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Anya Taylor-Joy als Schachgenie Beth Harmon in einer Szene der Netflix-Miniserie „Das Damengambit“.
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Anya Taylor-Joy als Schachgenie Beth Harmon in einer Szene der Netflix-Miniserie „Das Damengambit“.

Kolumne „Nächste Folge“

„Das Damengambit“ auf Netflix: Wer hätte gedacht, dass Schach spielen so spannend sein kann?

  • Valerie Eiseler
    vonValerie Eiseler
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Warum schlägt die Serie „Das Damengambit“ auf Netflix alle Rekorde? Die Serienkolumne „Nächste Folge“.

  • Die Serie „Das Damengambit“ schlägt auf dem Streaming-Anbieter Netflix zahlreiche Rekorde.
  • Mehr als 60 Millionen mal soll die Schach-Serie bisher abgerufen worden sein.
  • Was sind die Gründe für den Erfolg des Hits?

Warum lieben Leute „Das Damengambit“? Die limitierte Serie hat laut Streaming-Anbieter Netflix sämtliche Rekorde gebrochen. Mehr als 62 Millionen mal soll die Serie über Schachgenie Beth Harmon weltweit gestreamt worden sein. Was macht die Serie so beliebt?

Eine nicht im geringsten wissenschaftliche Umfrage in den Sozialen Netzwerken, sowie die Sichtung einiger Kritiken führte mich zu drei Hauptgründen.

„Das Damengambit“ ist eine ästhetisch unheimlich ansprechende Netflix-Serie

Grund Nummer eins: Die Serie ist schön. Ja, das sehe ich ein. „Damengambit“ ist eine ästhetisch unheimlich ansprechende Netflix-Serie. Elegante Mod-Kleider, Mid-Century Möbel und durchweg ein Effekt von fast cremiger Weichheit. Lob gebührt an dieser Stelle Szenenbildner Uli Hanisch und Kostümbildnerin Gabriele Binder, beide für „Babylon Berlin“ gerühmt. Erwähnenswert auch die Tapetenauswahl, der bereits ganze Blogeinträge gewidmet wurden. Der Augenschmaus dieser Serie könnte viele Menschen angelockt haben.

Grund Nummer zwei: Eine tolle feministische Netflix-Serie ohne Girl-Power-Klischees. Klingt gut. Beth Harmon, gespielt von Anya Taylor-Joy, wird schon als junges Mädchen zum Schachgenie und bricht mit einem Stereotyp. Ihr Frausein sieht Beth dabei nicht als Hindernis und viel überraschender: Die männlich dominierte Schachwelt tut dies – mit der Ausnahme von ein, zwei Kommentaren, auch nicht. Doch Beth wird ausdrücklich als „nicht wie die anderen Frauen“ dargestellt. Die Mädchen auf Beths High School sind nur an Jungs interessiert, früh verheiratet und unglücklich.

Netflix-Serienhit „Das Damengambit“: Beths Kindheitsfreundin Jolene sitzt schwer im Magen

Etwas schwer im Magen sitzt zudem die Figur von Beths schwarzer Kindheitsfreundin Jolene. Mit viel Energie gespielt von Debüt-Darstellerin Moses Ingram, soll Jolene nicht das Klischee der besten Freundin sein, die die Heldin auf magische Art und Weise rettet. Im Wortlaut: „Ich bin nicht dein Schutzengel.“ Umso enttäuschender, dass sie trotz dieses Versprechens nach Jahren ohne Kontakt auftaucht, um Beth zu retten.

Während die Netflix-Serie Jolene also nicht gerecht wird, behandelt sie die männlichen Figuren in Beths Leben erfrischend gut. Durch jahrelanges Filmschauen erlernte Angst, wenn ein junges Mädchen in einem Keller einem alten Mann begegnet, wird aufgelöst, wenn beide einfach nur Schach spielen. Traurig, wie überraschend die Abwesenheit von Gewalt gegen eine Protagonistin ist. Insofern ist der eher subtile Feminismus der Serie durchaus angenehm. Die Szene aber, in der Beth am scheinbaren Tiefpunkt ihres Lebens (wegen Alkoholsucht) perfekt frisiert in Unterwäsche sexy durch das Zimmer tanzt, lässt sicher dennoch einige Frauenaugen rollen.

„Das Damengambit“ auf Netflix: Wer hätte gedacht, dass Schach spielen so spannend sein kann?

Grund Nummer drei: Es ist eine tolle Geschichte. Wer hätte gedacht, dass Schach spielen so spannend, sogar sexy sein kann? Dabei ist die Formel von „Damengambit“ recht simpel. Schach ist ein Sport und die Netflix-Serie bedient sich großzügig an der von Sportfilmen bekannten Heldinnen-Entwicklung. Underdog Beth muss in einer abenteuerlichen Welt Konflikte überwinden, um ihren finalen Sieg zu feiern. Neu ist diese Geschichte nicht. Die Spannung hängt mehr an der Protagonistin, so kann die Story nicht ausschlaggebend für die 62 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer sein.

Zur Kolumne

Die Kolumne „Nächste Folge“ nimmt Streaming- und TV-Serien in den Blick. Weitere Kolumnen unter: www.fr.de/naechste-folge

Es sprechen also vor allem Gründe eins und zwei für den weltweiten Erfolg von „Damengambit“: Eine schöne Serie mit einer interessanten Frau. Reicht das aus? Vielleicht werde ich damit dem zentralen Element der Serie nicht gerecht: dem Schach. Seit Beginn der Pandemie erfreut sich das Spiel erhöhter Nachfrage. Mit dem Erscheinen von „Damengambit“ stieg die Begeisterung weiter: Hölzerne Schachbretter sind kaum mehr zu bekommen, mechanische Schachuhren wie in der Netflix-Serie sind, im Gegensatz zu den digitalen Nachfolgern, nahezu ausverkauft. Vielleicht lieben die Leute also einfach Schach. (Valerie Eiseler)

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