1. Startseite
  2. Kultur
  3. TV & Kino

Dickes Fell auf dünnem Eis

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Sylvia Staude

Kommentare

Was hat Minister  von Treunau (Thomas Heinze) vor Borowski (Axel Milberg) zu verbergen? Und was er mit dem Tod eines Journalisten zu tun?
Was hat Minister von Treunau (Thomas Heinze) vor Borowski (Axel Milberg) zu verbergen? Und was er mit dem Tod eines Journalisten zu tun? © NDR/Marion von der Mehden

25 Jahre nach der Barschel-Affäre nimmt sich der „Tatort“ aus Kiel des Falles an.

"Ich steh nicht so auf Krimis“, sagt Kommissar Borowski kühl zu Anfang seines neuen Falls. Die Distanzierung des fiktiven Ermittlers vom Genre ist freilich inzwischen ein Scherz, der einen mittellangen Bart hat. Noch älter ist der Fall, mit dem es Borowski – der milder gewordene Axel Milberg – und Sarah Brandt – Sibel Kekilli als überzeugend Kesse, Fleißige – am Rande zu tun haben: der Selbstmord oder eben Nicht-Selbstmord Uwe Barschels.

Der Kommissar muss sehr früh Karriere gemacht haben, denn der „Tatort“-Gucker erfährt: Er war an den ursprünglichen Ermittlungen beteiligt. Alle Achtung.

Der Tote in diesem Borowski-„Tatort“ von Eoin Moore (Drehbuch und Regie) hat auf seinem Boot Fotos versteckt, die 1987 in Genf gemacht wurden. Dort starb der CDU-Politiker Barschel in einer Badewanne. Außerdem treibt sich in der Wohnung des „Tatort“-Toten ein „Herr Minister“ rum, der vorgibt, nur die Katze zu füttern. Sehr verdächtig. Borowski schickt ihm den wohlfeilen Satz hinterher: „Politiker würden die besten Mörder abgeben, denn sie haben ein dickes Fell, wenig Kontakt zu ihren Gefühlen und einen vertrauten Umgang mit der Unwahrheit.“ Eine Talkshow-Gastgeberin ist außerdem involviert. Sie war einst mit dem Toten verheiratet. Der hatte recherchiert in Sachen Barschel. Sarah Brandt beginnt zu graben, zurück bis zum Jahr 1987, Borowski wünscht „bitte keine Verschwörungstheorie“.

Den Barschel-Fall, gerade wieder heftig im Gespräch, dergestalt neu aufzugreifen, scheint zunächst ein famoser Einfall (Idee zum Drehbuch: Fred Breinersdorfer). Doch was spannend beginnt, wird zunehmend zum Problem dieses Krimis. Denn vermutlich, weil über den Tod des Politikers immer noch gestritten wird, vermeidet es Drehbuchautor Moore in „Borowski und der freie Fall“, sich auf eine der beiden Seiten zu schlagen, der der Mord-Theoretiker oder der Selbstmord-Verfechter.

So eiert der Film furchtbar herum. Ein Teil der mysteriösen Geschehnisse findet eine Erklärung, ein anderer nicht. Schlimm ist dabei nicht, dass manches offenbleibt, sondern dass Wendungen und Verwicklungen unplausibel wirken.

„Wir sollen Sauerlands Tod aufklären und nicht Barschels“, sagt der Kommissar vernünftig. Ja, aber leider hat man den Zuschauer zuerst mit einem alten Rätsel gelockt.

Tatort: Borowski und der freie Fall, Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

Auch interessant

Kommentare