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„Der Pass“, Staffel 2, startet auf Sky: Der Deifi schläft ned

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Von: Sylvia Staude

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Sie schauen den Bösen ins Herz.
Sie schauen den Bösen ins Herz. © Hendrik Heiden/Sky Studios/Sky Deutschland/W&B Television/epo-Film

Endlich folgt die zweite Staffel der fabelhaften Thriller-Serie „Der Pass“.

Einst von Bill Clintons Wahlkampfteam erfunden wurde ein seither vielfach genutzter Spruch: It’s the economy, stupid! Hier soll er einmal mehr abgewandelt werden: Es ist die Atmosphäre, Leute! Denn wenn man darüber nachsinnt, was in erster Linie die deutsch-österreichische Thriller-Miniserie „Der Pass“ von Cyrill Boss und Philipp Stennert so besonders machte, was nun auch die von heute an bei Sky verfügbare zweite Staffel so besonders macht, dann ist es die bittere Konsequenz, mit der Kälte und Dunkelheit, Schnee und Wald eingefangen werden (Kamera: Philip Peschlow).

Aber dann denkt man: Moment, sind es nicht genauso die großartige Julia Jentsch als Ellie Stocker und der großartige Nicholas Ofczarek, die nicht wenige der Tatort-Ermittlerinnen und -ermittler schlagen? Wie diese beiden gucken, was sie in ihre stillen Blicke legen, vor allem in die stillen, das spricht Bände. Im Januar 2019 lief die erste Staffel von „Der Pass“, die Dreharbeiten für die zweite mussten 2020 unterbrochen werden. Aber Jentsch und Ofczarek können auch das: von einem Moment auf den anderen um Jahre gealtert aussehen.

Das alles ist kein Klacks

Denn diese Serie tut auch nicht so, als wäre das alles ein Klacks, ermordete Frauen einsammeln, Serienmördern in die Augen schauen. „Der Deifi schläft ned“, der Teufel schläft nicht, ist ein prophetischer Satz. Ellie Stocker ist nach dem ersten gemeinsamen Fall ein Jahr beurlaubt und therapeutisch betreut worden, trotzdem hat sie Panikattacken. Gedeon Winter, auf den in der letzten Einstellung von Staffel 1 geschossen wurde, muss nach Koma und langem Krankenhausaufenthalt ständig Schmerztabletten einwerfen. Eine Kugel steckt ihm noch im Kopf. So, das wird ihm klargemacht, kann er nicht zurück in den Polizeidienst. Höchstens „Berater“ sein ohne Befugnisse.

Wieder geht es um einen Serienmörder, dass er mit dem Quälen von Tieren beginnt, folgt dem Lehrbuch, dass er Jäger ist, gibt ihm erstmal Gelegenheit. Bis ihm Hirschkühe nicht mehr genügen. Er kommt außerdem diesmal aus der Schublade der Reichen, Privilegierten, in familiärer Kälte Aufgewachsenen. Dominic Marcus Singer zeigt einen Psychopathen, der im Handumdrehen sympathisch und charmant sein kann. Sein großer Bruder, Christoph Luser, sorgt indessen durch Mauscheleien mit der Politik dafür, dass die Firma läuft und ein riesenhaftes Bauprojekt so genehmigt wird, dass es ordentlich Profit bringt.

Die eigentliche Handlung ist es also nicht, die „Der Pass“ so außergewöhnlich macht. Es ist die Souveränität, mit der Zeitsprünge (vor und zurück) und Details eingefügt werden, die erst viel später einen Sinn ergeben. Aber wenn man erst einmal verstanden hat, dass zum Beispiel eine Spieluhr nicht einfach so gezeigt wird, wird man sich doch erinnern, wenn sie wieder auftaucht (und ein wenig stolz sein, dass man so aufmerksam war).

Wenn es also an Staffel 2 etwas zu kritteln gibt, so dass es nach acht knapp einstündigen Folgen schon wieder vorbei ist. Die man auch noch (fast) in einem Rutsch gucken muss, der meisterhaften Cliffhanger wegen.

„Der Pass“, Staffel 2: Sky Deutschland. Und „zeitnah“ in der ZDF-Mediathek.

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