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"Titel Thesen Temperamente"-Moderator Dieter Moor.

TV-Kritik "Titel Thesen Temperamente"

Dialog Fehlanzeige

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Alles drin in diesem "TTT"-Extra zur Frankfurter Buchmesse. Was China angeht, hat auch Dieter Moor vergebens nach einer Veranstaltung gesucht, bei der der von der Messeleitung propagierte Dialog stattfand. Von Arno Widmann

Alles drin in diesem "Titel Thesen Temperamente"-Extra zur Frankfurter Buchmesse. Dan Brown und Frank Schätzing, Wolfgang Joop und Ma Jian. Dafür ist dann alles auch recht kurz. Aber meist doch sehr prägnant oder doch wenigstens anschaulich.

Dieter Moor geht zum Beispiel zusammen mit Hanna Poddig ("Radikal mutig - Meine Anleitung zum Anderssein", Rotbuch Verlag) in die Hinterhöfe der Bioläden und containert. Der Bio-Bauer Moor lässt sich das Bio-Radieschen - oder war es eine Mohrrübe? - aus der Mülltonne schmecken.

Dann teilt er uns mit, dass 40 - oder waren es gar fünfzig Prozent? - unserer Nahrungsmittel weggeworfen werden. Nicht von den Verbrauchern, sondern schon bevor sie diesen erreichen. Das ist Irrsinn. Aber eine der Grundlagen unseres Lebens. Was China und die Buchmesse angeht, hat TTT so wie wir vergebens nach einer Veranstaltung gesucht, bei der der von der Messeleitung propagierte Dialog stattfand.

Es gab keine Veranstaltung, bei der Vertreter der chinesischen Delegation sich irgendein Podium mit ihren Kritikern geteilt haben. Dialog, darauf macht TTT aufmerksam, ist nicht wenn Chinas Offizielle auf dem Podium mit den Offiziellen im Publikum diskutieren.

Das ist lehrreich für den Betrachter. Ein Dialog ist es nicht. Die Messeleitung hätte einfach sagen können, dass die chinesische Führung zu keinem Dialog bereit sei, dass die VR China aber viel zu wichtig sei, um nicht auch mal Gastland - die Bezeichnung "Ehrengast" gehört gestrichen - zu sein. Stattdessen wird das, was stattfindet, aber definitiv kein Dialog ist, wie von Orwell korrekt beschrieben, einfach Dialog genannt.

Dort aber, wo vielleicht kein Dialog, aber doch so etwas wie die Anerkennung einer Opposition, hätte stattfinden können, da wird die - siehe das heutige Feuilleton der Frankfurter Rundschau - wieder ausgeladen.

Auch mit Ma Jian gab es keinen Dialog. In seinem Buch "Peking Koma" (Rowohlt Verlag) beschäftigt er sich mit den Tienanmen-Ereignissen von 1989 und ihren Folgen. Er hätte sicher gerne auf einem von der Buchmesse organisierten Forum mit den offiziellen Vertretern über ihre und seine Sicht gestritten. Auch über "Red Dust: drei Jahre unterwegs durch China" (Verlag Schirmer/Graf) wäre es interessant gewesen zu hören, was die Offiziellen dazu zu sagen haben. Aber das wollten die Offiziellen nicht, und also wollte es auch die Buchmesse nicht. Der 1953 geborene Ma Jian lebt seit 1986 im Ausland.

Zuerst in Hongkong, dann in Deutschland und seit 1999 in England. Er kennt den Westen. Vielleicht betrachtet er uns darum mit so nüchternen Augen. TTT zitiert Ma Jian: "China hat jetzt Geld und damit wird es Euch Eure Werte abkaufen."

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