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Der Fall Emma Bovary
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Jennifer Jones als Emma und Louis Jourdan als Rodolphe in der Verfilmung von Vincente Minelli (1949).

TV-Tipp

„Der Fall Emma Bovary“: Romanfigur auf der Anklagebank

Eine Ehefrau mit lasziven Gedanken und Drang nach Freiheit: Das galt 1857 in Frankreich als obszön. Der Roman „Madame Bovary“ bescherte Gustave Flaubert einen Strafprozess. Die Geburt einer Ikone.

Berlin - Eine Frau mit tausend Gesichtern: Die Titelfigur aus Gustave Flauberts Skandalroman „Madame Bovary“ (1856) fasziniert bis heute.

Ihr Leben ist bis zum letzten Atemzug ein Skandal: Mit ihren Seitensprüngen, ihren Schulden und ihrem Begehren entspricht sie in keiner Weise dem üblichen Frauenbild ihrer Zeit. Emma Bovary hat in mehr als 150 Jahren Abermillionen Leserinnen und Leser in ihren Bann gezogen. Die Doku „Der Fall Emma Bovary“ nähert sich am Mittwoch um 22.30 Uhr auf Arte diesem Phänomen an.

Flaubert ist 35 Jahre alt, als ihn der Skandalroman - sein Erstling - über Nacht in ganz Frankreich bekannt macht. Im Januar 1857 beschert ihm das Werk einen Platz auf der Anklagebank des Pariser Kriminalgerichts. Der Vorwurf der Zensoren: Unsittlichkeit und Verherrlichen von Ehebruch. Flaubert geht ohne große Hoffnung in den Prozess: „Ich erwarte keine Gerechtigkeit. Ich werde meine Haft antreten und selbstverständlich niemanden um Gnade bitten. Denn das würde mich wirklich entehren“, wie er in einem Brief schreibt.

Staatsanwalt Ernest Pinard - Verfechter der prüden Moral - sieht die Gefahr, dass der laszive Ton, das Ausbrechen aus Ehe und Mutterrolle die Frauen Frankreichs vom rechten Weg abbringen könnte. Ganze vier Tage lang wird vor Gericht laut aus dem Buch vorgelesen. Natürlich nur mit dem Ziel, sich nach jeder Passage über den Inhalt aufzuregen.

Nicht nur Flaubert, auch seiner fiktiven Titelheldin wird der Prozess gemacht. Der Staatsanwalt wirft ihr vor, sie habe noch nicht einmal den Versuch gemacht, ihren Mann - einen plumpen Landarzt aus der Provinz - zu lieben. Man muss sich die Biederkeit der Zeit vor Augen halten, um den großen sozialen Sprengstoff darin zu überblicken.

Zwar hatte die Französische Revolution die Scheidung eingeführt, dieser Fortschritt wurde aber später in der Zeit der Bourbonen-Könige wieder vom Gesetzgeber einkassiert. Emma Bovary, eine Frau, die den falschen Mann geheiratet hatte, sich diesen Fehler in Gedankenspielen offen eingestand und erst in Gedanken und dann auch in Wirklichkeit Ehebruch begeht - das konnte nur in einen öffentlichen Eklat münden. Fünf Jahre lang hatte Flaubert sich das Meisterwerk hart abgerungen.

Mit vielen Filmausschnitten und Zitaten erzählt die Dokumentation die Geschichte des Falls Bovary. Am Ende gewinnt der Schriftsteller - und damit auch seine Heldin - den Prozess. „Madame Bovary“ ist mehr als 900 Mal übersetzt worden und zählt zu den meistgelesenen Romanen der Welt, der Filmregisseure in aller Welt immer wieder inspiriert hat. Emma zählt bis heute zu den am häufigsten dargestellten Heldinnen. dpa

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