gut gefallen – genau das ist gerade ihr Programm.

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