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Tom Cruise, 53, auf der Tragfläche eines Flugzeugs. Und auch in „Mission: Impossible – Rogue Nation“ macht er seinen Job.

„Mission: Impossible“

Ist es denn die (Un)möglichkeit!

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Wie ein Rock-Konzert mit alten Hits: Der fünfte „Mission: Impossible“-Film „Rogue Nation“ hält, was er verspricht.

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Eine Behörde, die das Wort „unmöglich“ im Namen führt, sollte sich nicht wundern, wenn plötzlich ihre Abwicklung beschlossen wird. Selbst Ikea hat seinen Slogan „Das unmögliche Möbelhaus aus Schweden“ schon lange aufgegeben. Die Unmöglichkeit ist in realistischen Zeiten offensichtlich selbst unmöglich geworden.

Als „mutwillige Zündelei“ bezeichnet der von Alec Baldwin gespielte CIA-Chef Hunley die „Impossible Mission Force“ gleich zu Beginn und verkündet ihre sofortige Schließung. Und niemand ist da, der zu ihrer Ehrenrettung einwerfen könnte, Tom Cruise habe als Ethan Hunt doch schon in vier „Mission Impossible“-Filmen das Unmögliche möglich gemacht. Und dass im Übrigen mutwillige Zündelei ja wohl das Mindeste ist, was wir von einem Action-Blockbuster erwarten.

Als seine Filmfigur mit dieser traurigen Nachricht konfrontiert wird, hat Cruise bereits den waghalsigsten Stunt hinter sich gebracht. Den, der uns bereits im Trailer angelockt hat, wenn Cruise sich im Rahmen einer offenbar weniger erfolgreichen Mission am Flügel eines startenden Airbus A400 festklammert. Abgesehen von Hongkongs Action-Veteranen Jackie Chan ist Cruise der letzte Topstar, der in einer zusehends digitalisierten Kinowelt noch mit echten Blessuren für sich wirbt.

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Eine berufliche Bruchlandung allerdings mag sein Alter Ego Ethan Hunt dann doch nicht hinnehmen. Während sich also seine Kollegen ohne lange Widerworte in die Zentrale zurückbeordern lassen, wo sie bestenfalls noch Schreibtischtäter werden können, taucht er unter. Und macht sich im Alleingang daran, herauszufinden, wer hinter einer ominösen Geheimorganisation steckt, die unter dem Namen „Das Syndikat“ ihr Unwesen treibt. Stilecht hat sie sich ihm bekannt gemacht, indem sie ihm eine besprochene Vinylplatte über ihre finstere Existenz geschickt hat, die sich – welch Ironie – im Anschluss selbst zerstört hat.

Auf heißer Spur tappt er freilich gleich in eine Falle. Seine Begegnung mit dem Strippenzieher einer Brigade tot geglaubter feindlicher Agenten inszeniert der vor allem als Drehbuchautor bekannte Regisseur Christopher McQuarrie („Die üblichen Verdächtigen“) als dekorative Folterszene. Wie in einem Piratenfilm mit Errol Flynn sehen wir den muskelbepackten Cruise da lässig in den Seilen hängen – weiß er sich doch mit einem geschickten Tritt im letzten Augenblick zu wehren. Seit Stummfilmtagen präsentierte Hollywood gerne schöne Männerkörper in leicht sadomasochistischer Färbung, ohne dass darüber viel gesprochen wurde. Die meist weiblichen Fans schwiegen und genossen, und so ist es wohl auch diesmal.

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Ja, er ist noch fit mit seinen 53 Jahren, auch wenn der jungenhafte Charme inzwischen nur noch ab und an wie eine Erinnerung aufblitzt. Unbestritten geht er noch immer gut und gern als fünfzehn Jahre jünger durch. Nur dass er dabei eben nicht mehr wie der 38-jährige Tom Cruise aussieht, sondern eher wie der nette Nachbar auf dem Weg ins Fitness-Studio. Einen Pakt mit dem Teufel hat er also nicht geschlossen, aber ein Wunder ist es doch, wie gerne man diesem außerhalb der Leinwand durchaus umstrittenen Star noch immer zuschaut – 32 Jahre nachdem er in Coppolas Jugendbandendrama „Die Outsider“ über Nacht bekannt wurde.

Anders als die meisten Blockbuster wendet sich „Mission: Impossible – Rogue Nation“ nicht primär an ein jugendliches Publikum. Man muss zwar nicht noch die Erstausstrahlung der Fernsehserie „Kobra – übernehmen Sie!“ erlebt haben, aber der ganze Look erinnert an die Zeiten, als man noch vom Abenteuerkino sprach. Als wollte er sich für die nächste Bond-Regie bewerben, schwelgt McQuarrie in den Schauwerten postkartenwürdiger Kulissen, die selbst schon Filmgeschichte schrieben.

Casablanca etwa ist der Spielort einer spektakulären Motorrad-Jagd, und die Wiener Staatsoper springt ein für Londons Albert Hall in einer Huldigung an Hitchcocks Klassiker „Der Mann, der zu viel wusste“: Um seinen treuen Gefährten Benji Dunn (Simon Pegg) vom öden Schreibtisch wegzulocken, schickt er ihm Karten für eine Aufführung von „Turandot“. Dort warten die Scharfschützen vom „Syndikat“ auf den österreichischen Bundeskanzler. Weniger professionell agiert das Wiener Publikum, das wie bei einem Popkonzert in Puccinis Arien- und Aktschlüsse hinein applaudiert.

Theatralisch klingt auch der Nachname einer geheimnisvollen Schönheit, die Hunt im brenzlichsten Moment zur Rettung eilt um ihn bei nächster Gelegenheit schnöde sitzen zu lassen: Ilsa Faust ist in Rebecca Fergusons Darstellung Bond-Girl und Lara Croft in einem. Den Vornamen hat sie natürlich von der Ingrid-Bergman-Figur in „Casablanca“ Das Spiel mit den Kino-Referenzen gestaltet McQuarrie höchst elegant und durchaus nicht ohne Ironie – und doch ist es nur ein Abglanz jener cinephilen Meisterschaft, die Brian de Palma im ersten „Mission: Impossible“-Film bewiesen hat.

Doch das ist ein müßiger Einwurf gegenüber einem Film, der hält, was er verspricht. Wer würde die Rolling Stones dafür tadeln wollen, dass sie bei ihren Konzerten einen Oldie nach dem nächsten spielen?

Man hätte das alles etwas schlauer haben können, mit ein paar politischen Seitenhieben vielleicht auf jüngere Fehler der Geheimdienstarbeit, die schwerer wiegen, als sich einmal an die falsche Flugzeugtür zu klammern. Doch das hätte diesem Film auch jene Unbefangenheit geraubt, die nun einmal für jeden gelungenen Drahtseilakt die Grundvoraussetzung darstellt.

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