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Freunde fürs Leben dank Winnetou

Erstellt:

Von: Marc Hairapetian

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„Der junge Häuptling Winnetou“: Mika Ullritz (Winnetou), Lola Linnéa Padotzke (Nscho-tschi), Milo Haaf (Tom Silver), der Sibirische-Wolfhund-Husky Felix und FR-Autor Marc Hairapetian beim Interview im Münchner Hotel Bayerischer Hof.
Mika Ullritz (Winnetou), Lola Linnéa Padotzke (Nscho-tschi), Milo Haaf (Tom Silver), der Sibirische-Wolfhund-Husky Felix und FR-Autor Marc Hairapetian beim Interview im Münchner Hotel Bayerischer Hof. © Yvette Dankou

Interview mit Mika Ullritz, Lola Linnéa Padotzke und Milo Haaf, den jugendlichen Stars aus „Der junge Häuptling Winnetou“.

Frankfurt/München – Jenseits der Debatte um „Redfacing“ und kulturelle Aneignung ist Mike Marzuks „Der junge Häuptling Winnetou“ (läuft seit 11. August bundesweit in den Kinos) ein Abenteuerfilm, der den romantischen Geist der Karl-May-Adaptionen aus den 1960er-Jahren wieder auferstehen lässt. Vor allem die jugendlichen Darsteller haben in ihm einen wirklich erstaunlich guten Job gemacht. Unser Mitarbeiter Marc Hairapetian traf mit seinem Sibirischen-Wolfhund-Husky Felix die jungen Stars Mika Ullritz (Winnetou, heute 14 Jahre alt), Lola Linnéa Padotzke (Nscho-tschi, 12), und Milo Haaf (Tom Silver, 14) am 7. August, dem Tag der Weltpremiere, zum Interview im Fünf-Sterne-Hotel Bayerischer Hof in München. 

„Der junge Häuptling Winnetou“: Interview mit Mika Ullritz, Lola Linnéa Padotzke und Milo Haaf

In eurer Generation sind „Harry Potter“ und Marvel-Filme angesagt. Kanntet ihr schon vorher Karl May und die Verfilmungen seiner Werke?

Mika Ullritz: Ich habe einige Winnetou-Filme gesehen und finde sie spannend.

Lola Linnéa Padotzke: Das lustige ist, dass ich gestern erst einen Winnetou-Film zum ersten Mal gesehen habe, also den „echten“ aus den 1960er Jahren. Ich muss sagen, unser Film ist dagegen sehr viel harmloser.

Milo Haaf: Bei mir ist es so, dass ich tatsächlich schon vorher total gern Western angeschaut habe. Mein Opa sieht gern Western und mein Vater deswegen auch. Deswegen habe ich nicht nur die Winnetou-Filme gesehen, sondern auch andere Western. „Der Schatz im Silbersee“ ist mein Lieblingsfilm.

„Der junge Häuptling Winnetou“

Exklusives Interview mit Mehmet Kurtuluş und Anatole Taubman zu kultureller Aneignung, „Redfacing“ und unsere Angst-Gesellschaft.

Meiner von den Karl-May-Western auch. Ich habe noch Winnetou-Darsteller Pierre Brice persönlich kennengelernt. Bei meinen Interviews mit ihm hat er meinen damaligen Husky-Labrador Hokis immer mit Hähnchenbrust-Filet im Berliner Hotel Adlon gefüttert.

Mika, Lola und Milo (wie aus der Pistole geschossen im Chor): Cool!

Ist das eine Traumsache für euch gewesen, „Cowboy und Indianer“ zu spielen? Heute sagt man übrigens kaum noch Indianer. Besser man sagt die Ureinwohner Amerikas.

Mika: Ich weiß. Ich fand es echt super, ihn zu spielen. Schwierig war es nur ab und zu. Winnetou ist ja sehr ruhig und seinen in die weite Ferne gerichteten Blick nachzumachen, war manchmal ganz schön anstrengend für mich. Aber ansonsten war es für mich mit der Crew und den Schauspielern sehr schön.

Lola: Also, ich fand es schon toll, eine Apachin zu spielen. Meine Mutter, die Schauspielerin ist, liebt die Rolle der Nscho-tschi, weil sie die Filme kennt. Sie hat mir die Rolle erklärt und Bilder gezeigt. Sie hat mich auch für das E-Casting vorbereitet und mir die Zöpfe gemacht. Für mich war es zuerst schwer, Nscho-tschi zu spielen, denn früher war ich eher schüchtern. Und Nscho-tschi ist mutig und steht breitbeinig da. Das musste ich auch erst lernen.

Milo: Als ich für das E-Casting meine Szenen zu Hause aufgenommen habe, hat mein Vater direkt gesagt: ‚Das bist ja du!‘, weil ich mich wirklich in der Rolle sehe. Tom quasselt sehr viel und das mache ich ja auch. Hätte ich selbst entscheiden dürfen, ich hätte nur diese Rolle genommen! Und so ist’s auch gekommen. Es hat wahnsinnig viel Spaß gemacht, den Tom verkörpern zu dürfen.

„Der junge Häuptling Winnetou“: Lampenfieber beim Dreh

Wenn ich richtig informiert bin, ist dies deine erste Filmrolle Milo. Hattest du beim Dreh Lampenfieber?

Milo: Ich weiß noch als wir - Mika, Lola und ich - zum Dreh in die Wüste gefahren sind und im Auto saßen, da macht man sich schon Gedanken. Du denkst an das ganze Team. Da steckt viel Geld und Verantwortung dahinter. Da war ich schon sehr aufgeregt. Die beiden waren dabei. Ich habe dann zu Lola gesagt: „Man kann sich ja die Aufregung durch drei teilen.“ Dann ging’s! Ab dem 
ersten Drehtag hat es mir einfach nur noch Spaß gemacht.

Mika, Du bist durch dein Mitwirken in der Seifenoper „Sturm der Liebe“ und dem Kinofilm „Fack ju Göthe 3“ schon „Profi“. Bist du noch am Set aufgeregt?

Mika: Hier schon. Denn es ist ja eine Neuverfilmung beziehungsweise eine Vorgeschichte von einer alten, sehr erfolgreichen Filmreihe. Das Genre „Western“ ist auch neu für mich. Und ich habe immer noch Lampenfieber. Auch deshalb, weil man am Anfang immer Angst hat, wenn man etwas falsch macht, und sich fragt: Ist dann jemand sauer auf mich? Aber das habe ich bei jedem Film. 
Es legt sich dann nach dem ersten Drehtag und alles ist wieder gut.

Lola: Bisher habe ich fast ausschließlich in Krimis wie „Kommissarin Lucas“ und „Maria Mafiosi“ mitgespielt, die ich damals dann gar nicht ansehen durfte, weil ich noch zu klein gewesen bin. Man hat sich da immer sehr um mich gekümmert. „Der junge Häuptling Winnetou“ ist mein erster Kinofilm mit Premiere. Das macht mich in jedem Fall aufgeregt!

Mika: Mich auch. Aber jetzt geht es. 

Milo: Ich freue mich einfach, den Film zu sehen. Wir alle drei. (Mika und Lola nicken zustimmend)

Und macht euch Interviews geben auch Spaß oder ist das anstrengend?

Mika: Mir schon. Das macht uns allen Spaß, oder?

Milo: Klar!

Lola: Mir auch.

„Der junge Häuptling Winnetou“: Auseinandersetzung mit den Ureinwohnern Amerikas

Ihr Blutsbrüder bzw. Blutsgeschwister, wollt Ihr alle professionelle Schauspieler werden?

Milo: Ich bin jetzt nach „Der junge Häuptling Winnetou“ in eine Agentur gekommen und habe gerade in „Himmel, Herrgott, Sakrament“ unter der Regie von Franz Xaver Bogner im BR eine Rolle gespielt. Erst vor ein paar Tagen war mein letzter Drehtag. Ich lasse es auf mich zukommen. Mit dem Schauspielen mache ich jetzt erst mal weiter, weil es mir einfach Spaß macht. Vielleicht wird es ja auch mein Beruf.

Mika: Ich möchte schon Schauspieler werden und das für mein ganzes Leben weiterführend machen.

Talent hast du auf jeden Fall.

Mika: Danke schön!

Lola: Eigentlich habe ich vor, Schneiderin zu werden, aber wenn es sich ergibt: Schauspielerin könnte ich mir auch sehr gut vorstellen.

Sind euch durch den Film die Ureinwohner Amerikas näher gekommen? Wisst ihr, dass Sie im Laufe der Jahrhunderte von weißen Eindringlingen doch sehr ungerecht behandelt worden sind?

Mika: Natürlich, das ist sehr traurig. Vor dem Film hatten wir uns noch nicht so intensiv mit dem Thema beschäftigt, aber durch den Dreh haben wir viel gelernt. Auch in „Der junge Häuptling Winnetou“ sieht man, dass sie sehr mit den Weißen gekämpft haben, um nicht zurückgedrängt zu werden und beispielsweise Nahrung und Fell für den Winter zu verlieren.

Milo: Mit dem Thema setzt man sich automatisch auseinander. Wir haben alle durch „Der junge Häuptling Winnetou“ mehr darüber gelernt. Es ist für mich sehr wichtig, noch mehr über dieses Thema zu erfahren.

Lola: Mir sind vor allem die Frauen der amerikanischen Ureinwohner näher gekommen. Ich weiß, dass viele von Ihnen Blasrohre hatten, aber auch Pfeil und Bogen oder Tomahawks, und dass sie sehr mutig waren.

FilmtitelDer junge Häuptling Winnetou
RegieMike Marzuk
DrehbuchMike Marzuk, Gesa Scheibner
ProduktionEwa Karlström, Andreas Ulmke-Smeaton, Christoph Fisser, Bernd Schiller
MusikWolfram de Marco, Fabian Römer
KameraAlexander Fischerkoesen
SchnittTobias Haas

„Der junge Häuptling Winnetou“: Anekdoten vom Dreh

Könnt ihr eine besondere Film-Szene herausheben oder eine lustige Anekdote zum Dreh erzählen?

Lola: Hinter den Kulissen ging es manchmal lustig zu. Wir hatten eine Angewohnheit, Klopfstreiche zu machen. Wir haben an die Türen geklopft und sind dann weggerannt. Aber einmal wurden wir dabei erwischt …

Mika: Das haben wir dann aber auch schnell sein gelassen! (alle lachen) Zum Dreh: Als Tom Silver, also Milo, Fußschmerzen hatte vom Reiten ohne Sattel und er sich Aloe Vera auf die Wunde am Po geschmiert hat, war das schon witzig. Und die Szene, als ich von zwei Bandenmitgliedern von der Klippe gestoßen und das mit einem Dummy gemacht wurde, werde ich nie vergessen.

Milo: In dem Hotel, wo wir alle drei waren, gab es einen Fitnessraum mit Laufband und einem großen Gymnastikball. Da ist uns auch schon viel Komisches passiert. Einmal ist der Ball unters Laufrad geraten. Das Laufrad ging dann nach oben und der Ball kaputt.

Lola: Danach ist uns aufgefallen, dass man erst mit 16 ins Fitnessstudio darf und dort sogar eine Überwachungskamera installiert ist.

Milo: Wir hatten ein paar Tage Angst, wenn die Mitarbeiter vom Hotel auf uns zukamen. Im Film fand ich die Szene sehr lustig, wo ich Mika alias Winnetou eingestehe: „Ich sag‘s dir nur ungern, aber ich muss mal.“ Dafür wurde extra eine Flasche mit einem kleinen Loch darin präpariert und in diese lauwarme Fanta, die gelblich aussieht, gefüllt. Da mussten wir alle lachen.

Ihr harmoniert ja prächtig miteinander! Seid ihr Freund fürs Leben oder ist das für euch nur eine gemeinsame Erfahrung am Set gewesen?

Mika: Auf jeden Fall. Ich würde schon sagen, dass wir sehr gut zusammengewachsen sind und uns im Privatleben auch manchmal treffen.

Milo: Vor allem unsere gemeinsamen Ausflüge ans Meer, die wir in unserer Zeit in Andalusien gemacht hatten, waren sehr schön. Aber wir treffen uns auch jetzt noch ab und zu. Und dies nicht nur zur Premiere von „Der junge Häuptling Winnetou“. (Interview: Marc Hairapetian)

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