Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Die Freundin des Toten (Anna Herrmann).
+
Die Freundin des Toten (Anna Herrmann).

Tatort „Hetzjagd“

Die Nazis und der größte Zufall der Welt

  • Judith von Sternburg
    vonJudith von Sternburg
    schließen

„Hetzjagd“, ein vermurkster Tatort aus Ludwigshafen.

Der Tatort aus Ludwigshafen erzählt eine hanebüchene Geschichte, allerdings scheint ihm das selbst nicht weiter aufzufallen. Wer das aber riskiert, einen irrwitzigen Zufall und dann noch einen, und das in einer Handlung, die an sich schon krass wäre, aber das reicht dann irgendwie immer noch nicht, wer also dermaßen auffährt, hat besser einen Masterplan.

Alles Denkbare kann auch eintreten, zweifellos, und warum sollten die Ermittlungen wegen eines rechtsextremen Anschlags nicht unerwartete Wendungen nehmen. Aber das Abwegige zum Leben zu erwecken, das ist eine Kunst. Ausgerechnet „Hetzjagd“ ist aber das einerseits Konventionellste, durch die Zumutungen an den gesunden Menschenverstand andererseits aber auch das versehentlich Verrückteste, das sonntagabends seit längerem geboten wurde. Das Team Odenthal / Stern, Ulrike Folkerts und Lisa Bitter, ermittelt nach einem Buch und unter der Regie von Tom Bohn. Die drei haben schon manchen Tatort zusammen gemacht, wie konnte es jetzt zu einem so verbauten, so lustlos wirkenden Krimi zu einem so virulenten Thema kommen?

Der Tote am Rheinufer ist ein Konzertveranstalter, der wegen seiner Reihe „Rock gegen rechts“ von der Naziszene bedroht wird. Die Staatsanwaltschaft sah keinen Grund für Polizeischutz, für den sich Lena Odenthal eigens eingesetzt hatte. Das naheliegende Thema einer fatalen Fehleinschätzung der Gefahrenlage seitens der Staatsgewalt wird aber eher pflichtschuldig abgearbeitet. Natürlich sind die Bekannten des Konzertveranstalters empört – darunter der Musiker Clueso in einer Cameorolle –, vor allem ist es seine Freundin, Anna Herrmann. Lena Odenthal ist ebenfalls empört. Es wird geschimpft, vor allem – wer weiß, was da noch kommt – wird bedeutungsvoll geschaut.

Der Nazi, der es auf den Konzertveranstalter abgesehen hat, Daniel Noël Fleischmann als junger aggressiver Dummkopf, erschießt unterwegs allerdings auch eine Polizistin, so dass die gezeigten Beamten und die „Rock gegen rechts“-Szene auf einer Seite stehen („klare Kante zeigen“, heißt es natürlich einmal). Ohnehin übernimmt jetzt bereits der Verfassungsschutz. Der Verfassungsschutz ist im Tatort ohnehin der große böse Bruder vom LKA. Und während vieles in „Hetzjagd“ so zusammenhanglos wirkt, als sähe hier keiner die „Tagesschau“, ist an dieser Stelle immerhin Lena Odenthal höchst skeptisch.

Mit Hedwig unterwegs

Der wirklich vertrottelte Nazi – man kann ihn nicht anders nennen, er ist nichts anderes – hat eine Freundin namens Hedwig, Anne-Marie Lux mit einer Art Beate-Zschäpe-Frisur. Hedwig ist intelligenter, aber nicht weniger böse als der Nazi, und sie ist schneller als die Spezialkraft der Polizei. Nach gelungener Flucht lernt sie im nächtlichen Ludwigshafen die Freundin des ermordeten Konzertveranstalters kennen.

Hier, das stimmt leider, verraten wir einen der riesigen Zufälle in „Hetzjagd“, aber wir tun es aus lauteren Gründen. Die nicht unwitzigen Szenen zwischen den beiden sind ein kleines Juwel in der Flut der Routine. Es hat Symbolcharakter, dass Hedwig an dieser Stelle – selbst ehrlich verblüfft – den untertriebenen Satz raushaut: „Was für eine Scheiße!“

„Tatort: Hetzjagd“, ARD, So., 20.15 Uhr.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare