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„Der Beschützer“ im Ersten: Die Mörder warten schon

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Von: Harald Keller

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Der Beschützer: Jan (Tobias Oertel, re.) und Rasha (Sabrina Amali, Mitte) versuchen Hamsa (Aziz Dyab, li.) von einer schlimmen Tat abzubringen.
Jan (Tobias Oertel, re.) und Rasha (Sabrina Amali, Mitte) versuchen Hamsa (Aziz Dyab, li.) von einer schlimmen Tat abzubringen. © ARD Degeto/Boris Laewen

In einem Kriminalfilm im Ersten erleben zwei Personenschützer und eine Kronzeugin zwischen Hannover und Hamburg tödliche Gefahren.

Frankfurt – Kriminalfilme rund um die Tätigkeit des Personenschützers bieten nur wenig Variablen. Erwarten darf das Publikum, dass sich Leibwächter und Schützling auf eine Odyssee begeben. Gezwungenermaßen, denn in Aufpasserkreisen gibt es beinahe immer einen Verräter. Manchmal treibt der oder die Schutzbefohlene ein doppeltes Spiel. Das Spiel verläuft ein wenig wie in der Geschichte vom Hasen und vom Igel. Die Killer sind immer schon da. Oder lassen nicht lange auf sich warten.

Das Autorenduo Michael Ehnert und Oke Stielow bedient dieses Muster und meistert dabei die Herausforderung, den Spielraum zwischen den genannten Konstanten interessant und fesselnd zu füllen. Ihr Film, der von Philipp Osthus inszeniert wurde, hat ein Thema von Belang: den Schmuggel von Chemikalien, aus denen sich Giftgas herstellen lässt. Leider keine reine Fiktion.

„Der Beschützer“: Ein Reeder geht in den ewigen Ruhestand

Die Schweizer Reederei Beerenberg ist in solche Geschäfte verwickelt. Illegal, lukrativ – und lebensgefährlich. Als Inhaber Urs Beerenberg (Markus Graf) in Port Said weilt, dringen zwei Bewaffnete in sein Hotelzimmer, schießen seine Bewacher über den Haufen und schicken auch ihn ohne Zimpern über den Styx. Die Rohlinge hätten die Geschäftsführerin Fiona Weibel (Marlene Tanczik) gern gleich miterledigt, aber die kann sich gerade lange genug verstecken, bis draußen die Polizeisirenen ertönen.

Als Konsequenz aus dem Erlebten stellt sie sich den Behörden als Kronzeugin zur Verfügung. Sagt sie jedenfalls. Zuständig ist der Internationale Seegerichtshof in Hamburg. Ein Krimischauplatz, der nicht alle Tage geboten wird. Die ägyptischen Polizisten geleiten Weibel bis nach Hannover. Dort wird sie in die Verantwortung der BKA-Leute Jan Schäfer (Tobias Oertel) und Marco Lansing (Slavko Popadic) übergeben.

Krimi im Ersten: Beschützer von Jugend an

Schäfer bekommt von den Autoren eine Biografie zugemessen, die bis in die Gegenwart nachwirkt. Er ist mit seiner jüngeren Schwester Swantje (Paula Conrad Hugenschmidt) auf einem Obstbauernhof aufgewachsen. Beide hatten eine schwere Kindheit. Swantje wurde heroinsüchtig und verschwand. Schäfer lässt nach ihr suchen, erhält Nachricht, wenn eine Drogentote gefunden wird. Die Wahl des Berufes könnte darauf zurückzuführen sein, dass er schon als Knabe als Swantjes Beschützer wirken musste.

Und die anhaltende Sorge um die Schwester könnte etwas sein, was ihn in entscheidenden Momenten an angemessenen Reaktionen hindert. Auch Kollege Lansing ist nicht immer ganz bei der Sache, weil eben Vater geworden. Und das Kleine hält seine Frau mächtig auf Trab, raubt ihr den Schlaf und die gute Laune.

Natürlich sind die Auftragsmörder längst bei der Arbeit. Was immer Schäfer und Lansing auch anstellen – und sie verstehen ihren Job –, sie können die Häscher nicht abschütteln. Es geht kreuz und quer durch Niedersachsen, von einem Versteck zum nächsten, in gestohlenen Autos. Unermüdlich, ständig witternd, ohne Absicherung, denn Schäfer und Lansing gewahren sehr bald, dass irgendjemand in den eigenen Reihen falschspielt. Aus Vorsicht agieren sie fortan auf eigene Faust. Ob das die richtige Entscheidung war, sei dahingestellt.

RolleDarsteller:in
Jan SchäferTobias Oertel
Fiona WeibelMarlene Tanczik
Marco LansingSlavko Popadic
RashaSabrina Amali
JörgensenHenning Hartmann

„Der Beschützer“ im Ersten: Blond, bestechlich und böse

Inzwischen wird in Hamburg der Prozess vorbereitet. Die kaltschnäuzige Claire Beerenberg, ein bisschen zu Comic-nah mit der platinblonden und meist stechend dreinblickenden Anne Müller besetzt, ist die Tochter des Opfers, Erbin und zugleich Rechtsvertreterin ihrer Reederei. Sie hat Fiona Weibel bereits unverhohlen davor gewarnt, gegen das Unternehmen auszusagen.

Ihr Gegenpart ist die syriendeutsche Juristin Rasha (Sabrina Amal), die im Pressematerial der ARD anders als die übrigen Figuren seltsamerweise keinen Nachnamen abbekommen hat. Gemeinhin spricht man nur Kinder mit Vornamen an. Das schmeckt leicht unangenehm nach Abqualifizierung. Von der Rolle her unangebracht, denn Rasha ist eine wichtige Figur in diesem komplexen Spiel.

„Der Beschützer“

Samstag, 12. Februar 2022, 20.15 Uhr, Das Erste, Mediathek

Und das ist trotz der vielen bekannten Elemente sehr spannend geraten, erhält gehörigen Drive auch von der zünftigen, aber nicht aufdringlichen Musik des Komponisten Maurus Ronner.

Ein paar Lässigkeiten haben sich trotz der sonst überzeugenden Machart denn doch eingeschlichen. Einmal wird die bedrohte Zeugin in einem Raum mit unverhängten Panoramafenstern und direktem Ausgang nach draußen untergebracht. Leichter kann man es gewieften Attentätern nicht machen. Ein andermal läuft Weibel völlig ungedeckt über einen nach allen Seiten offenen Platz. Es ist nur eine Vermutung, aber das Curriculum für Personenschützer sieht bestimmt ein anderes Vorgehen vor. (Harald Keller)

Auch die ARD-Serie „Ein Hauch von Amerika“ bietet tolle Bilder und eine starke Besetzung, kann jedoch nicht durchgängig überzeugen.

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