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„Der geheime Garten“: Menschliche Selbstfindung mit digital wachsenden Blumen

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Von: Marc Hairapetian

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 Das versnobte Waisenmädchen Mary Lennox (Margaret O`Brien) entdeckt im verwilderten Garten eines englischen Landhauses neue Lebensfreude.
Das versnobte Waisenmädchen Mary Lennox (Margaret O`Brien) entdeckt im verwilderten Garten eines englischen Landhauses neue Lebensfreude. © MDR/DEGETO

Deutsche Free-TV-Premiere im BR (6. Januar, 14.30 Uhr): Neuverfilmung des Kinderbuch-Klassikers „Der geheime Garten“ mit Colin Firth.

Frankfurt - Hollywood und auch das Vereinigte Königreich setzen in den letzten Jahren vermehrt auf Remakes eigener Klassiker, die oftmals qualitativ nicht mit den Vorgängern mithalten können. So ist es auch bei „Der Geheime Garten“ anno 2020, der wegen der COVID-19-Pandemie einige Monate verspätet in die Kinos kam und nun im BR seine deutsche Free-TV-Premiere feiert: Die elfte Verfilmung des Kinder- und Jugendromans von Frances Hodgson Burnett (1849 - 1924) seit der ersten, noch stummen Adaption aus dem Jahr 1919 kann seine Magie aufgrund des zum Teil sterilen CGI-Looks mit seinen digital wachsenden Blumen nicht wirklich entfalten. Dabei hatten „Harry Potter“-Produzent David Heyman, der auch Quentin Tarantinos herrlich analoge Swinging-Sixties-Hommage „Once Upon a Time in Hollywood“ (2019) co-produzierte, und sein Regisseur Marc Munden, welcher zuvor mit einer Folge aus der Amazon-Sci-Fi-Reihe „Philip K. Dick’s Electric Dreams“ brillierte, noch bewiesen, dass sie mit digitalen Effekten umzugehen vermögen. Immerhin gibt die britische Schauspieler-Allzweckwaffe Colin Firth als erst desinteressierter, dann fürsorglicher Onkel (und Vater) eine gut austarierte Figur ab.

„Der geheime Garten“: Neuverfilmung mit Colin Firth

Die 10-jährige Mary Lennox (Dixie Egerickx) ist ein echter Wildfang. Leider bekommt sie von ihrem Vater und ihrer Mutter, die mit ihr in Indien leben, nicht viel Aufmerksamkeit geschenkt. Als die Eltern und das Kindermädchen an der Cholera sterben, wird sie zu ihrem Onkel Lord Archibald Craven (Colin Firth) nach England geschickt. Nachdem sie auf dem abgelegenen Landgut in den Yorkshire-Mooren ihren kranken, aber eingebildeten Cousin Colin (Edan Hayhurst) getroffen hat, der in einem Flügel des großen Hauses eingesperrt ist, entdeckt sie noch weitere gut gehütete Familiengeheimnisse. Das größte von ihnen lüften die beiden Kinder zusammen mit Dickon (Amir Wilson), dem Bruder des Dienstmädchens, bei der Entdeckung eines wundersamen Gartens, der nach dem Tod von Cravens Gattin, die ihn zusammen mit ihm einst angelegt hatte, versteckt und zugewuchert auf dem Gelände von Misselthwaite Manor einen Dornröschenschlaf hält. Dieses kleine Paradies auf Erden soll für Mary und Colin zu einem abenteuerlichen Ort avancieren, der ihr Leben für immer verändern und ihre Seelen heilen wird.

RolleDarsteller:in
Mary LennoxDixie Egerickx
Colin CravenEdan Hayhurst
DickonAmir Wilson
Lord Archibald CravenColin Firth
Mrs. MedlockJulie Walters
AliceMaeve Dermody
MarthaIsis Davis

Vor allem die Kino-Versionen von 1949 und 1993 gelten heute als cineastische Meisterwerke. Bei Fred M. Wilcox sind alle Szenen, die im blühenden geheimen Garten spielen, in Farbe, der Rest in Schwarz-Weiß gedreht. Neben dem einfühlsamen Spiel von Kinderdarstellerin Margaret O’Brien besticht die fantasievolle Musik Bronisław Kapers. 44 Jahre später schuf Agnieszka Holland ein von dichter Atmosphäre und genauer Psychologie geprägtes Kleinod menschlicher Selbstverlorenheit und Selbstfindung. Alle Melodramatik wurde durch eine Fülle von märchenhaften Zügen, Symbolik und Metaphern sowie ebenfalls hervorragende kindliche Darstellungen von Kate Maberly, Heydon Prowse und Andrew Knott abgemildert. Nun ist Dixie Egerickx keine Margaret O’Brien und auch die zwei Jungs, die nicht wirklich ins historische Ambiente passen, können an das unverbrauchte Spiel früherer Protagonisten anknüpfen. Wenn sie mit einem kleinen Hund wie im Rausch den „Geheimen Garten“ durchstreifen, geht dem Zuschauer allerdings doch noch das Herz auf.

Colin Firth spielt zum zweiten Mal in einer Verfilmung von „The Secret Garden“ mit

Auf Dauer gelingt es aber nur Oscar-Preisträger Colin Firth (2011 für „The King’s Speech“), das Interesse des Zuschauers zu fesseln, obwohl er nicht die größte Rolle hat. Es ist übrigens das zweite Mal, dass er in einer Verfilmung von „The Secret Garden“ (Originaltitel) mitspielt. Die andere wurde 1987 fürs Fernsehen gedreht. Damals gab er den erwachsenen Colin Craven. Punkten kann neben den Schauplätzen - ein Teil des Films wurde in Yorkshire gedreht, ein anderer in den Iford Manor Gardens in Wiltshire und in den Bodnant Gardens in der Nähe von Conwy in Wales, die in ihrer Schönheit an sich keine digitalen Verfremdungen nötig gehabt hätten - auch hier wieder der romantische Score von Dario Marianelli (2008 Golden Globe und Oscar für „Abbitte“). Man darf aber davon ausgehen, dass das neueste Remake des Bestsellers nicht den Kult-Status der oben zitierten Filme erlangen wird. Es bietet gepflegte Unterhaltung - nicht weniger, aber auch nicht mehr. (Marc Hairapetian)

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