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Der Schein trügt
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Und plötzlich hat Stojan (Goran Navojec) einen Heiligenschein.

Satire

„Der Schein trügt“: Witzig, fantasievoll, gedankenreich

Was macht mickrige Männer zu mächtigen? Der serbische Autor und Regisseur Srđan Dragojević gibt in seiner unterhaltsamen Satire eine eindeutige Antwort auf die Frage: Bösartigkeit.

Berlin - Es beginnt wie ein verrückter Traum: Kriegsflüchtling Stojan aus Serbien bekommt im Waschraum des Slums am Rande von Belgrad, wo er 1993 mit Frau und Tochter haust, einen Heiligenschein verpasst. Unübersehbar umstrahlt plötzlich ein Lichtkreis sein Haupt.

Stojan will die Erscheinung loswerden. Laut einem Priester hilft es, wenn er sämtliche Todsünden begeht. Aber ob Völlerei oder Ehebruch: nichts funktioniert. Doch je widerwärtiger Stojan sich gebärdet, umso höher steigt er in der Gesellschaft auf.

Regisseur Srđan Dragojević setzt sich in drei Episoden um Stojan, dessen Familie und einige seiner Bekannten mit satirischer Schärfe und mit tragisch-düsterem Humor zum einen mit dem Missbrauch und Verfall von über Jahrtausende gepriesenen christlichen Werten auseinander.

Zum anderen entlarvt er effektvoll die Methoden skrupelloser Politiker, die ihre Macht mit krimineller Energie erbeuten und festzurren. In Stojan (Goran Navojec) lässt sich so mancher Mächtige unserer Tage entdecken.

Die drei oft surreal anmutenden Storys reichen bis in die nahe Zukunft. Eine der Erzählungen beleuchtet die Verführungskraft von Bildern. Da mausert sich der Film in einigen starken Szenen zu einer düsteren Analyse heutiger Zustände in der sogenannten westlichen Welt. Es wird deutlich, wie enorm die Gefahr ist, dass große Menschengruppen leicht manipulierbar sind, wenn sie mit Lug und Trug dazu gebracht werden, den Grundwerten der Demokratie zu misstrauen.

Das exzellente Schauspiel-Ensemble und eine virtuose Bildsprache prägen den Film wesentlich. Viele Momente begeistern mit geradezu versponnen anmutender Fabulierlust, andere mit derbem Humor und einige mit wohltuender Lebensweisheit.

Wie schon in seinem 2012 mehrfach auf der Berlinale und auf anderen Festivals ausgezeichneten Welterfolg „Parada“ verzichtet der serbische Regisseur Srđan Dragojević auf jegliches vordergründige Moralisieren. Er setzt auf Spannung und Witz und übersprudelnde Fantasie. Das ist ebenso unterhaltsam wie zum Nachdenken anregend.

Der Schein trügt, Serbien, Deutschland, Nordmazedonien, Montenegro, Slowenien 2021, 122 Min., FSK ab 16, von Srđan Dragojević, mit Goran Navojec, Ksenija Marinković, Bojan Navojec dpa

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