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Benedict Cumberbatch als Greville Wynne in einer Szene des Films „Der Spion“.
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Benedict Cumberbatch als Greville Wynne in einer Szene des Films „Der Spion“.

Kino

„Der Spion“ im Kino: Der Spion, der in die Kälte kam

  • Daniel Kothenschulte
    VonDaniel Kothenschulte
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Schauspieler Benedict Cumberbatch ist das eigentliche Ereignis in einem eher unscheinbaren Agentenfilm.

Filmgenres sind Modeartikel, sie kommen und gehen. Wo sind zum Beispiel die vielen Kriegsfilme geblieben, die bis in die 70er Jahre fast wöchentlich in die Kinos kamen? Sie verschwanden mit ihrem Publikum, den alternden Männern, die ihren Krieg nicht aus dem Kopf bekamen. Der Kalte Krieg hat sich dagegen schon etwas besser auf der Leinwand gehalten. Wenigstens ab und zu erzählen noch Spionagefilme von Schattenkriegern, den unbesungenen Helden und den willigen Schachfiguren auf den Spielbrettern der Weltmächte. Aber auch Spionagefilme sind selten geworden, und die wenigen, die es im Schatten von James Bond noch ins Kino schaffen, sehen meist schon alt aus, wenn sie erscheinen. Das hat durchaus Methode.

Auch „Der Spion“ macht es sich in braun-grünen Farbtönen gemütlich, um in die Zeit zurückzublenden, als die atomare Bedrohung zum Greifen nah erschien. Unter dem Codenamen „Ironbank“ versorgte Ende der 50er und Anfang der 60er Jahre der russische Geheimoffizier Oleg Penkovsky den Westen mit Informationen. Ihr Wert ist umstritten, doch viel spricht dafür, dass seine Bilder von einer russischen Raketenbasis auf Kuba den Lauf der Geschichte beeinflussten. Während der Schweinebucht-Krise riskierte Kennedy die Konfrontation mit Russland, weil er nun einerseits beweisen konnte, dass es diese Raketen gab, sie andererseits aber auch nicht für einsatzfähig hielt. Penkovskys Geschichte endete tragisch nach seiner Verhaftung.

Ein Film über diese Ereignisse hat folglich wenig zu enthüllen; der georgische Schauspieler Merab Ninidze setzt Penkovsky immerhin ein kleines Denkmal: Glaubwürdig wird er stilisiert zum selbstlosen Friedenskämpfer, so kann man bereits einen kleinen Hauch von Gorbatschow in ihm erahnen. Das erhebt diesen tragischen Helden gleichwohl nicht aus seiner Nebenrolle.

Also greift der britische Theater- und Filmregisseur Dominic Cooke zu einem alten Genretrick: Er entscheidet sich für eine noch unscheinbarere Hauptfigur in dieser Geschichte, den britischen Agenten Greville Wynne. Rekrutiert als in Moskau aktiver Geschäftsmann, wird er zum Kontaktmann Penkovskys, dem „Kurier“ des originalen Filmtitels. Auch Gwynne wurde 1962 in Moskau festgenommen, überlebte jedoch und wurde später gegen einen Sowjetagenten ausgetauscht.

Benedict Cumberbatch in „Der Spion“: Kunstvoll drosselt er sich

Zum Ereignis wird diese historische Randfigur erst durch die Besetzung. Benedict Cumberbatch besitzt ein außerordentliches Talent, die Kraft seiner Leinwandpersona kunstvoll zu drosseln. Er gehört zu jenen Charakterdarstellern, die gleichzeitig fast unsichtbar erscheinen können, und dennoch eine Szene dominieren. Von uns gewöhnlichen Menschen erwarten Filmemacherinnen und Filmemacher ständig, dass wir uns mit anderen gewöhnlichen Menschen identifizieren. Diesen Gefallen tun wir ihnen aber erst, wenn jemand so außergewöhnlich wie Cumberbatch diese vermeintliche Unscheinbarkeit verkörpert. Aber genau darum geht es natürlich im Agentenfilm. Sähen Spione aus wie James Bond, wäre es nichts mit den verdeckten Operationen.

Gerne bewundern wir also diese Performance, die sich immer wieder neue Höhepunkte sucht: Etwa die Szene, als Gywnne von Penkovksy, seinem neuen russischen Freund, zu einer „Schwanensee“-Aufführung eingeladen wird. Vergessen sind alle musikalischen Sensationen, die im Jahre 1962 etwa aus Liverpool um die Welt gingen. Die Überwältigung durch diesen Kunstgenuss, die den einfachen Geschäftsmann überfällt, ist hinreißend. Es ist doch einfacher als man denkt, das Herz eines Agenten zum Schmelzen zu bringen.

Leider ist nicht alles so dankbar, was man Cumberbatch zum Spielen gibt. Vor allem im letzten Drittel kann der Film nicht glaubhaft unterfüttern, was er behaupten möchte: Vielleicht mag man dem gebildeten Russen noch glauben, dass er sein Leben für eine Friedensmission zu opfern bereit ist. Gwynne allerdings, der sich in seinem späteren Leben mit zwei Büchern zum Helden stilisierte, mag man seinen Einsatz nicht ganz glauben. Es ist ein wenig wie bei einer zum Scheitern verurteilten Spionagemission: Man sieht, worauf dieser Film hinaus will, doch je mehr er sich zur Heldengeschichte aufschwingt, desto weniger passt dies zum so gut getroffenen Rest. Es muss ja nicht immer der heroische Kaviar sein: Benedict Cumberbatchs bescheidener Held hätte sicher auch Glücksgefühle bei Rote-Beete-Salat.

Der Spion. GB 2020. Regie: Dominic Cooke. 118 Min.

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