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Jean-Paul Belmondo im Jahr 2016.
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Jean-Paul Belmondo im Jahr 2016.

Nachruf Jean-Paul Belmondo

Das Ass der Asse

  • Daniel Kothenschulte
    VonDaniel Kothenschulte
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Er war der größte Star der Nouvelle Vague: Zum Tod des unvergleichlichen Jean-Paul Belmondo.

Wer sich das Kino neu erfindet, noch dazu mit bescheidenen Mitteln, braucht Darsteller, die die Leinwand füllen. Als der Filmkritiker Jean-Luc Godard für seinen Erstlingsfilm „Außer Atem“ Jean-Paul Belmondo engagierte, hatte der Jungfilmer bereits die halbe Ernte eingefahren. Man konnte die Augen nicht abwenden von dem 26-Jährigen mit dem bereits etwas verlebt wirkenden Gesicht. Und so sollte es bleiben bis zu seinem letzten Film, „Ein Mann und sein Hund“, im Jahre 2008, und wann immer seine Filme liefen: Man bewunderte seine Mischung aus Energie und Lethargie, aus Wagemut und Lässigkeit und sah ihm staunend zu wie einem seltenen Tier.

Nicht nur im französischen Kino war er unvergleichlich. Es gab viele, die ihm nacheiferten oder in anderen Ländern sein Rollenfach besetzten – in Italien Adriano Celentano, in Deutschland Marquard Bohm – aber die Glaubwürdigkeit, die er in seine Rollen einbrachte, war von einem anderen Kaliber. Belmondo war die Verkörperung einer neuen Art von Coolness, dem modernen Jazz näher als den damaligen Vorstellungen von Filmstar-Qualitäten. „Ich dachte nie daran, eines Tages berühmt zu werden“, erinnerte sich Belmondo später. „Mit meinem Gesicht hatte ich nichts von einem Verführer an mir, und zu jener Zeit spielte das Äußere noch eine große Rolle.“

In der Tat konnte sich das damalige französische Studiokino nicht beklagen über einen Mangel an attraktiven „leading men“. Es gab Gérard Philippe, Yves Montand und Alain Delon, aber Belmondo stand für eine weniger glamouröse Männlichkeit. Und sein Abenteurertum in keinem Widerspruch zur Intellektualität, oder andersherum ausgedrückt: Mit ihm konnten sich auch Gitanes-rauchende Studenten im Nachklang des Existenzialismus identifizieren. Dies ebnete einem neuen Männlichkeitsideal den Weg, das erst in den späten 60er und 70er Jahren tonangebend werden sollte.

Als Sohn des neoklassizistischen Bildhauers Paul Belmondo, der unter anderem mit dem Schriftsteller Albert Camus befreundet war, war er alles andere als ein Kind der Straße. Sein Vater unterstützte die künstlerischen Ambitionen seines Sohnes, der sich am Pariser Konservatorium ausbilden ließ. Später verteidigte er seinen Vater, der mit den Nazi-Besatzern kollaboriert hatte, gegenüber Anfeindungen des Bildhauers César. Den von diesem gestalteten gleichnamigen französischen Filmpreis lehnte er ab, als er ihn 1989 für die Rolle eines alternden Individualisten in „Der Löwe“ zugesprochen bekam.

Er verband Kunst und Genre

In den sechziger Jahren trug Belmondo wesentlich zur Popularisierung des Autorenfilms bei; nicht nur bei den Freunden der Nouvelle Vague, sondern wo immer Kunst und Genre zusammenfanden. Claude Sautet besetzte ihn in „Der Panther wird gehetzt“, Peter Brook in „Stunden voller Zärtlichkeit“. Er spielte bei Vittorio De Sica („Und dennoch leben sie“), Jean-Pierre Melville („Eva und der Priester“, „Der Teufel mit der weißen Weste“), François Truffaut („Das Geheimnis der falschen Braut“) und immer wieder bei Godard (am eindrucksvollsten in „Elf Uhr nachts“, „Pierrot le fou“).

Zugleich eroberte er sich aber auch so etwas wie sein ureigenes Genre, den Belmondo-Film: eine moderne Spielart des Abenteuerfilms, die ganz auf seine sportliche Präsenz zugeschnitten war. Berühmt dafür, auch riskante Stunts selbst auszuführen, bescherte er dem französischen Kino auch in schwierigen Zeiten volle Häuser.

Philippe de Broca erkannte diese Qualitäten früh mit seinen herrlichen Spektakeln „Cartouche, der Bandit“ (1960) und dem unvergesslichen „Abenteuer in Rio“ (1964). Wie sehr Belmondos spätere Erfolge auf ihren Hauptdarsteller zugeschnitten waren, las man schon aus ihren deutschen Titeln, die sein Star-Image in Slogans zu beschreiben schienen: „Ein irrer Typ“; „Der Windhund“; „Der Profi“; „Das Ass der Asse“; „Der Außenseiter“. In den achtziger Jahren kehrte Belmondo auf die Theaterbühne zurück, in einem eigenen Haus genoss er es, sein Leinwandimage mit anspruchsvollen Rollen zu konterkarieren, beginnend mit Jean-Paul Sartres „Kean“ nach einer Vorlage von Alexandre Dumas. Zwischen diesen Polen, der Intellektualität und dem Abenteurertum, spielt das Werk des einzigartigen Jean-Paul Belmondo. 88-jährig starb er am Montag in Paris.

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