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Aus „The 400 Tricks of the Devil“ von Georges Méliès, 1906.
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Aus „The 400 Tricks of the Devil“ von Georges Méliès, 1906.

Kino im Fernsehen

Die Arte-Mediathek: Stars in der Manege

  • Daniel Kothenschulte
    vonDaniel Kothenschulte
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Filmfest im Verborgenen: Die Arte-Mediathek hat sich zur virtuellen Kinemathek entwickelt.

Beinahe klaglos hat sich die Kinobranche in den Dauer-Lockdown gefügt – und dabei sogar ihren 125. Geburtstag verstreichen lassen müssen. Am 28. Dezember 1895 zeigten die Brüder Lumière im Pariser Grand Café ihre ersten Filme. Dazu schickten sie auch einem großen Zauberkünstler und Varietébetreiber eine Einladung, der dem neuen Medium bald eine ganz eigene Richtung geben sollte: Georges Méliès.

Mit einer liebevollen Dokumentation erinnert der Sender Arte in seiner Mediathek derzeit an den ersten – und vielleicht größten – aller Trickfilmer. Und das sei hier einmal Anlass, auch an Arte zu erinnern, und daran, welchen Zufluchtsort die Filmkunst inzwischen bei dem Straßburger Kulturkanal findet.

Denn es ist ja wirklich so: Schon lange bevor sich das neuerliche Kinosterben ankündigte, verschwand die klassische Filmkunst aus dem Programm der meisten öffentlich-rechtlichen Sender. Lediglich die Defa-Filmgeschichte ist durch das Engagement des Mitteldeutschen Rundfunks noch präsent. Immer kostbarer werden so die Perlen, die Arte präsentiert und in einer mustergültig angelegten Mediathek bereit hält. Denn auch das scheint ja den meisten Konkurrenten – Netflix und Amazon eingeschlossen – unmöglich zu sein: Das Filmangebot so zu katalogisieren, dass man auch findet, was man sucht. Und entdeckt, was man nicht kennt.

Eric Lange und Serge Bromberg, die Autoren von „Das Geheimnis Georges Méliès“, versorgen den Sender seit langem als „Dealer“ mit dem seltensten Stoff. Bromberg und seine Firma Lobster Films haben sich enorme Verdienste erworben, die Reste des überwiegend verschollenen Werks von Méliès zusammentragen. Nachdem der verarmte Filmzauberer 1923 all seine Negative in einem Akt der Verzweiflung verbrannt hatte, gaben nur noch lückenhafte, oft schlecht erhaltene Kopien einen Abglanz seiner Kunst; immerhin 200 seiner 520 Filme wurden aber über die Jahre wiederentdeckt.

Sogar eine handkolorierte Fassung seiner berühmten „Reise zum Mond“ konnte Bromberg schließlich ausfindig machen. Doch wie die Dokumentation mitreißend schildert, wurde während dieser Suche eine wahre Schatzkammer geöffnet. Ein Fund in der Washingtoner Library of Congress brachte nicht weniger als 80 Originalnegative des Filmemachers ans Licht. Méliès hatte sie mit Doppelkameras parallel zu den später zerstörten angefertigt. Ergänzend hält Arte ein reiches Angebot an Méliès-Werken (einige handkoloriert wie der zauberhafte 17-Minüter „Das Königreich der Feen“ – eine surreale Reise, die über den Meeresgrund, ins Innere eines Wals und schließlich zu einem Hexenschloss führt.

Wie eine gute Kinemathek führt das Filmangebot in der Arte-Mediathek durch alle Epochen der Filmgeschichte – und leistet sich dabei sogar umfassende Retrospektiven, wie sie längst aus den anderen Kanälen verschwunden sind.

Mit gleich vier Hauptwerken ist der Finne Aki Kaurismäki vertreten, „Ariel“ (1988), „Das Leben der Bohème“ (1991) „Wolken ziehen vorüber“ (1996) und „Der Mann ohne Vergangenheit“ (2002). Begegnet man jetzt Kaurismäkis trotzigen Eigenbrötlern wieder, diesem Kino der Armut und der Einfachheit, dem Glanz in den Gossen, scheint all das förmlich für den Lockdown gemacht. Sie erzählen vom unbesungenen Heldenmut und den Segnungen im Verzicht.

Ganz anders der Monumentalfilm „Circuswelt“ von Henry Hathaway: Als sich John Wayne, Claudia Cardinale und Rita Hayworth hier an europäischen Drehorten begegneten, durchlebte Hollywood gerade seine erste große Krise. Das superscharfe Technirama-Breitwandbild sollte eine Alternative zum Bildschirm sein, der überall die Kinos in die Knie zwang. Dabei übersah man gern, dass auch die Erzählform in die Jahre gekommen war. Daran hatte allerdings auch John Wayne als Artisten-Patriarch keinen geringen Anteil, der das Drehbuch des politisch umstrittenen Ben Hecht von seinem Lieblingsautor James Edward Grant umschreiben ließ. Das verprellte wiederum den designierten Regisseur Frank Capra, so dass Hathaway übernahm. Prächtig restauriert, verdient „Circuswelt“ dennoch ein Wiedersehen – als Dokument eines Kinos der Attraktionen, das auch im Untergang noch seinen Glanz verteidigt.

Wie eine Manege kann man die Filmgeschichte von allen Seiten betrachten – und dazu gibt Arte derzeit reichlich Gelegenheit.

Shirley Temple, der größte Kinderstar der dreißiger Jahre, ist als „Die kleine Prinzessin“ wieder zu entdecken, ein früher Farbfilm, von dem lange nur Schwarzweiß-Kopien existierten. Mit dem Koreaner Hong Sang-Soo würdigt Arte dagegen einen modernen Kinoerzähler, berühmt für seinen Minimalismus. Als der internationale Festivalbetrieb noch auf Hochtouren lief, war er einer ihrer produktivsten Zulieferer. Wie schön, nun in seinen frühen Filmen „Die Frau ist die Zukunft des Mannes“ und „Eine Kinogeschichte“ den Geheimnissen seiner Erzählkunst auf den Grund zu gehen.

All diese Filme sind noch Monate nach ihrer Ausstrahlung verfügbar, für andere muss man sich nach wie vor einen Knoten ins Taschentuch machen. Wenn man sie verpasst hat, sind sie verloren. Nur auf einen sei hier hingewiesen: Auch „Fanfan der Husar“ (Sonntag, 9.05 Uhr), der Mantel- und Degenfilm mit Gérard Philippe, hat nichts von seinem Reiz verloren. Schon 1951 verwies Regisseur Christian Jacques Hollywood in seine Grenzen und bevorzugte Originalschauplätze gegenüber Studiokulissen. Erstaunlich, wie viel Lust das alles bereiten kann, wenn man selbst kaum vor die Tür darf.

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