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„Die Anstalt“ im ZDF: Satire aus Solidarität zum iranischen Volk

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Von: Daland Segler

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Die Anstalt, ZDF, November 2022
In der Novemberausgabe der „Anstalt“ widmen sich Max Uthoff, Claus von Wagner und ihre Gäste Negah Amiri, Maike Kühl und Enissa Amani unter anderem den aktuellen Geschehnissen im Iran. © Screenshot ZDF

Claus von Wagner und Max Uthoff überlassen ihre „Anstalt“ zwei Iranerinnen – und erweisen dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk damit einen Dienst.

Frankfurt am Main – Neulich verschenkten Joko Winterscheidt und Klaas Heuer-Umlauf ihren Instagram-Account mit Hunderttausenden von Followern an zwei Vertreterinnen der iranischen Revolution. Jetzt zeigen zwei andere TV-Größen, die wie ihre Kollegen vom Privatsender als Komiker gelten, dass auch sie viel mehr sind als das. Max Uthoff und Claus von Wagner überlassen ihre „Anstalt“ ebenfalls weiblichen Stimmen des Aufstands gegen die mörderischen Mullahs: Enissa Amani und Negah Amiri.

Die stellt sich zunächst als „Stand-up-Comedian“ vor, aber komisch ist ganz und gar nicht, was sie zu sagen hat. Denn sie liest der deutschen Politik der vergangenen Jahre gründlich die Leviten – indem sie aufzählt, wie und wo und weshalb die Verantwortlichen hier versagt haben. Dass etwa Olaf Scholz viel zu lange gewartet hat, ein kritisches Wort zu dem Terror der Mullahs zu sagen. Auch seine skandalösen Formulierungen im dann spät veröffentlichten Tweet, von „unverhältnismäßiger Gewalt“ und dass Demonstrierende „ums Leben gekommen“ seien, erwähnt Negah Amiri, ebenso die grotesk harmlosen Sanktionen.

Die Anstalt im ZDF: Uthoff und von Wagner spielen das ahnungslose Rateteam

Die Liste der deutschen Verfehlungen und Zugeständnissen an den Iran ist sehr viel länger, wie sich dann im satirischen Quiz erfahren lässt, bei dem Uthoff und von Wagner das ahnungslose Rateteam spielen. Die beiden Frauen fragen, wer verantwortlich sei für die Unterstützung des Regimes in Teheran im Laufe der vergangenen 40 Jahre.

Beispiele: Wer nahm als erster NATO-Staat Anfang der 80er Jahre trotzdem wieder Beziehungen mit dem Regime auf? Welches Land stellte sich bis 2012 gegen die Sanktionen für den Iran? Der Bundespräsident welchen Landes gratulierte dem Mullah-Regime 2019 zum 40- jährigen Bestehen trotz Frauenunterdrückung und Massenhinrichtungen? Die so fatal richtige Antwort lautet immer „Deutschland“.

Zur Sendung

„Die Anstalt“, ZDF, vom Dienstag, 15. November. Zur Sendung im Netz.

Meike Kühl erklärt dann die Frauenverachtung und -Unterdrückung auch mit der Religion – und nicht nur der islamischen: „In allen Religionen geht es immer um untenrum.“

Die Anstalt im ZDF: Ein Beleg, wie wichtig der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist

Zum reinen und im vorgelegten Tempo kaum nachvollziehbaren Geschichtsunterricht geht es an das Lieblingsrequisit der „Iranstalt“, der Tafel. Claus von Wagner erläutert den schon 1914 entstandenen deutschen „Dschihad“, zeigt, wie deutsche Propagandisten des Islam in Kaiserreich und Nationalsozialismus ihre Netze sponnen, bis zu Khomeini, der auch Hörer des Nazi-Propagandasenders „Radio Zeesen“ war.

„Was bleibt übrig?“ fragt Enissa Amani am Ende. Und spricht die Verse: „dir, der dich das leid der menschen nicht berührt, geziemt es nicht, dass dir der name mensch gebührt“

Und uns bleibt übrig und möglich und nötig, Solidarität auf jede erdenkliche Art und Weise zu üben mit den Kämpfen des iranischen Volkes um Freiheit. Diese Sendung war ein Teil davon (und übrigens ein weiterer Beleg, wie wichtig der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist). Und so zeigen die Beteiligten am Ende zu den Klängen von „Baraye“, der Hymne des Widerstands, Bilder und Namen einiger Menschen im Iran, die das Mörder-Regime mit dem Tode bedroht. Vergessen wir sie nicht! (Daland Segler)

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