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Tierische Weihnachten: „Der Clan der Füchse“ bei Arte

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Von: Teresa Vena

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Fuchs-Familie zu Weihnachten: Die sozialen Spannungen sind ähnlich wie beim Menschen.
Fuchs-Familie zu Weihnachten: Die sozialen Spannungen sind ähnlich wie beim Menschen. © Screenshot aus der Arte Mediathek

Arte zeigt an Weihnachten einen Tierfilm, der das bewegte Leben in den Bergen zeigt. Dramen und Glücksmomente in der Fuchsfamilie sind unseren nicht unähnlich.

Gran Paradiso – Auf 4000 Meter Höhe, im Massiv des Gran Paradiso, sorgt sich eine Fehde, ein weiblicher Fuchs, um ihre Welpen. Es ist Winter, alles ist schneebedeckt, das Futter knapp. Die Murmeltiere und Hasen, die zur Hauptbeute der Rotfüchse gehören, sind entweder im Winterschlaf oder so gut getarnt, dass es dem Fuchsvater schwerfällt, ihnen nachzustellen. Er hat die Aufgabe, Futter für sich und seine Familie zu besorgen, während die Mutter bei den Kleinen bleibt. Letztere sind nämlich noch völlig unselbstständig.

Wie man es bei der gemeinen Hauskatze kennt, sind auch die Fuchswelpen die ersten zehn Tage ihres Lebens blind. Sie sind kaum 100 Gramm schwer und entsprechend sehr schwächlich. So führt einen der Dokumentarfilm „Der Clan der Füchse“ von 2021 bei Arte in die harte Lebensrealität der weitesten verbreitete Raubtiere ein. Der abendfüllende Film der französischen Regisseure Anne und Erik Lapied konzentriert sich auf den natürlichen Kreislauf der Natur.

Ab in die Berge: Dokumentarfilm-Duo auf der Suche nach dem „Clan der Füchse“

Das Ehepaar hat bereits mehrere Tier- und Naturfilme gedreht und wie in „Der Clan der Füchse“ sich dabei auf Motivsuche in die Berge begeben. Sie begleiten eine Fuchsfamilie während eines gesamten Jahres. Der Film beginnt im Spätwinter und endet im Winter. Die Welpen, die zu Beginn der filmischen Reise frisch auf die Welt kommen, sind am Ende erwachsene Geschöpfe. In dieser Zeit werden sie einiges erlebt haben. Der Mythos des „schlauen Fuchses“ bestätigt der Film auf Arte interessanterweise in Teilen.

Der Rotfuchs ist erstaunlich anpassungsfähig. Das zeigt sich beispielsweise rund um den Bau der Tiere. Position und Form folgen einer präzisen Strategie. Kleinere Tiere müssen sich in Acht nehmen, Füchse sind intelligente Spurenleser und haben ein gutes Gedächtnis. Sie brauchen zwei Kilogramm Fleisch pro Woche, dafür müssen verschiedene Vogelarten genauso wie übermütige Murmeltiere oder unbeobachtete Kitze herhalten. Gejagt wird bei Tag wie bei Nacht, wenn es sein muss. Als direkte Feinde haben die Füchse im Wesentlichen nur Wölfe, Raubvögel können sich aber auch ihren Jungen, wortwörtlich, vergreifen.

Erbarmungslose Natur: Film zeigt die harte Realität ebenso wie ein gewisses Werteverständnis

Die Regeln der Natur sind erbarmungslos, zeigt der Dokumentarfilm. Es gilt das Gesetz des Stärkeren. Aber Werte wie Familie lassen sich ebenfalls finden. Die Füchse und ihre wilde Welt leben einen Gemeinschaftssinn vor, der dem Menschen nicht fremd ist. Unter den Tieren herrschen strenge Hierarchien, die sich auf das Alter, aber auch auf das Geschlecht und damit auf die soziale Funktion des Einzelnen beziehen. Rüden stehen zuoberst. Sie führen die Familie an. Nur ein einziger erwachsener Rüde wird innerhalb eines Clans toleriert, werden die Welpen geschlechtsreif, müssen sie fortziehen und ihre eigenen Familien gründen.

„Clan der Füchse“

Wo? Arte

Wann? 24. Dezember, um 20.15 Uhr

Oder: In der Arte-Mediathek (bis 21.02.2023)

Wie bei den Menschen kann es aber sein, dass es Außenseiter gibt, die statt in Familien, als Einzelgänger oder Nomaden durch die Welt streifen. Der Dokumentarfilm auf Arte bemüht sich, verschiedene Lebensformen der Füchse zu erörtern, auch wenn der Clan in den Bergen immer im Vordergrund bleibt. So erinnert der Film nämlich auch daran, dass ein massiver Unterschied zwischen den Füchsen besteht, die im städtischen Gebiet zu finden sind und denen, die in der wilden Natur leben.

„Clan der Füchse“: Die Bilder sprechen für sich

Beide haben es aber ähnlich hart, das vermittelt „Clan der Füchse“ eindrücklich. Die Bilder sprechen dabei meist für sich. Dennoch wird der Film von einer weiblichen Erzählerstimme kommentiert. Diese ist an sich bemüht sachlich, doch verfällt sie auch immer wieder in einen Tonfall, der etwas Einschmeichelndes hat. Obwohl der Text ernst ist, er überwiegend von einer ernüchternden, harten Lage erzählt, wirkt die vortragende Stimme so, als würde es sich um das Vortragen eines Märchens handeln.

Fuchs-Familie zu Weihnachten: Die sozialen Spannungen sind ähnlich wie beim Menschen.
Fuchs-Familie zu Weihnachten: Die sozialen Spannungen sind ähnlich wie beim Menschen. © Screenshot aus der Arte Mediathek

Diese Diskrepanz irritiert über weite Strecken hinweg, zwischenzeitlich schafft man es aber, sie zu ignorieren, da die Pracht der visuellen Ebene überwiegt. Tatsächlich besticht „Clan der Füchse“ auf Arte durch die reichhaltigen und spektakulären Aufnahmen, die die Tiere aus nächster Nähe porträtieren. Eindeutig sind sie das Resultat einer minutiösen Recherche, eines großen Geduldsbeweises und zeugen von ebenso großem Respekt gegenüber ihrer Protagonisten. (Teresa Vena)

In Zusammenarbeit mit dem ZDF hat Arte zuletzt eine Dokumentation über Alice Schwarzer herausgebracht.

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