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Die Menschen träumen vom Fliegen.

Filmkritik „Deutschland von oben“

Deutschland aus der Luft

Deutschland von seiner besten Seite - aus der Vogelperspektive. Die Kinoversion der ZDF-Reihe "Terra-X" fliegt mit dem Zuschauer kreuz und quer durch die Republik. Die Dokumentation beeindruckt durch die enorme Qualität ihrer Bilder.

Von Philipp Bühler

Deutschland ist schön. Wer wollte das bestreiten? Die Kamera fliegt über die Alpen und zeigt uns ein paar Steinböcke. Majestätische Panoramen sind das, vom Berchtesgadener Land zum Karwendel, und Tiere gibt es offensichtlich nicht nur im Zoo. Wildgänse über Ostfriesland, Kegelrobben vor Helgoland – die Natur ist reich, auch im Norden. Aber ist der Rest nicht furchtbar zersiedelt? Die Hälfte des Landes, so heißt es im Kommentar zum Dokumentarfilm „Deutschland von oben“, wird landwirtschaftlich genutzt. Und das ist alles Natur. Die frisch gerodeten Äcker sind doch „wie gedeckte Tische für Störche“. Man muss nicht immer alles kritisch sehen.

Deutschland von seiner besten Seite

„Deutschland von oben“ zeigt unsere Heimat von ihrer besten Seite, das heißt aus der Luft. Alles Nähere regelt der Kommentar abgeklärt, nur selten hochfliegend. Es handelt sich bei diesem Film um die Kinoversion einer beliebten Reihe der ZDF-Serie „Terra-X“. Für die erhielten Petra Höfer und Freddie Röckenhaus bereits den Deutschein Kamerapreis, eine Nominierung für den Grimme-Preis erging ebenfalls.

Mit modernster Kamera geht es kreuz und quer durch die Republik. Der Lauf der Jahreszeiten bestimmt den zeitlichen Rhythmus, ansonsten sucht das Autoren-Duo vor allem nach thematischen Zusammenhängen: Nicht nur der Flug der Zugvögel, das Grünen der Wälder oder romantische Landschaften an Rhein und Mosel, sondern auch die großen Städte und Ballungsräume sowie Zentren der Energiegewinnung – Braunkohleabbau in der Lausitz, das Kernkraftwerk Grundremmingen – formen das deutsche Bild. Die so behauptete Homogenität mag fiktiv sein wie jede nicht-natürliche Grenze. In der inneren Vielfalt jedoch überzeugt eine gewisse kompositorische Ehrlichkeit: Deutschland ist nicht nur schön, sondern auch stark – jedenfalls aus der Luft. Dass die wiederum vom Jagdgeschwader Richthofen geschützt wird, wollte man so genau dann doch nicht wissen.

Menschen sind auch zu sehen, die meisten beim Oktoberfest. Die schrägen Bilder – es dominiert ein Aufnahmewinkel von etwa 45 Grad – erinnern ein wenig an die Wimmelbilder des Kinderbuchzeichners Ali Mitgutsch. Überhaupt kommt München gut weg, etwa als angebliche „Hauptstadt des Sommers“. Nach solchen Aussagen schaltet der Film flugs zum Hamburger Hafenfest, wo die Menschen ebenfalls Spaß haben. Am fröhlichsten sind sie in Berlin. Weil man aber das berühmte Nachtleben von oben schlecht zeigen kann, gibt es doch nur Bilder von Reichstag und Fernsehturm.

Wer das Land gut kennt oder sein halbes Leben vor dem Fernseher verbracht hat wie jeder gute Deutsche, wird insgesamt wenig Neues entdecken. Dennoch beeindruckt der Dokumentarfilm durch die enorme Qualität seiner Bilder. Das Fernsehen hat Deutschland klein gemacht, das Kino macht es wieder groß!

Deutschland von oben Dtl. 2012. Buch & Regie: Petra Höfer, Freddie Röckenhaus, Kamera: Peter Thomson u. a.; 110 Min., Farbe. FSK o.A.

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