Das Schauspieler-Duo gastiert bei Beckmann.
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Das Schauspieler-Duo gastiert bei Beckmann.

TV-Kritik Beckmann

Auf Dauer irritierend

Bestsellerträchtige Themen - und dann doch nur sechs Menschen, die ein wenig miteinander plaudern. Und mit Beckmann ein Moderator, der lieber nicht stört. Beim Abspann entstehen dann Fragen. Von Christoph Albrecht-Heider

Von Christoph Albrecht-Heider

Irgendwann wird Reinhold Beckmann die Frage dann auch noch los, deren Antwort jeder runterbeten kann. "Macht Geld wirklich glücklich?" will er wissen und bekommt von Anselm Grün, Pater, und Eckart von Hirschhausen, Kabarettist und Arzt, naturgemäß eine tendenziell verneinende Antwort.

Es geht an diesem Abend um Glück, nicht um Geld, aber irgendwie auch um alles andere, denn den Glückskoryphäen Grün und von Hirschhausen, die über das bestsellerträchtige Thema Bestseller geschrieben haben, gesellen sich später Ingrid van Bergen zu und Nadja Tiller/Walter Giller (nebst ihrem putzigen Hundchen Mimsi).

Der Altschauspieler findet auf die Frage der Talkrunde die schönste Antwort. Er sei glücklich, wenn das "Kotelett schmeckt und der FC St. Pauli gewinnt". So ähnlich sieht es der Benediktinermönch Grün auch, er drückte sich nur anders aus und spricht vom Versuch "im Augenblick zu sein". Von Hirschhausen seinerseits teilt das Schicksal vieler belesener Menschen: Er zitiert unentwegt, mal mit, mal ohne Quelle. Das wirkt auf Dauer irritierend.

Als nun aber die zusammen bald 250 Jahre alte Mimen-Troika Platz genommen hat - Tiller mit geglättetem Gesicht, Giller mit gefaltetem und van Bergen mit blonder Mähne -, hören die beiden Innerlichkeitsexperten nur noch zu.

Das Gespräch zerfließt, mäandert zwischen Anekdoten und Alters"weisheit" hin und her. Mimsi darf aus der Karaffe auf dem Tisch Wasser schlabbern. Beckmann ist glücklich, die alten Leutchen im Studio zu haben und stört nicht weiter.

Beim Abspann fragt man sich, weshalb so viele Werktätige für diese und an dieser TV-Stunde gearbeitet haben, wo doch nur sechs Menschen am Tisch sitzen und plaudern.

Und über die wirklich anrührenden Themen kann der Zuschauer auch sinnen, ohne zuzuhören. Zum Beispiel über die Frage, was die raubauzige Ingrid van Bergen, 78, und die damenhafte Nadja Tiller, 80, verbindet und trennt, wo sie doch ein Jahrgang sind. Oder man versucht sich auszumalen, wie Tiller und Giller 50 Jahr lang in Lugano, dem Zufluchtsort westdeutscher 50er-Jahre-Prominenz, lebten - jetzt sind sie in eine Seniorenresidenz nach Hamburg gezogen.

So bringt einen "Beckmann" auf Ideen, die dort überhaupt nicht besprochen werden. Und das ist ja auch ein Verdienst.

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