Gastwirtschaft

Im Schwarm zur Immobilie

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Crowdinvestment in Betongold birgt Risiken.

Der Trend zu Immobilien ist ungebrochen. Schlagzeilen der letzten Wochen lauten: „Nachfrage ist weiter hoch“, „Die Preise steigen rasant“, „Angebot kommt nicht hinterher“ und „Preise bei Immobilien an Schmerzgrenze“. Angesichts weiter niedriger Zinsen lockt die Kombination aus Sachwert und Sicherheit. Nicht nur der Kauf von Häusern und Wohnungen boomt. Auch das Geschäft mit Immobilien als Geldanlage in jeglicher Form läuft. Immobilien spielen bei geschlossenen Fonds und Vermögensanlagen eine immer wichtigere Rolle – Insgesamt flossen 2018 rund 80 Prozent der Anlegergelder bei geschlossenen Fonds in Betongold. So weit, so bekannt. Doch auch im Bereich des Crowdinvestments werden Anlagen in Immobilienprojekte immer wichtiger – rund 70 Prozent des eingesammelten Kapitals fließen auch hier mittlerweile in Immobilien.

Crowdinvestments – auch Schwarmfinanzierungen genannt – scheinen aus Sicht der Anleger besonders attraktiv. Ein Einstieg mit kleinen Summen ist möglich. Zugleich werden diese Anlagen als besonders sicher und lukrativ beworben werden. Doch Anleger müssen wissen: Nur weil Immobilie drauf steht, ist keineswegs Sicherheit drin. Bei einem Investment über die vergleichsweise neuen Internetplattformen kann immer etwas schief gehen. So musste ein Immobilienprojekt der Plattform „Zinsland“ 2017 Insolvenz anmelden – die erste Insolvenz bei einer schwarmfinanzierten Immobilienanlage. Die Crux bei Crowdinvestments besteht generell darin, dass die Anlage meist in Nachrangdarlehen erfolgt. Das bedeutet in der Konsequenz: Wenn es zur Insolvenz kommt, steht der Investor am Ende der Kette.

Neuerdings bieten Plattformen wie „Bergfürst“ sogar Sparpläne auf Immobilien-Investments. „Mit der RelaxImmo Vermögensanlage schon ab zehn Euro monatlich automatisch in Immobilien-Projekte investieren“, heißt es da. So nett ein derart niedriger Mindestbetrag klingt – fraglich ist doch, ob solche Mini-Sparpläne überhaupt sinnvoll sind. Hinzu kommt, dass Anleger die Katze im Sack kaufen, denn in welche Projekte das Geld fließen soll, ist zum Zeitpunkt des Angebots noch völlig offen. So steht es eher klein gedruckt auf dem Informationsblatt. Was dagegen sicher ist – und entsprechend fett gedruckt steht es dort auch: die Anlage kann im äußersten Fall zum Totalverlust führen.

Der Autor ist Teamleiter „Marktwächter Finanzen“ bei der Verbraucherzentrale Hessen.

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