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„Deadlines“ auf ZDFneo: Eine Tragikkomödie um Jo (Salka Weber), Franzi (Llewellyn Reichmann), Elif (Jasmin Shakeri) und Lena (Sarah Bauerett).
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„Deadlines“ auf ZDFneo: Eine Tragikkomödie um Jo (Salka Weber), Franzi (Llewellyn Reichmann), Elif (Jasmin Shakeri) und Lena (Sarah Bauerett).

TV-Kritik

Tragikomödie „Deadlines“ (ZDFneo): „Als hätte Gott ein Quadrat in die Gegend geschissen“

  • Harald Keller
    VonHarald Keller
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ZDFneo kündigt eine Reihe von neuen Comedy-Serien an und eröffnet den Reigen mit einer achtteiligen Tragikomödie über vier verschworene Frauen um die dreißig.

Die Überraschung ist groß. Plötzlich stehen drei frühere Schulfreundinnen in Lenas Wohnung. Damals bildeten sie eine verschworene Clique, dann liefen die Lebenswege auseinander. Lena (Sarah Bauerett) bemüht sich angesichts des unverhofften Wiedersehens um Impulsivitätskontrolle und braucht erst einmal eine „warme kommunikative Dusche“. Die Lehrerin – feste Beziehung, eine Pflegetochter namens Talisa (Filippa Moeller) – plappert in einem überzogenen Argot des linksliberal-grünen Milieus und neigt eklatant zu überdrehtem Verhalten bis hart an den Rand zur Borderline-Störung. Oder vielleicht auch darüber hinaus. Ihr bedächtiger Lebenspartner Marek (Markus Winter) erträgt alle Marotten – WC-Papier ist verboten, die Ernährung selbstredend vegetarisch, Schnittblumen sind tabu – stoisch und mit schlecht gereimten Liebesliedern. Die kleine Talisa beantwortet Lenas Hyperaktivität mit Schweigen und verdrehten Augen.

ZDFneo: Wendepunkte in der neuen Tragikkomödie „Deadlines“

Zu Besuch kommen die international tätige, eigentlich auf der Durchreise befindliche Geschäftsfrau Elif (Jasmin Shakeri), die brave Pharmareferentin und gewissenhafte Hausfrau Franzi (Llewellyn Reichman), die in ungesicherten Verhältnissen lebende gescheiterte Musikerin Jo (Salka Weber). Alle sind um die dreißig, die alleinstehende Elif ein wenig älter. Jo, ein ehemaliger Kinder-Star, hat einen hohen Männerverschleiß und lebt teilweise davon. Franzi möchte die Ehe und vier Kinder.

Das Zusammentreffen, die aufkommenden Erinnerungen an die wilden Jugendjahre und, damit verbunden, auch an damalige Hoffnungen und Träume, reißen Franzi und Lena aus dem Trott, bewirken Unordnung und Orientierungswechsel. Franzis Verlobter, der Chirurg Stephan (Christoph Gawenda), fühlt sich seit langem schon von ihren Capricen überfordert. Er muss sie erst bitten, einen SM-Knebel zu tragen, damit er mal zu Wort kommt: Er brauche eine „Auszeit“.

Es wird also wohl nicht zu dem kommen, was die schnodderige Elif in Anbetracht seines Berufes vorgeschlagen hatte: „Dann kann er dir ja auch gleich eine neue Nase schneiden, wenn die vierzig wird.“

„Deadlines“ bei ZDFneo: Mithörer

Elif ist die schrillste unter den Vieren und pflegt eine ziemlich derbe Sprache. Eine sämige Schnulze bezeichnet sie als „internationale Fickhymne potenzschwacher Zahnärzte“. Zur modernen Villa ihres früheren Liebhabers fällt ihr ein: „Als hätte Gott ein Quadrat in die Gegend geschissen.“ Als Investorin interessiert sie sich unter anderem für die „Anal-Bleaching-Salons in Peru“.

Lena unterdrückt ihre Zweifel an der bevorstehenden Hochzeit. Die lassen sich jedoch nicht länger bändigen, als der heißblütige und spirituell eingestellte Fotograf Guillermo (Marcel Mohab) eindeutiges Interesse zeigt. Es kommt zum Tête-à-Tête. Derweil pressen die Freundinnen im Zimmer darüber die Ohren auf den Boden und versuchen, dem Geschehen zu folgen. Eine der unter Humorgesichtspunkten gelungenen Szenen in dieser tragikomischen Serie.

Neue Comedy-Serie bei ZDFneo: Das sind Vorbilder von „Deadlines“

Es gab in letzter Zeit einige Serien, die sich der Gruppe der circa Dreißigjährigen widmeten. Die eine oder andere klingt hier an. Wie in der britischen BBC-Serie „Fleabag“ – oder auch Klassikern wie „Moonlighting“ und „Hustle“ – sprechen die Grazien zwischendurch immer mal wieder das Publikum direkt an. In „Deadlines“ wirkt diese Masche allerdings aufgesetzt und gewährt keinen Mehrwert gegenüber einer konventionellen Dialogführung.

Die Wortwechsel sind schnell und frech, allerdings durchsetzt mit unnötig grobem Jargon, gleich als wollten die Serienschaffenden signalisieren: Guckt mal, was wir uns trauen. Wiederum eine Verwandtschaft zu „Fleabag“, wo Derbheiten wie „A.schf.ck“ zum Duktus gehören. Dabei lassen die vier Hauptfiguren keine individuell maßgeschneiderte Sprache erkennen, irritieren vielmehr durch abrupte Wechsel von einem hochgestochenen Idiom in die insgesamt dominierende Vulgarität.

Mit „Deadlines“ startet auf ZDFneo eine achtteilige Tragikkomödie über vier verschworene Frauen um die dreißig.

ZDFneu: Einige Ausrutscher bei „Deadlines“

So manches Mal rutscht die spürbar absichtsvolle Frechheit in Geschmacklosigkeiten ab. „Ich fülle mich wie Hannelore Kohl“, klagt Lena beim Termin mit dem Hochzeitsfotografen. Und Elif landet auf der Polizeiwache, weil sie mit ihrem Wagen einen Rollstuhlfahrer „angeschoben“ hat. An solchen Stellen, nicht minder bei den überzogenen Spießerfantasien und den tiefen Griffen in die Kiste mit den Gags aus Siebzigerjahre-Sexklamotten, wünscht man sich mehr Esprit und Feinschliff anstelle der kindischen Provokationen.

„Deadlines“ auf ZDFneo

Die achtteilige Serie „Deadlines“ ist seit 9.7. in der Mediathek des ZDF abrufbar. ZDFneo zeigt ab dem 13. Juli 2021 auf dem neuen Comedy-Sendeplatz am Dienstag um 23:15 Uhr jeweils zwei Folgen hintereinander.

Unterhalb der Humorebene werden durchaus ernste Themen angesprochen. Unerfüllte Kinderwünsche beispielsweise, auch Demenz. Wenn sich aber die seit Teenagertagen ihres wahllosen Sexualverhaltens wegen berüchtigte Jo zum Finale hin als lesbisch oder zumindest bisexuell und als heimlich in Elif verliebt erweist, dann erscheint das mehr wie eine modische Zutat denn als ernsthafte Auseinandersetzung mit verkappter Homosexualität, weil dazu kein durchgängiger, sinnvoll fortschreitender Handlungsstrang entwickelt wurde. (Harald Keller)

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