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Faltenfrei
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Stella Martin (Adele Neuhauser) ist Kult in der Beauty-Branche.

TV-Tipp

Die Diva, die Gedanken liest - Komödie mit Adele Neuhauser

Ganz unterschiedliche Frauenbilder zeichnet die Komödie „Faltenfrei“. Sie alle gehen ebenfalls ganz verschieden mit Schönheitsidealen um. Das führt unweigerlich zu Konflikten, mit viel Wortwitz umgesetzt.

Berlin - „Wenn es schwierig wird, kaufen Frauen Lippenstift. Merk' dir das“, herrscht Stella Martin ihre Assistentin an. Sie gilt als Beauty-Ikone und hat diverse Lifestyle-Ratgeber verfasst. Erfolgreich - davon zeugt nicht nur der Pool im Garten ihrer Villa.

Auch ihrem Ego hat der Ruhm geschmeichelt - so sehr, dass sie nicht zuletzt ihrem Mann und ihren Töchtern unnahbar und fremd geworden oder geblieben ist. Um mit seiner Karriere- und Ehefrau sprechen zu können, muss der Gatte gar förmlich um ein Gespräch bitten.

Vom Altern hält Stella nicht viel. Zwar hat sie sich nie unters Messer gelegt, um jünger auszusehen. Dass sie nicht mehr die Jüngste ist, versucht sie aber weitgehend zu verdrängen. An ihrem Geburtstag stoppt sie ein Ständchen der Gäste mit den Worten: „Ab einem gewissen Alter gehen die Wörter 'Happy' und 'Birthday' getrennte Wege.“

Es sind Sprüche wie dieser, die die Komödie „Faltenfrei“ an sich schon lustig machen. Hinzu kommt, dass „Tatort“-Darstellerin Adele Neuhauser die Diva auf großartige Weise verkörpert. Die Gemeinschaftsproduktion von Bayerischem und Österreichischem Rundfunk ist im „Filmmittwoch im Ersten“ (20.15 Uhr) zu sehen.

Während Stella und ihre Familie sich entfremdet haben, die Assistentin sie vergeblich von einem neuen Selbstverständnis moderner Frauen zu überzeugen versucht und der Verlag das Foto der alternden Autorin lieber nicht auf das neue Buchcover drucken will, unterstützt sie den Chef einer Schönheitsklinik. Der verspricht potenziellen Kundinnen, nicht nur drei freie Wünsche, „sondern so viele Sie bezahlen können“. Als Bonus winkt die kostenlose Vergrößerung des G-Punkts. Sollte der Mann die Kreditkarte nicht herausrücken, könne die Frau mit einer Klitorisverkleinerung drohen, rät der Arzt.

Als Stella vermutet, dass ihr Mann eine Affäre mit ihrer Assistentin hat, geht sie zu ihrem Anwalt: „Ich will die Scheidung. Und im Zuge dessen will ich die Marke, die ich geschaffen habe.“ Doch der Vertraute führt ihr die Realität auf: Ihr letztes Buch war längst kein Bestseller mehr. Und ihr Mann, dessen Firma die Produkte ihrer Marke vom Körper-Peeling bis zur Anti-Falten-Creme herstellt, will genau diese Linie wegen sinkender Absatzzahlen einstellen. Kein Wort davon lässt sie gelten. Doch im Verborgenen fließen Tränen.

Schönheitswahn, falsch verstandene Ideale, Rollenbilder - das Thema des Films ist nicht neu und vielfach verarbeitet. Der Komödie gelingt das auf kurzweilige Weise - insbesondere durch die Gegenüberstellung von Stellas Töchtern: Während Fiona (Henriette Richter-Röhl) den emotionsarmen Etepetete-Stil ihrer Mutter fortzuführen scheint und den Babyspeck ihres Nachwuchses mit „Was willste machen? Fettabsaugen geht erst mit 18“ kommentiert, geht Johanna (Olga von Luckwald) auf Konfrontationskurs und führt der eitlen und unnahbaren Mutter unverhohlen und unverfroren deren Verhalten vor Augen.

Öffnen tun diese sich allerdings erst nach einem etwas kuriosen Zwischenfall: Nach einem Unfall nimmt Stella eine Überdosis Schmerzmittel. Plötzlich kann sie Gedanken anderer Menschen hören.

Das wirkt im ersten Moment etwas schräg und in der bis dato durch die Dialoge unterhaltsamen Komödie überflüssig. Auch Regisseur Dirk Kummer (u.a. „Herren“) räumt im Presseheft ein, dass er diese Wendung von Autor Uli Breé zunächst für nicht machbar hielt. Breé sei aber „erbarmungslos“. „Wenn er es für die Geschichte zwingend sieht, diskutiert er nicht“, so Kummer. „Gott sei Dank! Er hat einen angeborenen Riecher für wilde Konstellationen und Fantasie.“

Tatsächlich ergeben sich daraus nochmal neue Möglichkeiten. Nicht nur für Stella, die nun schonungslos erfährt, wie andere über sie denken. Auch das Publikum kommt auf seine Kosten: So kann Stella ausgerechnet bei Tochter Fiona keine Gedanken hören - die prompt und glaubhaft angibt, auch überhaupt nichts zu denken. Dafür beschäftigt Fionas Mann im Kopf bei derber Wortwahl vor allem eins: sein Mangel an Sex. dpa

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